Geldmangel für Aktivitäten

08. November 2018 14:06; Akt: 08.11.2018 17:30 Print

Rentnerin will Schulen 20'000 Franken spenden

von B. Zanni - Gewissen Schulen fehlt das Geld für Ausflüge. Eine Rentnerin will den Schulen nun unter die Arme greifen.

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G. B. möchte die Volksschule Kriens mit einer Spende von 10'000 Franken unterstützen. Es sei doch traurig, wenn diese wegen des Urteils künftig keine oder nur noch im Umfang beschränkte Aktivitäten ausserhalb der Schule unternehmen könnten, sagt B. Die Nachricht, dass Aktivitäten ausserhalb des Schulzimmers nur noch beschränkt durchführbar seien, erreichte die zweifache Mutter Sarah Le Grand via Infobrief der Volksschule am Freitag. Darin schrieb der Rektor, dass «bisherige Aktivitäten wie Schulreisen, Exkursionen und Ausflüge nicht mehr oder nur in reduziertem Umfang» durchgeführt werden könnten. Grund dafür ist ein Urteil des Bundesgerichts vom Dezember 2017. Für obligatorische Schulanlässe oder Lager dürfen den Eltern nur noch maximal die Verpflegungskosten in Rechnung gestellt werden. Der Entscheid sollte finanziell schwächere Eltern entlasten. Für die Kosten müssen nun zum Grossteil die Gemeinden aufkommen. In Kriens LU fehlt offenbar das Geld dazu. Der Kanton Luzern übernimmt zwar ein Viertel der anfallenden Kosten, Kriens reicht dieser Beitrag aber nicht. Im Infobrief des Schulleiters heisst es: «Auch wenn die Beträge ins Budget 2019 der Schule Kriens eingearbeitet wurden, werden sie nicht ausreichen, um die bisherigen Aktivitäten aufrechterhalten zu können.» Laut Charles Vincent, Dienststellenleiter der Volksschulbildung im Kanton Luzern, muss nicht nur Kriens umdenken. «In vielen Gemeinden und Städten besteht die Frage, wer die ausfallenden Elternbeiträge übernimmt», sagt Vincent. Die nun vom Kanton festgelegten Beiträge, die die Gemeinden budgetieren müssen, seien moderat. Habe eine Schule bisher viele Ausflüge gemacht und Elterngeld erhalten, müsse sich diese nun einschränken oder andere Lösungen finden. Auch für Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, ist klar: «Den Bundesgerichtsentscheid nun anzuzweifeln, macht keinen Sinn. Es ist nur eine Frage der Budgetierung der Gemeinden und Schulen – und es geht nicht um viel Geld.» Je nach kantonalem Gesetz gehören dazu aber auch Schulmaterial oder obligatorische Lager. So soll jedes Kind uneingeschränkt an der Schule und an Ausflügen teilhaben können – wenn diese obligatorisch sind. Es sei eine Bankrotterklärung, wenn Gemeinden für Schulausflüge und Klassenlager nicht mehr aufkommen könnten, sagt Zemp. Dann sei es an den Kantonen, für Chancengleichheit zwischen den Gemeinden zu sorgen und diese entsprechend zu unterstützen, so Zemp.

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Nach einem Urteil des Bundesgerichts von 2017 müssen die Schüler der Volksschule Kriens LU eine bittere Pille schlucken: Die Schule muss Reisen, Exkursionen und Ausflüge streichen oder reduzieren, weil dafür das Geld fehlt. Denn Eltern dürfen für obligatorische Schulanlässe oder Lager nur noch maximal die Verpflegungskosten in Rechnung gestellt werden. Für die Mehrkosten müssen nun die Gemeinden aufkommen (20 Minuten berichtete).

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«Lehrpersonen und Schulleitung versuchen, unter den gegebenen Voraussetzungen das Bestmögliche zu machen und das eine oder andere Erlebnis trotzdem zu ermöglichen», kommentierte Rektor Markus Buholzer einen entsprechenden Infobrief kürzlich. Doch nun will eine Spenderin der Schule zu Hilfe eilen.

«Die Schüler liegen mir am Herzen»

Kürzlich wartete die 79-jährige G.B.* ungeduldig einen Rückruf des Schulleiters ab. «Die Schüler liegen mir am Herzen. Ich möchte der Schule Kriens sofort 10 000 Franken spenden», sagt sie. Es sei doch traurig, wenn diese wegen des Urteils künftig keine oder nur noch im Umfang beschränkte Aktivitäten ausserhalb der Schule unternehmen könnten. «Es geht mir nur um die Kinder», betont sie. An ihre Schulreisen erinnere sie sich nicht mehr. «Ich habe das Meiste doch vergessen.»

Laut B. hat ihr die Schulleitung mittlerweile versprochen, einen Einzahlungsschein für die Spende zu schicken. «Der Rektor bedankte sich vielmals. Aber ich mache das ja nur für die Schüler», erzählt B.. Markus Buholzer hält sich auf Anfrage von 20 Minuten bedeckt. «Ich habe mit Frau B. telefoniert», sagt er nur.

«Ich will das Geld schnellstmöglich überweisen»

Auch die Schule Brugg AG kämpft mit dem Urteil, wie die Aargauer Zeitung berichtete. Die wegfallenden Elternbeiträge reissen ein Loch von 60 000 Franken in die Schulkasse. Darum will B. auch dieser Schule mit 10 000 Franken unter die Arme greifen. «Ich möchte gern kurzen Prozess machen und das Geld schnellstmöglich überweisen.» Auf die Bitte der Schule, zuerst einen entsprechenden Antrag zu stellen, sei sie deshalb nicht eingegangen. «Ich habe keinen Computer und nur ein normales Telefon. Es hiess, dass sie nun alles für mich in die Wege leiten.» Siegbert Jäckle, Gesamtleiter der Schule Brugg, war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

«Mein Mann ist vor vier Jahren verstorben und hat mich gut versorgt», sagt B. über ihre finanzielle Grosszügigkeit. Regelmässig habe sie bereits ihre Wohngemeinde Neuenhof AG mit mehreren Tausend Franken unterstützt. «Man sagt mir, ich sei der Engel von Neuenhof», erzählt B. lachend.

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ulrich Steiger am 08.11.2018 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ein nobele Geste, aber ...

    Eine noble Geste von der Dame, die jedoch nachdenklich stimmt. Müssen Private künftig für unseren "armen" Staat in die Presche springen, derweil er Milliarden ins Ausland verschenkt? Da stimmt doch etwas nicht!

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  • Heidi Beschämt am 08.11.2018 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Reiche Schweiz

    Sehr nett von der Dame. Jedoch hätte die Schweiz eigentlich genug Geld zur Verfügung... Irgendwie beschämend...

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  • Daniela am 08.11.2018 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    grossherzige Dame

    Bedenklich, dass Name und Wohnort der Spenderin öffentlich gemacht werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 08.11.2018 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Das reiche Schweiz

    Wie war das noch jeder besitzt 500,000.- Franken auf der hohe kannte.Aber Gemeinden können wegen Geld mangel den Kinder keine Schulreise mehr bezahlen. Wie lange will man das Volk noch anlügen

  • Don Vito Corleone am 08.11.2018 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist unglaublich was da abgeht!

    Die ganzen Schulaktivitäten sind durch Steuern bereits bezahlt! Jede Gemeinde weiss wie viele Schüler sie hat und wie viel budgetiert werden muss damit Aktivitäten durchgeführt werden können! Wird das nicht gemacht liegt es an den Mitarbeitern der Gemeinde oder der Unfähigkeit der Gemeinde Chefs. Es kommt mir bald vor wie in D wo Eltern Schulen sanieren oder Heizöl für die Schule kaufen damit geheizt werden kann!

    • 50+ am 08.11.2018 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Don Vito Corleone

      kennst du die Zahlen deiner Gemeinde? Gewinn oder Verlust? Es muss gespart oder Steuern erhöht werden. Wo gespart wird, entscheiden "Fachleute" - ich sage nur, es wird am falschen Ende gespart aber ich interessiere mich auch nicht für diese Zahlen, kann eh nix an der Steuerrechnung ändern und KK zahle ich mehr wie Steuern..

    • Martin am 08.11.2018 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Don Vito Corleone

      Es geht aber um Kosten die bis jetzt von den Eltern übernommen wurden und das ist jetzt nicht mehr möglich. Es geht also um zusätzliche Kosten mit denen man nicht gerechnet hat.

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  • Oberli am 08.11.2018 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Einsparen ohne Ende

    "Nach einem Urteil des Bundesgerichts von 2017 müssen die Schüler der Volksschule Kriens LU eine bittere Pille schlucken: Die Schule muss Reisen, Exkursionen und Ausflüge streichen oder reduzieren, weil dafür das Geld fehlt." Das ist eine direkte Folge der Steuergeschenke des Kantons Luzern an Unternehmungen.

  • jürgen am 08.11.2018 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Privat Personen

    So sollte es aussehen. Ich danke dieser Frau für Ihren Einsatz. Aber es kann doch nicht sein, dass die Schweiz resp. die Kantone kein Geld für solche Reisli haben. Beschämend, dass eine alte Dame ihr Privatvermögen einsetzt während die Schweiz Geld ins Ausland verschenken kann. Traurig dieses Bundes-Bern. Danke!

    • Pesche am 08.11.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jürgen

      Würden wir nicht Millionen in eine unnütze Armee pumpen, hätten wir mehr Geld in Bildung und Gesundheit

    • Clemens Romanelli am 08.11.2018 19:46 Report Diesen Beitrag melden

      Falscher Vergleicht

      Das Geld für Entwicklungshilfe kommt vom Bund. Für die Bildung auf Primarstufe sind die Kantone zuständig. Der Kanton Luzern hat die Steuern massiv gesenkt und ist nun ein Pleitekanton. Profitiert haben die Reichen und gesenkt wurden die Steuern von SVP/CVP/FDP. Vielen Dank an dieser Stelle.

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  • Katja am 08.11.2018 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Enkel erbittet Adresse

    um ein Haus zu kaufen...