Expo 2020

23. Juli 2019 03:06; Akt: 23.07.2019 07:35 Print

Cassis will Tabak-Sponsoring überdenken

Nach Kritik der WHO will Aussenminister Cassis das Tabak-Sponsoring von Philip Morris an der Expo 2020 prüfen.

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Aussenminister Ignazio Cassis lässt die Partnerschaft des Bundes mit dem Tabakkonzern Philip Morris für die Expo 2020 überprüfen. Das teilte das Aussendepartement EDA gestern Abend mit. Cassis werde «die Situation analysieren und Handlungsoptionen abklären. Danach wird er entscheiden», wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Bisher war der Bundesrat gemäss EDA nicht im Detail informiert über den Vorvertrag zwischen Bund und Philip Morris für die Weltausstellung 2020 in Dubai. Cassis bereitet nun mit seiner Überprüfung einen möglichen Ausstieg vor.

WHO hält Deal für unzulässig

Dass der Tabakkonzern Philip Morris International den Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Dubai sponsert, erregt Ärger und Unverständnis. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält den Auftritt für unzulässig. Das EDA und Philip Morris widersprechen.

Philip Morris International ist auf der Webseite des House of Switzerland in Dubai als Hauptpartner aufgeführt, zusammen mit dem Liftbauer Schindler. Weitere Partner sind gemäss Webseite Schweiz Tourismus, Nestlé, Novartis, KGS und Clariant. Der Name des Tabakkonzerns auf der Sponsorenliste erregt Ärger. Den Fall ins Rollen gebracht hatten die Zeitungen des CH-Media-Verlags.

Vereinbarung untersagt Tabakwerbung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO führt wegen der geplanten Partnerschaft Gespräche mit den zuständigen Stellen in Bern und mit dem Veranstalter der Expo 2020 in Dubai, dem Bureau International des Expositions (BIE) in Paris. WHO-Sprecher Christian Lindmeier bestätigte einen Bericht der Tamedia-Zeitungen vom Montag.

Er verwies dabei auf eine seit 2011 gültige Vereinbarung zwischen BIE und WHO. Demnach dürfen an Weltausstellungen keine Tabakfirmen Sponsorings übernehmen, und es dürften keine Tabakwaren verkauft oder beworben werden. Dasselbe gelte für E-Zigaretten, hielt Lindmeier fest.

Das BIE als Veranstalter der Expo sei dafür verantwortlich, dass die Teilnehmer sich an die Vereinbarung hielten, sagte Lindmeier. Gespräche der WHO mit dem BIE und Bern seien daher im Gang. Zu sagen, was geschehen werde, wenn die Schweiz an der Partnerschaft mit Philip Morris festhalte, sei reine Spekulation, sagte er.

Das Aussendepartement EDA kontert: Laut BIE seien die nationalen Pavillons frei in ihren Sponsoringaktivitäten. «Wir stimmen uns mit dem BIE ab, um alle gültigen Normen zu respektieren», schreibt es. Man müsse unterscheiden zwischen Sponsoren der Expo-Veranstalter und denjenigen der Länder-Pavillons.

«Vision von rauchfreien Produkten»

Auch Philip Morris schreibt, die gültigen Regulierungen und Richtlinien würden eingehalten. Das Unternehmen wolle eine «Zukunft ohne Zigaretten», hielt die Medienstelle auf Anfrage fest. Erwachsene Raucherinnen und Raucher, die weiterhin Tabak konsumieren wollten, sollten rauchfreie Produkte konsumieren.

Philip Morris will daher «ihre Vision von rauchfreien Produkten, die Zigaretten ersetzen», präsentieren. Laut dem EDA wird Philip Morris nicht mit einer eigenen Fläche in der Ausstellung präsent sein. Tabakbezogene Produkte würden im Pavillon nicht abgegeben.

Im Schweizer Pavillon konzentriere sich der Auftritt des Tabakkonzerns auf eine Bar auf der Dachterrasse, und er gehöre nicht zum Besucherrundgang. Zur Bar haben nur über 21-Jährige Zutritt.

Hingegen darf das Unternehmen sich «Main Partner» des Schweizer Pavillons nennen und auf der Sponsorentafel und auf der Webseite des Schweizer Pavillons sein Logo anbringen. Unter anderem erhält Philip Morris zudem Kontingente für den Zugang ohne Anstehen zum Pavillon für sich und seine Partner.

Philip Morris wird laut EDA lediglich ein Produkt bewerben, das es als Alternative zu Zigaretten entwickelt hat. Das vom Arzt Ignazio Cassis geführte Departement bestätigte Medienberichte, wonach der Tabakkonzern 1,8 Millionen Franken zum Schweizer Auftritt beisteuert. Ohne Philip Morris dürfte es schwierig sein, das Sponsoringziel für den Pavillon zu erreichen.

Rund 7,5 Millionen Sponsorengelder

Die Expo 2020 Dubai findet von Oktober 2020 bis April 2021 statt, unter dem Motto «Den Geist verbinden, die Zukunft bauen». Die Organisatoren erwarten rund 25 Millionen Besucherinnen und Besucher.

Das Gesamtbudget für die Schweizer Teilnahme unter Einbezug des Personal- und Verwaltungsaufwands beträgt rund 15 Millionen Franken. Die Hälfte davon, also rund 7,5 Millionen Franken, sollen Sponsoren tragen. So haben es die eidgenössischen Räte beschlossen.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brummbär am 23.07.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Ausstellung

    Kann mir jemand erklären, weshalb es überhaupt eine Weltausstellung braucht? Eine kostspielige, geschönte und gesponserte Präsentation einiger Länder, dazu noch in Dubai, wo man sich gerne als weltoffene Nation präsentieren möchte? Welchem Klima soll diese Ausstellung denn dienen?

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  • Guete am 23.07.2019 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Träumer

    Und da gibt es noch verträumte Personen, die meinen, dass die CH keine Korruption hat. Hier wird es einfach als Lobbyismus verniedlicht.

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  • Anton Keller am 23.07.2019 04:40 Report Diesen Beitrag melden

    Gier

    Da hat wiedereinmal mehr das Geld gesiegt über Wissenschaft und Gesundheit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herbert Kessler am 25.07.2019 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arzt

    Wer, hat diesen Herrn gewählt? Wieder so eine Fehlbesetzung im Bundesrat.

  • kalauer am 24.07.2019 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung

    Haben wir nicht schon viel zu viel Werbung! Gibt ja kaum noch was, wo keine Werbung drauf ist!

  • frankG. am 24.07.2019 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "tödlicherTabak"

    Auch das Basler Tennistournier wurde von einer Cigarren Firma gesponsert.Vernünftigerweise wurde das vor einigen Jahren gestoppt. Philippe Morris soll nun eine Millionensumme für den Schweizer Pavillon sponsern? Das darf der Bundesrat niemals zulassen.

  • Cimeli am 24.07.2019 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum nach zu vollziehen

    Ist das nicht der BR mit dem RESET Knopf. Geld stinkt eben nicht.

  • edr am 24.07.2019 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es ist tatsächlich soweit !

    vor der Jahrtausendwende meinten wir in unserem Betrieb :" Es kommt die Zeit, wo es zu wenig dumme Molocher gibt um all die - "Schlaumeier"zu erhalten."