Jeder Rappen fehlt

24. Dezember 2013 11:58; Akt: 24.12.2013 12:06 Print

Spenden brechen ein

von Camilla Alabor - SRF hat mit «Jeder Rappen zählt» nur noch 1,6 Millionen Franken eingenommen – letztes Jahr war es fünfmal so viel gewesen. Geizig sind die Schweizer deswegen aber nicht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Jeder Rappen zählt» ist das Motto der Spendenaktion von SRF. Dieses Jahr haben die Schweizer dem Sender – und damit der Glückskette – aber deutlich weniger Rappen gespendet als in den Jahren zuvor. Für die «Kinder in Slums», so der Titel der diesjährigen Aktion, kamen 1,6 Millionen Franken zusammen. 2012 waren es 7,5 Millionen gewesen, rund fünfmal mehr.

Umfrage
Wie viel haben Sie dieses Jahr gespendet?
59 %
6 %
5 %
8 %
11 %
11 %
Insgesamt 16987 Teilnehmer

Sind die Schweizer geiziger geworden? Oder haben die «Kinder in Slums» nicht zum Spenden animiert? Weder noch, erklärt Radio-Programmleiter Robert Ruckstuhl. «Das Thema hatte keinen Einfluss auf das Sammelergebnis.» Vielmehr sei das Konzept ein anderes gewesen. In anderen Worten: Weil der Sender sparen musste, erhielt das Programm weniger Sendeminuten und die Moderatoren waren nur noch an zwei statt an sechs Tagen vor Ort. Genaue Zahlen liefert SRF zwar nicht, betont aber: «Das Budget für die diesjährige Ausgabe von ‹Jeder Rappen zählt› war rund fünfmal kleiner als in den Vorjahren.» Damit habe das Publikum auch weniger Zeit zum Spenden gehabt, so Ruckstuhl.

Zufriedene Gesichter bei Pro Infirmis

Nicht nur genervte Hörer dürften sich darüber gefreut haben, dass «Jeder Rappen zählt» dieses Jahr weniger oft über den Äther ging. Auch Mark Zumbühl von Pro Infirmis zeigt sich zufrieden: «Die Hilfswerke haben dieses Programm schon lange kritisiert.» Spenden zu sammeln, sei nicht der Auftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders – zumal der Spendemonat Dezember für viele Hilfswerke besonders wichtig ist.

Pro Infirmis hat dieses Jahr zehn Prozent oder rund eine Million Franken mehr Spenden erhalten als 2012. «Das liegt zum grossen Teil am grösseren Bekanntheitsgrad», sagt Zumbühl. Doch ein Teil der Einnahmen gehe wohl auch auf die kleinere Konkurrenz durch «Jeder Rappen zählt» zurück.

Ein gutes Jahr

Andere Hilfswerke sehen keinen Zusammenhang – oder können für den Dezember noch keine Aussage machen. Dennoch war 2013 für die meisten angefragten Organisationen und Stiftungen ein gutes Jahr. «Die Schweizer haben sehr grosszügig gespendet», sagt etwa Beat Wagner vom Roten Kreuz. Sechs Millionen Franken haben die Schweizer dem Roten Kreuz alleine für die Hilfe in den Philippinen gegeben, insgesamt waren es 26,5 Millionen.

Eine positive Bilanz ziehen auch WWF, Amnesty International und die Winterhilfe. «Wegen vieler Legate und Spenden war 2013 für uns ein sehr gutes Jahr», sagt Fredi Lüthin vom WWF. Die Umweltschutzorganisation hat 2013 rund fünf Millionen Franken mehr eingenommen als letztes Jahr.

Weniger Geld wegen Taifun

Einzig Pro Natura mag nicht in den Freudenchor einstimmen. Wegen der Konkurrenz durch «Jeder Rappen zählt» hat die Organisation ihren Spendebrief von November auf Oktober vorverlegt – womit der Aufruf zeitlich fast mit dem Taifun zusammenfiel, der Anfang November die Philippinen verwüstete. «Im Vergleich zu sonst kam bei unserem Aufruf deutlich weniger Geld zusammen», sagt Sprecherin Sava Buncic. «Durch den Taifun hatten die Leute ihr Spendebudget wohl bereits aufgebraucht.» Trotz dieses Einbruchs rechnet Pro Natura damit, dass auch dieses Jahr wieder rund 19 Millionen Franken eingehen werden.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heleneina Baechler am 24.12.2013 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Spenden schaden!!!

    kürzlich liefen grad 2 gute Dokus zu dem Thema. DOK auf SRF und Extra auf RTL. Und was Spenden bewirken können und wie der Spendeapparat aufrecht gehalten wird. Die wirklich Armen profitieren nie. Bitte bitte informiert euch umfassend und buttert nicht einfach blindlings Geld irgendwo rein, um euch danach besser zu fühlen.

    einklappen einklappen
  • Rumpel Stilz am 24.12.2013 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Klar, jeder Rappen zählt!

    Die Frage ist nur: Für wen? Wer profitiert?

    einklappen einklappen
  • Inkognito am 24.12.2013 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei und Selbstdarstellung

    Das Resultat zeigt deutlich, was mich schon all die Jahre angewidert hat: dass es den "Spendern bei JRZ" nicht darum geht, Gutes zu tun, sondern sich selbst darzustellen. Gibt es diese Plattform nicht mehr, will man plötzlich auch nicht mehr spenden! Die wahren Helden sind die, die sich nicht noch namentlich via Äther rühmen lassen müssen, wenn sie spenden!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • D. Wetter am 25.12.2013 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jeder Rappen

    das sagte letztes Jahr auch Coiffeurmeister X zu seinen Lehrlingen und Angestellten. Er verteile keine Gratifikationen, das Geld gehe an diese Organisation! Ausgerechnet die schlechbezahlteste Branche... ( Wie lange gibts die wohl noch...?)

  • m.odi am 25.12.2013 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sauerei.. und wieviel kommt dann wirklich an?

    Jeder Rapoen zählt.... Aber das ganze Geld landet wieder im Ausland. Warum nicht für bedürftige Eidgenossen spenden? - Nein, das liebe Geld muss ins Ausland.

  • Pittley am 25.12.2013 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Slums

    Slums haben wir hier nicht, jedoch viele arme Familien, ältere Menschen und alleinerziehende Mütter. Warum also Geld ins Ausland spenden wenn wir selber viele arme Menschen hier haben?

  • k.h. am 25.12.2013 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    selbstverliebte radio-dj's

    selbstherrliche und selbstverliebte sfr 3 radiomoderatoren. denen geht es nur um das eigenen image. sollen sie doch mal jrz für bedürftige in der schweiz machen. davon gibt es leider mehr als genug, nur fühlt es sich besser an, geld für arme leute in afrika, südamerika etc. zu sammeln. würde mich wundern nehmen was diese radio dj sagen, wenn sfr mitteilt, dass jedem seinen 13 gespendet wird!!

  • Kunz R. am 25.12.2013 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Für mich!

    Für mich zählt auch jeder Rappen!