«Heikel»

30. Mai 2018 23:18; Akt: 30.05.2018 23:18 Print

Maudet reiste im Privatjet von Teheran nach Genf

Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet steht erneut in der Kritik: Im Privatjet eines Firmenbosses reiste er aus dem Iran in die Schweiz – gratis.

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Der Genfer Regierungspräsident Pierre Maudet reist gerne um die Welt. Seine Arrangements sorgen dabei für Kritik: 2015 reiste er zusammen mit seiner Familie nach Abu Dhabi. Dort sah er sich ein Formel-1-Rennen an und traf den Kronprinzen der Emirate.

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Für den Flug in der Businessklasse und die Übernachtung im Luxushotel zahlte nicht Maudet, sondern ein Geschäftsmann. Nachdem der Fall publik wurde, ermittelte die Justiz wegen Verdachts auf Vorteilsnahme. Maudet räumt später ein, unvorsichtig gehandelt zu haben und spendete an Genfer Kirchen.

Offizielle Wirtschaftsdelegation

Dies war kein Einzelfall, berichtet nun die «NZZ». Im Februar 2016 reiste der spätere Bundesratskandidat mit Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann in den Iran. Dabei war er Teil der offiziellen Delegation, der neben Vertretern des Bundes üblicherweise auch Kantons- und Wirtschaftsvertreter sowie Journalisten angehören. Unüblich war jedoch Maudets Rückreise von Teheran nach Genf. Er nahm ein Angebot von Diego Aponte an und reiste mit ihm in dessen Privatjet zurück in die Schweiz. Aponte ist der Chef der Mediterranean Shipping Company (MSC), der zweitgrössten Container-Reederei der Welt.

Gratisflug ist umstritten

Der Basler Rechtsprofessor und Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth findet den Fall heikel: «Maudet scheint das Sensorium für Interessenkonflikte zu fehlen.» Es sei für Regierungsmitglieder heikel, im Jet eines Arbeitgebers von 900 Mitarbeitern in Genf mitzufliegen.

Maudet selbst sieht den Flug als unproblematisch an. «Herr Aponte flog ohnehin nach Genf zurück, es gab keinen Grund zu bezahlen», sagt er. Rückendeckung erhält Maudet von seinem Vorgänger, François Longchamp. Als Teil der eidgenössischen Iran-Delegation wäre Maudet sowieso der Flug im Bundesratsjet nach Bern möglich gewesen. Auch dieser Flug sei für ihn kostenlos gewesen.

Den Hinflug bestritt Maudet übrigens nicht im Bundesratsjet. Wegen Terminkollisionen flog er mit einem Swiss-Flieger nach Teheran – diesen Flug bezahlte Maudet selbst.

(bus)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mopplitooi am 30.05.2018 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swiss & Iran

    Mit einem Swiss-Flieger. Komisch, die Swiss fliegt nicht in den Iran.

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  • Annemarie am 30.05.2018 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heikel

    Und weiter so,wir können uns das nicht leisten es ist sehr traurig,was letzte Zeit ab geht mit all den Politiker wo nehmen sie sich das Recht her alles zu tun,was ihnen passt.Wir Bürger werden immer zur Kassa gebeten irgendwann ist SCHLUSS.

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  • Eduard J. Belser am 31.05.2018 03:03 Report Diesen Beitrag melden

    Musikalischer Kommentar

    Zur Affaire Maudet gibt es den passenden musikalischen Kommentar: Den «Tango korrupti» des österreichischen Liedermachers Reinhard Fendrich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stef am 31.05.2018 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Ach ja... spenden spenden spenden... dann wird alles wieder gut... unsere Politiker sind ebenfalls alle korrupt... das Kind heisst hier einfach anders und wird cleverer versteckt

  • Politdemokrat am 31.05.2018 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und sowas will Bundesrat werden

    Er schadet der FDP. Gössi sollte mal mit ihm reden.

  • Fritz am 31.05.2018 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Da fehlts ganz klar an Sensibilität aber so ein grosser Vorteil hat er sich auch nicht verschaffen. Die Verwaltungsratsmandate unserer National- und Ständeräte sind da viel schlimmere Interessenskonflikte. Auch Bundersräte erhalten nach Ihrem Amt solche Mandate. Kein Wunder vertritt niemand mehr die Interessen der Bürger.

  • G. Essler am 31.05.2018 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    ... doch unsere Amtsträger weigern sich

    ihre Interessenbindungen und Einkünfte offen zu legen. Und das ganze wird noch immer "Demokratie" genannt. Ein Fragment dieser "Amtssprache" wurde im Zusammenhang mit dem 1st-Klasse-GA publik: "Man möchte nicht die ohnehin überfüllte 2te Klasse noch mehr belasten." ... Ich bin beinahe gerührt vor so viel Patriotismus und Mitgefühl. & Liebe SVP: Die Demokratie ist nicht in Gefahr. Sie war in Gefahr und niemand hat's gemerkt.

  • Arno Giovanoli am 31.05.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Persönliche Vorteilsnahme

    Korrupte Politiker gibts überall au der Welt, auch vermehrt in der Schweiz. Dem Grossteil der Politiker geht es nur noch um persönliche vorteilsnahme und gar nicht darum dem Volk zu dienen. Wir haben es alle vier Jahre in der Hand, unsere stimme diesen Kandidaten NICHT MEHR ZU GEBEN!