Zürich

04. Juli 2014 12:25; Akt: 04.07.2014 13:12 Print

Sprayer nehmen Graffiti-Jäger auf den Arm

von Romana Kayser - Sprayer verursachen nicht nur stetig höhere Kosten, sie machen sich auch über die Beamten lustig, die sie bekämpfen: Sie widmen ihnen eigene Graffitis.

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In grossen farbigen Lettern malen illegale Sprayer den Namen «Priska» auf einen SBB-Wagen. Verziert mit rosa Herzen. Gekrönt wird das Werk mit dem Titel «Rastlose Liebe». Diese ironische Liebeserklärung ist an die Zürcher Graffitibeauftragte Priska Rast gerichtet und war am Mittwoch in der SRF-«Rundschau» zu sehen.

Solche Graffitis gehören zum Katz-und-Maus-Spiel, das sich die Sprayer in den Städten mit den Behörden liefern. Mit ihren Schmierereien verursachen sie stetig höhere Kosten, auch die Zahl der Anzeigen wegen Sachbeschädigung ist gestiegen. Gemäss «Rundschau» sind die Kosten allein in der Stadt Zürich im letzten Jahr von zwei auf drei Millionen gestiegen. Mit den Widmungen an städtische Mitarbeiter machen die Sprayer die Provokation perfekt.

Provoziert und beschimpft

Laut Priska Rast finden die Graffiti-Jäger ihren Namen regelmässig in Sprayereien wieder. Meist werden die Graffitis dort hingemalt, wo die Stadtmitarbeiter täglich unterwegs sind: vor dem Tiefbauamt oder auf ihrem Arbeitsweg. «Die müssen das ja vor unserer Nase hinmalen. Wenn wir es nicht sehen, dann bringt es ja nichts. Beim illegalen Sprayen geht es vor allem auch ums Rebellieren gegen die Behörden», so Rast. Sie selber nimmt solche Widmungen jedoch gelassen: «Das gehört halt zu meinem Job, da muss ich den Kopf hinhalten.»

Die rebellischen Tags reichen von diffamierend bis lustig oder neckisch. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, der in Spray-Werken regelmässig wüst beschimpft wurde, kann sich die jetzige Graffiti-Beauftragte Rast an vorwiegend positiven Widmungen in Graffitis erfreuen. «Das Graffiti auf dem Zug ist fast herzig. Wenn sie schon illegal sprayen und mich reinnehmen müssen, dann ist es schön, wenns wenigstens nett gemacht ist.»

«95% der illegalen Graffitis sind Schrott»

In Schweizer Städten werden Graffitis schon seit einigen Jahren bekämpft. Organisierte Vereine oder Aktionen wie «Casablanca» in Bern, «Sprayfrei» in Luzern oder «Schöns Züri» in Zürich lassen Schmierereien an Privatliegenschaften innert schnellstmöglicher Frist konsequent wegputzen.

Laut Priska Rast boomen im Moment vor allem die kleineren Tags mit den Künstlernamen der Sprayer. Diese befänden sich dafür überall. «Es geht vor allem darum, schnell und produktiv zu sein und überall im Quartier Präsenz zu markieren. Es wird rumgesprayt, so viel man kann.» Für diese flüchtigen Selbstverwirklichungen der illegalen Sprayer hat Rast kein Verständnis. «Was heute illegal entsteht, ist zu 95 Prozent Schrott.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marco am 04.07.2014 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Grundsätzlich finde ich Graffitis ok.

    Solange diese graue Unterführungen verschönern oder legal gesprayt sind. Jedoch Finger weg von privatem Besitz (Häuser, Autos, etc). Absolutes no-go-

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  • Marvin Müller am 04.07.2014 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Ich finde das auf Zugwagons daneben. Für die Sprayer sollte es öffentliches Gelände geben, wo sie ihre Kunst ausüben können, wie zum Beispiel im Industriequartier in Winterthur. Dort hat es hammermässige Graffitis

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  • Wiebitte am 04.07.2014 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage an die Sprayer

    Überall im Quartier Präsenz zu markieren.... Da denk ich gleich an die Tierwelt. Hat der Sprayer wirklich dieselben Beweggründe?

Die neusten Leser-Kommentare

  • mann 20 am 05.07.2014 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    go for it

    graffitis sind für mich mindestens genau so kunst wie unser "schöner" neuer haffenkrahn.

  • Lilali am 05.07.2014 00:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Ich finde Graffitis toll :D

  • jugendlicher am 04.07.2014 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heimat

    ich gehe in die lehre wohne in biel mein schul ort ist st gallen den ganzen weg von st gallen bis biel sind keine "schmierereinen" zu sehen an zügen kaum komm ich an meinem wohnort an sind sie da für mich weckt das meine heimatgefühle wenn ich sie wieder sehe

  • KevenSting am 04.07.2014 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genug Platz.

    Als die grosse rep.halle zw.Hardbrücke und Hb gebaut wurde,fragte ich mich was für eine Fassade es dann geben wird,und siehe da es wurde was graues. Da hätte mann doch die einzelnenen elemente an die graffiti gruppen in und um Zürich anbieten können,da wären sicher ein paar dabei.

  • Innerschwyzer am 04.07.2014 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soo schlimm?

    In Zürich stört mich das nicht. Die Zürcher wollen ja am liebsten die Weltstadt sein. Also liebe Zürcher seit nicht so bünzlig!!! New York hat auch ettliche. So kommt ihr nie zu eurem Ziel die Nr. 1 zu werden. Ihr seit doch soo Weltoffen :-)