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08. Mai 2016 08:53; Akt: 08.05.2016 12:52 Print

St. Gallen will die Noten 1 und 2 abschaffen

Der sanktgallische Erziehungsrat schlägt eine neue Notenskala von 3 bis 6 für die Primar- und Oberstufe vor. Kritiker sehen eine Tendenz, «ja keine kritischen Aussagen» zu tätigen.

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«Entweder werden die Lernziele erreicht oder nicht»: Das Zeugnis eines Zweitklässlers. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Franco Greco)

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Der Kanton St. Gallen will die Noten 1 und die 2 aus dem Zeugnis verbannen. Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, schlägt der Erziehungsrat in seinem neuen Beurteilungskonzept eine andere Notenskala vor. Neu sollen nur noch «die Ziffern 3, 4, 5 und 6 zur Verfügung stehen». Mit einer 6 werden die Lernziele übertroffen, mit einer 3 werden sie nicht erreicht – weitere Abstufungen nach unten gibt es nicht.

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Ein einmaliges Konzept

Seit wenigen Tagen läuft die Konsultation. Brigitte Wiederkehr, stellvertretende Leiterin des Amtes für Volksschule im Kanton St. Gallen, bestätigt gegenüber der «Schweiz am Sonntag» , dass die Noten 1 und 2 in der Primar- und Oberstufe gestrichen werden sollen. Es mache keinen Sinn, ungenügende Leistungen weiter zu differenzieren, sagt sie. «Entweder werden die Lernziele erreicht oder nicht.»

Kompetenzen der Lehrer stärken

Laut Wiederkehr haben Noten nur eine begrenzte Aussagekraft, wenn sie mit weit zurückliegenden Leistungen verrechnet werden. Deshalb soll die Zeugnisnote in den Fächern nicht nur aus dem Durchschnitt aller Prüfungsnoten bestehen, sondern auch die mündlichen und praktischen Leistungen berücksichtigen. Das verhindert, dass mit einer Skala von 3 bis 6 die Noten automatisch besser werden.

Ziel sei es, die Kompetenzen der Lehrer zu stärken. «Sie wissen am besten, auf welchem Leistungsstand sich die Kinder befinden.» St. Gallen wäre mit einer Notenskala von 3 bis 6 Vorreiter. Der Kanton Thurgau diskutierte ebenfalls über die Abschaffung, entschied sich aber dagegen – auch weil die Emotionen hochkochten. Trotzdem könnten schon bald andere Kantone dem St. Galler Beispiel folgen.

«Schlechte Leistungen gehören schlecht benotet»

Mit dem neuen Lehrplan 21 rücken Kompetenzen ins Zentrum des Unterrichts, reines Faktenwissen reicht nicht mehr. Allerdings tun sich die Kantone schwer mit diesem Paradigmenwechsel. Schweizweit wird über neue Zeugnis-Modelle diskutiert.

Rolf Dubs, renommierter Pädagoge und emeritierter Professor der Universität St. Gallen (HSG), bleibt aber skeptisch. «Es ist wichtig, dass schlechte Leistungen auch als schlecht benotet werden», sagt er gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Das St. Galler Modell zeige Mutlosigkeit und eine Tendenz, «ja keine kritischen Aussagen» zu tätigen. Zudem seien die klassischen Noten von 1 bis 6 stark in der Bevölkerung verankert und für alle verständlich.

(afo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Worm77 am 08.05.2016 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der nächste Schritt

    Der nächste Schritt in Sachen antiautoritärer Erziehung. Am Schluss muss für schlechte Leistung noch ein Lob ausgesprochen werden. Und so sollen die Kinder auf das Leben vorbereitet werden? Kritik gehört zum Leben und damit umzugehen muss man lernen. Die Kinder tun mir leid!

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  • Roli am 08.05.2016 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Vorschlag

    Eine weiterer möglicher Entscheid, welcher die Jugendlichen noch unbelastbarer macht und ihnen das Gefühl vermittelt, fehlerlos zu sein. Sobald die Jugendlichen jedoch auf den eigenen Beinen stehen müssen, werden sie beim geringsten Widerstand stolpern. Ich sehe dies selber im eigenen Betrieb. Lehrlinge sind nicht mehr kritikfähig und haben ständig das Gefühl, besser behandelt werden zu müssen.

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  • D.B. am 08.05.2016 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spinnen die???

    Toll, das gibt ja die volle Willkür, wenn die Lehrer die Noten mit Ihrer Meinung übersteuern können. Für mich zählen Noten und auf's Zeugnishin deren Durchschnitt. Und nicht subjektive Lehrermeinungen, die können sie bei der Benotung von Aufsätzen noch genug austoben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • hbm am 09.05.2016 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurige Entwicklung

    jeder jammer die kids haben es zu streng...bin gar nicht der meinung...kuschelschule... statt sie zu ermahnen das sie lernen sonst gibts schlechte noten... Wollen sie einfach die noten wegstreichen... und später am Arbeitsplatz was kommt da...wenn das kind glück hat bekommt es mit vitamin B denbesten job obwohl es nichts taugt. .. wenn es pech hat... wird es nie irgend wohin kommen

  • Ech am 09.05.2016 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja Bravo

    Am besten auch gleich die Schule abschaffen, geht einfacher alles auf einmal als jeden Monat etwas...

  • KV-Ausbildner am 09.05.2016 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrstellen

    Genau wegen solchen Auswüchsen müssen Bewerber auf unsere KV-Lehrstellen einen 2-Tägigen Eignungstest durchlaufen. Da mit genügend Mitteleinsatz (Drohung von Anwälten, etc.) Noten gesteuert werden können, verlassen wir uns bei der Vergabe der Lehrstellen fast ausschliesslich auf unseren Eignungstest.

  • Pascal am 09.05.2016 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig hoch 10

    Die St.Galler wieder mal... Brauchen wohl Aufmerksamkeit

  • Sil Via am 09.05.2016 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es

    wenn man sich mit der 6 begnügt? Es braucht doch gar keine anderen Noten, die sind doch alle kritisch. Oder?