13. April 2005 08:46; Akt: 13.04.2005 08:46 Print

Späte Ehrung für Schweizer Offizier

Der Schweizer Offizier Max Waibel soll 60 Jahre nach Kriegsende und über 30 Jahre nach seinem Tod eine Gedenktafel erhalten.

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Er hatte 1945 den Waffenstillstand zwischen Deutschen und Alliierten in Italien vermittelt. Von den Schweizer Behörden war er dafür gerüffelt worden.

Der Krieg in Norditalien 1944/45 und die deutsche Politik der verbrannten Erde tangierten unmittelbar auch die Sicherheitsinteressen der Schweiz - nicht zuletzt wegen der wirtschaftlich wichtigen Bahnverbindung Genua-Simplon. Die Neutralitätspolitik verurteilte indes die Schweizer Behörden zur Zurückhaltung.

Private Initiative

Ein kleiner privater Kreis um den Generalstabs- Nachrichtenoffizier Max Waibel und seinen Freund Max Husmann setzte sich aktiv für die Vermittlung eines Waffenstillstandes ein. Husmann war anfang 1945 vom befreundeten italienischen Baron Luigi Parrelli kontaktiert worden: Dieser wusste von verhandlungsbereiten deutschen SS-Offizieren in Italien.

Waibel und Husmann entschlossen sich, entgegen militärischen und politischen Geboten, hinter dem Rücken der Schweizer Behörden, zusammen mit Parrelli Kontakte zum Leiter des amerikanischen Nachrichtendienstes (OSS) in Bern, Allen W. Dulles, sowie zum höchsten deutschen SS- und Polizeiführer in Italien, General Karl Wolff, aufzunehmen.

Sie vermittelten verschiedene Geheimtreffen: Eines zwischen Wolff und Dulles am 8./9. März in Zürich, und eines am 19. März in Ascona TI zwischen Wolff und den alliierten Generälen Terence Airey und Lyman Lemnitzer.

Erfolg erst im zweiten Anlauf

Anfang April 1945 stockten die Gespräche: Der argwöhnische SS- Führer Himmler liess Wolff nach Berlin beordern, und die misstrauisch gewordenen Alliierten zogen sich von den Verhandlungen zurück.

Erst nachdem Wolff Hitler und Himmler einigermassen beruhigen und Max Waibel die alliierten Vertreter zur Wiederaufnahme des Dialoges bewegen konnten, wurden die Kontakte Ende April wieder aufgenommen. Waibel konnte zwei deutsche Offiziere, die Vollmachten des Oberbefehlshabers zu Kapitulationsverhandlungen besassen, von Chiasso nach Annecy (F) begleiten.

Von dort wurden sie ins alliierte Oberkommando in Caserta geflogen. Am 29. April wurde dort die Kapitulation der deutschen Truppen in Italien unterzeichnet, die am 2. Mai in Kraft trat -eine Woche vor der endgültigen Kapitulation der Deutschen. Sie hat eine Totalzerstörung Norditaliens mit hunderttausenden Opfern verhindert.

Bundesrätlicher Rüffel

Waibel erhielt wohl Lob von alliierter Seite, nicht aber von der offiziellen Schweiz. Er wurde vom Bundesrat «wegen seiner Eigenmächtigkeit» scharf getadelt.

Nach dem Krieg setzte sich Waibel für ein zeitgemässes Armeeleitbild ein. Zusammen mit Divisionär Alfred Ernst kämpfte er gegen eine Übermechanisierung und Atombewaffnung der Armee.

Nun setzt sich ein Arbeitskreis «In Memoriam Max Waibel» für eine postume Ehrung des 1971 verstorbenen Waibel ein. In einem öffentlichen Akt wird am 6. Mai 2005 an der Fassade des Armee-Ausbildungszentrums in Luzern eine Gedenktafel zur Erinnerung an die historische Mission enthüllt.

Ausserdem findet am 1./2. Mai in Locarno ein von der italienischen Botschaft organisiertes historisches Seminar über das Kriegsende in Italien 1945 statt. Dabei soll auch die Rolle Waibels und Husmanns zur Sprache kommen.


(sda)