Kampfjet-Entscheid

01. Dezember 2011 22:09; Akt: 14.07.2014 11:09 Print

Spielt Ueli Maurer ein doppeltes Spiel?

von Simon Hehli - Ueli Maurer schlägt dem Parlament den günstigen, aber unbeliebten Gripen vor. Das nährt den Verdacht, dass er die Kampfjet-Beschaffung zugunsten der Bodentruppen sabotieren will.

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Ueli Maurer, der grosse Taktierer? (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

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So richtig erwärmen konnte sich Verteidigungsminister Ueli Maurer für neue Kampfjets noch nie. «Es besteht die Gefahr, dass die Kosten, welche über die ganze Lebensdauer anfallen, und Folgeinvestitionen für die Flugzeuge die Armee in anderen Bereichen einschränken», sagte er vor gut zwei Jahren gegenüber 20 Minuten Online. In diesem Jahr schoss er in Interviews gegen die «sogenannten Sicherheitsexperten in meiner eigenen Partei, die unbedingt neue Kampfjets wollen». Und erklärte, dass es reichen würde, die altgedienten Tiger erst 2020 zu ersetzen.

Am Mittwoch hat der Bundesrat nun entschieden, mit welchem Flugzeugtyp die Luftwaffe künftig ausgerüstet werden soll: mit dem schwedische Gripen. Die Regierung folgt damit einem Auftrag des Parlaments, möglichst rasch einen Tiger-Ersatz zu beschaffen.

Mehr Geld für Bodentruppen

Doch hinter dem Entscheid für den Gripen könnte auch ein taktisches Manöver stehen. «Was Ueli Maurer sagt, ist nicht unbedingt das, was er denkt», sagt GSoA-Vorstandsmitglied Jo Lang. Für Maurer sei eine gut ausgestattete Bodentruppe immer wichtiger gewesen als die Kampfjets. «Er weiss, dass er für fünf Milliarden höchstens eine 100 000-Mann-Truppe bekommt, aber Flieger sind damit nicht auch noch finanzierbar», so Lang.

Der abgewählte Nationalrat der Grünen hat beobachtet, dass Maurer in diesem Sommer seine Rhetorik geändert habe: «Weil die CVP-Militärfreunde um Ständerat Bruno Frick in der Jet-Frage am Drücker waren, fürchtete die SVP, sie würde in einem ihrer Kernthemen rechts überholt. Maurer kämpfte deshalb pro forma auch für die Flieger.» Doch das ändere nichts an Maurers grundsätzlichen Vorbehalten gegen die Jet-Beschaffung.

Maurers Doppelstrategie

Lang glaubt deshalb, dass Maurer eine Doppelstrategie fährt. Diese könnte so aussehen: Der Verteidigungsminister hat sich extra für den «Billig-Jet» Gripen starkgemacht, weil dieser bei bürgerlichen Fliegerfreunden im Parlament wenig Kredit geniesst. Diese könnten eine «unheilige Allianz» mit den Linken bilden, die prinzipiell gegen neue Jets sind. So käme eine Mehrheit zustande, um den Gripen abzuschiessen.

Wenn das nicht gelingt, käme laut Lang Maurers Plan B zum Zug: die Volksabstimmung. Flugs würde Maurer wieder auf die Seite der Flieger-Befürworter wechseln – und könnte hoffen, am Abstimmungstag als glänzender Sieger dazustehen. Denn ein Volks-Ja ist nicht auszuschliessen: Der Grippen ist eine Milliarde günstiger als die Konkurrenzmodelle und stammt aus dem neutralen Schweden. Und ein Gripen-Abstimmungssieg wäre für Maurer besonders wertvoll. Er könnte ihn als Votum des Volkes für die Armee als Ganzes umdeuten.

«Die Rechnung wird nicht aufgehen»

Maurers Parteikollege und Gripen-Gegner Roland Borer sagt zu Langs Thesen: «Ich kann das nicht beurteilen. Aber in der Politik ist nichts unmöglich.» Thomas Hurter, ebenfalls SVP-Nationalrat, betont, er wolle nicht glauben, dass der VBS-Chef solche taktischen Spielchen betreibe. «Aber wenn es wirklich so wäre, dann wäre er nicht mehr wählbar. Und er hätte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.» Denn das Parlament habe das Armeebudget vor allem wegen der Kampfjets von 4,4 auf 5 Milliarden erhöht. «Gibt es keine Kampfjets, wird es Widerstand dagegen geben, das freigewordene Geld einfach anderen Truppenteilen zuzuschanzen, wie sich diese das erhoffen», warnt der Pilot.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs Hochstetter am 01.12.2011 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gripen absolut die beste Wahl!

    Der Gripen ist extrem wendig und zudem noch hochgradig modular bzgl. Einsatzmodulen (Erdkampf, Abfang, Aufklärung). Sollen wir zwei überteuerte, nach x Problemen 10x nachgebesserte Eurofighter kaufen oder fünf bewährte Gripen stattdessen? Und ausserdem: Deutschland (Eurofighter) und Frankreich (Rafale) hacken aus Neid wegen unserer guten Wirtschaftslage auf uns rum - da kaufen wir doch wohl nicht noch deren Flugzeuge...

    einklappen einklappen
  • Mike am 02.12.2011 00:02 Report Diesen Beitrag melden

    Flieger für wen?

    Und bitte gegen welchen Feind sollen die Jet's denn antreten, pardon anfliegen?

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  • Werner Heim am 02.12.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Reflexhandlung

    Und wenn Mauerer sagen würde die SVP zahlt aus ihrem Parteivermögen Weihnachtsgeld für Arme wären alle dgegen. Was zu Teufel ist falsch dran den günstigsten Jet zu nehmen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chriss Graf am 02.12.2011 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Liechtenstein anno 1868

    Liechtenstein hat 1868 aus Kostengründen die Armee abegschaft und wurden seither noch nie in irgend welche Kriege verwickelt. Wir sollten es ihnen gleichtun, und anderen Ländern vorzeigen, das auch ein friedlicher Weg möglich ist.

  • Hellebarde am 02.12.2011 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    So schlecht ist Gripen nicht.

    Mit einer Höchstgeschwindigkeit von Mach 2+ ist er bedeutend Schneller als die Rafale oder die F/A-18. Des weiteren erreicht der Gripen Überschallgeschwindigkeit ohne Nachbrenner. Lässt man das Maximale Gesamtgewicht ausser acht. Und wägt maximale Höchstgeschwindigkeit, Schub Gewichtsverhältnis, Anzahl Triebwerke, Systempreis, benötigte Start/Landebahn, Einsatzradius, Max Waffenlast, Verbrauch etz. Zusammen. Lässt er Eurofighter, Rafale, F/A-18, F/A-18E weit hinter sich. Schlussendlich sucht doch die Rakete ihr Ziel und nicht das Flugzeug, oder?

    • Flugzeugbauer am 02.12.2011 21:15 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Sag ich auch. Was bringt ein leistungsstarkes Triebwerk wenn man damit einen Betonklotz bewegen muss. Klein und Flink wie in der Formel eins. Mein Wunschflieger war nicht dabei. Nähmlich Lockheed martin F 35 B. Ist mit Mach 1.6 bis 1,8 ziemlich langsam, dafür kann er überal senkrecht starten und Landen. Ist also weder auf eine Landebahn, noch Startbahn angewiesen. Flugzeug zwar imens Teuer, dafür spart man am Boden Unterhalt für Pisten und zwar erheblich.

    • FA 18 Pilot am 02.12.2011 21:37 Report Diesen Beitrag melden

      Interessante Expertenrunde.

      Die verbesserte Version der Gripen verfügt zudem über das General Electric F 414G Triebwerk (98 kN Schub) aus den USA welches auch in der FA 18 E Super Hornet (2x) verbaut ist. Das Triebwerk ist zwar etwas grösser und Leistungsstärker als der, der Schweizer FA-18 C und D, jodoch im Aufbau nahezu identisch. Bis her wurden die Gripen mit Volvo Aero RM12 Triebwerke (80 kN Schub) ausgestattet.

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  • Stratege am 02.12.2011 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Veraltet

    Kampfjet's sind heutzutage und in Zukunft eh veraltet. Wenn schon in Kriegsgerät investiert werden muss, dann besser in Kampfdrohnen in verschiedenen grössen ohne Piloten. Das ist auch Zukunftsfähig.

  • Schacherseppli am 02.12.2011 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ich hätte gerne

    Ein eigenes Raumprogramm, dann könnten wir auf den Mars fliegen wenn der böse Feind unser schönes Land zerstört!

  • Chriss Graf am 02.12.2011 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Liechtenstein anno 1868

    Liechtenstein hat die Armee 1868 aus Geldmangel abgeschaft, Wir sollten es ihnen raschmöglichst nachmachen um vielen weiteren Ländern den friedlichen Weg vorzumachen