Fremdsprachen

15. Juni 2013 17:23; Akt: 15.06.2013 17:53 Print

Sprachen-Konzept kommt Lehrern spanisch vor

Leistungsdruck statt einer echten «Begegnung mit Sprache und Kultur», zu grosse Klassen und zu wenig Lektionen. Schweizer Lehrer fordern eine Anpassung des Fremdsprachen-Konzepts in den HarmoS-Kantonen.

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Der Lehrer-Dachverband fordert eine Verbesserung des Fremdsprachenunterrichts. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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Bis 2015 soll der Fremdsprachenunterricht in den HarmoS-Kantonen vereinheitlicht werden. Die Lehrer zweifeln aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen allerdings grundsätzlich am Fremdsprachenkonzept. Sie wenden sich nun mit konkreten Forderungen an die Erziehungsdirektoren.

Umfrage
Macht es Sinn, dass Primarschüler bereits zwei Fremdsprachen lernen müssen?
35 %
49 %
16 %
Insgesamt 4114 Teilnehmer

Aus der Sicht der Lehrer ist ein funktionierender Fremdsprachenunterricht mit den heutigen Rahmenbedingungen nicht möglich. Zur Halbzeit der HarmoS-Umsetzung fordern sie eine Überprüfung der Situation und eine klare Verbesserung bis zum Schuljahr 2015/16.

Dies teilte der Lehrer-Dachverband LCH am Samstag nach seiner Delegiertenversammlung in Baden AG mit. Nur so bestehe die «reelle Chance für einen gelingenden Fremdsprachenunterricht».

Die Lehrer schicken konkrete Forderungen an die Adresse der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Eine entsprechende Resolution wurde von den Delegierten am Samstag ohne Gegenstimme angenommen.

Kritik an Noten

So fordern die Lehrer, dass die Fremdsprachen in der Primarschule nicht promotionswirksam benotet werden. Noten führten zu einem zunehmenden Leistungsdruck. Mit einer «Begegnung mit Sprache und Kultur», wie sie im ursprünglichen Konzept der EDK angekündigt worden war, habe diese Praxis gar nichts mehr zu tun.

Weiter kritisiert der Verband die Unterrichtsbedingungen. Nur rund ein Drittel der Lehrer sei der Meinung, dass die Bedingungen ausreichen, um die Anforderungen zu erfüllen. Dies habe eine Umfrage in den Kantonen ergeben.

Der LCH fordert deshalb für grössere Klassen zusätzliche Lehrkräfte. Letztere sollten sich zudem auf Wunsch für den Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe weiterbilden können - kostenlos und während der Arbeitszeit.

Des Weiteren braucht es aus Sicht der Lehrer drei statt zwei Wochenlektionen pro Sprache, wobei dies zu einem Dilemma führe: «Zweimal drei Lektionen wären auf der Primarstufe aber definitiv zu viel und würden das Übergewicht der Sprachen verstärken.»

Flickenteppich statt Harmonisierung

Erschwerend kommt in den Augen der Lehrer hinzu, dass von einer Harmonisierung unter den Kantonen derzeit noch wenig zu spüren ist. Vielmehr gleiche die Schweiz einem Flickenteppich. Einem Sechstklässler, der mit seiner Familie von Uri nach Zürich ziehe, fehlten fast fünf Jahre Englisch.

Die zweite Landessprache und Englisch müssten in allen Deutschschweizer Kantonen zum gleichen Zeitpunkt und in der gleichen Reihenfolge unterrichtet werden, fordert der LCH.

Nur noch Wahlpflichtfach

Für die Kantone, die dem HarmoS-Konkordat aus dem Jahr 2009 beigetreten sind, ist eine Vereinheitlichung des Fremdsprachenunterrichts bis 2015 verbindlich. Eine erste Fremdsprache muss spätestens in der 3. Klasse, eine zweite spätestens ab der 5. Klasse unterrichtet werden.

Dies wollen die Lehrer aber ändern, sollten die in ihrer Resolution erhobenen Forderungen nicht erfüllt werden. Die zweite Sprache soll in diesem Fall zum Wahlpflichtfach werden. Sprich: Die Eltern entscheiden über eine zweite Fremdsprache.

Der Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz, Christian Amsler, fordert allerdings Geduld von den Lehrern. Er sprach sich vor den LCH-Delegierten dagegen aus, «mitten in einem Prozess die Reisslinie zu ziehen.» Die Harmonisierung sei eine anspruchsvolle Aufgabe, für die es einen langen Atem brauche.

(jbu/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Langue123 am 15.06.2013 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprache als Einheit

    Sprachen sind wichtig und zwar nicht das monotone lernen. Ich habe als Kind in der Privatschule mit 32 Schülern in einer Klasse ab der 1. Primarklasse Englisch und Französisch aber auf spielerische Weise gelernt mit Liedern Theater usw. Das war sehr gut fürs Sprachgefühl. Eine Sprache ist lebendig und sollte auch so vermittelt werden auch über die Kultur und Geschichte nur so kann eine Ganzheit entstehen.

  • erha am 15.06.2013 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsch fördern

    Fremdsprachen ja, und diese sollte man auch früh lernen, aber man sollte zuerst einmal sicherstellen, dass diese Kinder richtig Deutsch können. Ich finde es schrecklich, wenn ich Texte lesen muss, die mit Fehlern übersät sind...

  • Kindergärtnerin am 15.06.2013 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst mal wieder richtig deutsch!

    Fakt ist, dass kinder bis 10 jahre am einfachsten eine sprache erlernen! Deshalb sollte man auch so früh wie möglich beginnen..deshalb finde ich die idee grundsätzlich gut!.. Aber: ich bin der meinung..traurig aber wahr... Die meisten sollten zuerst mal wieder richtig deutsch lernen bevor sie eine zweite und deitte sprache lernen. In meiner kindergartenklasse spricht 1. kind deutsch zu Hause... Ergo... Kindergarten auf hochdeutsch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Johny I am 17.06.2013 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja aber richtig

    Eine Sprache wie im Ursprungsland lernt man nicht in der Schule. Nur vor Ort ist es möglich, wobei gute Vorbereitung in der Schule sehr hilfreich ist. Leider wird in der Schule die Sprache, wie vieles Andere auch, dogmatisch gelehrt, damit unterschiedlicher Wissensstand benotet werden kann. Mehr Praxis und Kenntnis der Kultur dort, wo die Sprache gesprochen wird, wirkt Sprachwunder.

  • CeD am 16.06.2013 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lerne english

    es sollten alle fächer (exkl. deutsch) in english unterrichtet werden, dies bereits ab der primarschule. sobald man das english einigermassen beherrscht, ist das erlernen einer weiteren lateinischen sprache um ein vielfaches einfacher. btw: es ist mir bewusst, dass dies nur in privatschulen möglich ist sowie unwahrscheindlich in bezug auf die sprachkenntnisse der meisten lehrer. *jeder darf träumen* ;)

    • K. am 17.06.2013 09:35 Report Diesen Beitrag melden

      Sorry aber..

      "einer WEITEREN lateinischen Sprache" Seit wann ist Englisch eine lateinische Sprache? Ich bin mir zu 120% sicher, dass Englisch zu den germanischen sprachen gehört. Einfach mal Googeln. Gutes Wort zum erkennen der lateinischen Sprachen ist Mond. Lateinisch: Luna, Italienisch: Luna, Franz.:Lune, Spanisch: Luna, Portugiesisch: Lua, etc, Englisch: Moon Erkennen sie den Unterschied? Die ersten 5 gehören zu den lateinischen Sprachen, die letzte (Englisch) nicht.

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  • Eduardo De La Vega am 16.06.2013 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur zu!

    Nur schade dass ich schon Spanisch kann.

  • Eviengl. am 16.06.2013 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Englisch

    Französisch abschaffen! Englisch als Hauptfach und als Nebenfach Spanisch anbieten! So haben die Kids neben deutsch als Muttersprache beide Weltsprachen! Für hochmotivierte Kids können sie ja noch Französisch als Nebenfach wähle !

  • Rohrer Martin am 16.06.2013 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gespräche führen!!!

    Fremdsprachen bin ich für Englisch zuerst und dan Französisch. den Wert auf Sprechen und Lesen können der Sprache und in zweiter linie das schriftliche. Brauchte bis jetzt mehr Englisch in Europa. Wen die Verständigung nicht klapte versuchte man es meistens mit Englisch oder mit begriffen daraus.