Neue Regel in Genf

07. Dezember 2016 22:26; Akt: 07.12.2016 22:26 Print

Spitalbesucher müssen ab sofort eine Maske tragen

von Camille Kündig - Im Unispital Genf gilt wegen der Grippe seit Mittwoch eine Maskenpflicht. Deutschschweizer Spitäler hingegen setzen auf Freiwilligkeit.

storybild

Weder im Zürcher Universitätsspital noch im Berner Inselspital gibt es ein Maskenobligatorium für alle Besucher. (Bild: Keystone/Salvatore di Nolfi)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Für die Besucher des Genfer Universitätsspitals gilt seit gestern: Schutzmaske auf! Die Institution hat die Familien und Freunde der Patienten als das grösste Problem in der von ihr geführten Influenza-Strategie identifiziert. Zweck der Massnahme ist es, die Patienten von einer externen Grippeninfektion zu schützen, wie die Zeitung «Tribune de Genève» schreibt.

Umfrage
Was halten Sie von der Maskenpflicht?
3 %
83 %
14 %
Insgesamt 2323 Teilnehmer

Bis vor kurzem war für die Besucher eine Maske lediglich dringendst empfohlen, wenn sie während der Grippenzeit eine laufende Nase oder leichtes Fieber hatten. Von der neu geltenden Vorschrift sind nun auch kerngesunde Besucher betroffen.

«Grippe kann für geschwächte Menschen tödlich sein»

Didier Pittet, Leiter der Dienststelle Prävention und Bekämpfung von Infektionen, sagte zur Westschweizer Zeitung: «Nur 10 Prozent der Besucher kamen der vorherig herrschenden Regel nach. Dieses Jahr sagen wir deshalb nun klar und deutlich: Wenn die Nase läuft oder wenn man Fieber hat, soll man gar nicht erst ins Spital kommen. Und eine Schutzmaske zu tragen, ist in jedem Fall obligatorisch, für alle.»

Die Ausbreitung der Grippe stellt derzeit eigentlich keinen Grund zur Sorge dar. Influenza-Fälle treten nur sporadisch auf. Aber: «Bei uns haben momentan zehn Patienten die Grippe», so Pittet. Eine Frau sei im Spital angesteckt worden, entweder durch jemanden vom Pflegepersonal, einen anderen Patienten oder einen Besucher. «Für eine bereits geschwächte Person kann die Infektionskrankheit besonders problematisch sein und im schlimmsten Falle sogar tödlich enden.» Deshalb habe das Universitätsspital entschieden, zu handeln, bevor sich eine Epidemie ausbreite.

Impfung für Mitarbeitende empfohlen

In der Deutschschweiz hingegen zählt man eher auf die Freiwilligkeit der Besucher als auf ein Obligatorium. So gibt es im Zürcher Universitätsspital keine Maskenpflicht. «Wir setzen auf die Information der Besucher und haben damit gute Erfahrungen gemacht», sagt Sprecherin Katrin Hürlimann. Während der Grippesaison seien im Spital Spender mit Hinweisen aufgestellt. So werden Personen mit Erkältungssymptomen aufgefordert, eine Maske zu tragen und auf die Händehygiene zu achten. «Und allen unseren Mitarbeitenden wird es über eine interne Kampagne nahegelegt, sich gegen die Grippe impfen zu lassen.»

Ähnlich hält es das Luzerner Kantonsspital. «Bei uns werden die Besucher mittels Plakaten darauf aufmerksam gemacht, dass sie bei einer Erkältung eine Maske tragen müssen», sagt Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene.

«Wirksamkeit von Maskenpflicht wird unterschiedlich beurteilt»

Und auch im Inselspital in Bern werden lediglich Besucher mit Grippe-Symptomen aufgefordert, eine Maske anzuziehen. «Denn dann ist die Ansteckungsgefahr am grössten», sagt Sprecherin Monika Kugemann. Ausserdem werde die Grippeimpfung für Mitarbeitende aktiv gefördert und: «In vielen Abteilungen ist es für nichtgeimpfte Mitarbeitende Pflicht, eine Maske zu tragen.»

Im Kantonsspital St. Gallen gibt es ebenfalls kein Maskenobligatorium. «Und es ist auch keine solche Massnahme geplant», sagt Sprecher Philipp Lutz. Der Grund: Die Wirksamkeit von einer Maskenpflicht werde von Fachkreisen unterschiedlich beurteilt.

«Eigentlich nur anständig, eine Maske zu tragen»

Schade findet das Immunologe Beda Stadler. Eine Maskenpflicht für alle Besucher würde auch in gewissen Spitäler der Deutschschweiz Sinn machen, sagt er. «Auch gesunde Menschen sind eine Gefahr für gefährdete hospitalisierte Personen.» Sie könnten Keime in sich tragen, ohne krank zu sein. Deshalb sei es «eigentlich nur anständig», wenn man eine Maske trage.

Es komme aber darauf an, wie ein Spital aufgebaut sei, so Stadler. Eine Maskenpflicht mache nur dort Sinn, wo sich Besucher in der Nähe von gefährdeten Patienten aufhielten. «Neben der Physiotherapie-Abteilung eines Spitals ist das weniger ein Thema.»

«Das Tragen einer Maske muss von den Leuten akzeptiert werden»

Für das Bundesamt für Gesundheit ist generell jede Massnahme, die der Ausbreitung der Grippe entgegenwirkt, sinnvoll. Eine konkrete Empfehlung in Bezug auf eine Maskenpflicht werde aber nicht abgegeben, sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten.

Das Tragen einer Maske müsse von den Leuten akzeptiert werden, so Koch. «In der Schweiz sind wir diesbezüglich noch nicht so weit wie in Asien. Man muss nun schauen, wie sich das entwickelt.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr. Pasteur am 07.12.2016 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Händewaschen

    Hände waschen und desinfizieren sowie Begrüssungen ohne Handschlag wäre eigentlich auch angebracht.

    einklappen einklappen
  • Kopfschütteln am 08.12.2016 04:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesunder Menschenverstand?

    Warum geht man überhaupt Patienten, oder allgemein geschwächte Personen im Spital oder Heim besuchen, wenn man bereits selber Symptome einer Erkältung oder Erkrankung hat. Egoistischer und dümmer geht wohl nicht mehr.

    einklappen einklappen
  • In Fluenza am 07.12.2016 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absulut vernünftig!

    Die Massnahme ergibt Sinn und sollte aus Höflichkeit und Respekt gegenüber den Mitmenschen auch ohne Zwang vorgenommen werden, wobei das Tragen einer Schutzmaske eh nur eine Frage der Gewöhnung sein dürfte.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Scorpionne am 08.12.2016 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gasmaske und Strahlenschutz!

    Besser wäre, der Staat würde uns Gasmasken und Strahlenschutzmäntel verteilen,damit wir vor Euren Geo-Experimenten verschont bleiben. Bemerkenswert ist ja auch,dass giftverseuchte Luft dieselbe Palette an Symptomen wie ne Grippe verursachen kann. Auch von Bestrahlungen gibt es dieselben Symptome. Kann Jeder nachlesen,der's nicht glauben will. Gasmaske und Strahlenschutz und die "Grippe" ist weg. Wetten?

  • Eli am 08.12.2016 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwang

    1. Kinder bis 15 Jahre gehören als Besucher NICHT in Spitäler! 2. Vor einem Hörbehinderten einen Gesichtsschutz tragen - das ist Diskrimierung - sie müssen von den Lippen ablesen! Diese Regel geht gar nicht!

  • Theres am 08.12.2016 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Besuchszeiten einschränken.

    Dasselbe sollte auch für Altersheime gelten. Ausserdem sollten die Besuchszeiten in Spitälern eingeschränkt werden. Bei so vielen Besuchern täglich werden viele verschiedene Keime eingeschleppt und als Patient kann man sich nicht dagegen wehren.

  • Hypo am 08.12.2016 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Grippeimpfung

    Gibt es hier eigentlich noch Leute, die glauben, dass die GRIPPEimpfung sicher und effektiv ist?

    • Stammtischphilosoph am 08.12.2016 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hypo

      Ja, gegen bekannte Grippenstämme schon. Natürlich kann man sich nicht gegen alle Grippenviren impfen, aber deswegen gar nicht zu impfen ist kein plausibler Grund.

    einklappen einklappen
  • Swissgirl am 08.12.2016 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mundschutz ok

    Ich finde die Massnahme sinnvoll. Wer im Spital liegt ist so schon geschwächt. Eine Grippeinfektion kann da schnell zu einer Verschlechterung des Zustandes oder zum Tod führen.