Waffenschutz-Initiative

13. Februar 2011 20:47; Akt: 14.02.2011 11:06 Print

Stadt und Land verstehen sich nicht mehr

In der Schweiz wird der «Güllengraben» immer tiefer. Während der Röstigraben in den Hintergrund rückt, sind Stadt und Land nicht mehr auf einer Wellenlänge.

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Sie sind sich bei der Waffenfrage uneins: Ein «Güllengraben» zwischen Stadt und Land zieht sich durch die Schweiz. (Bild: Keystone)

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Das Resultat der Abstimmung zur Waffenschutz-Initiative präsentiert sich mit 56,3 Prozent zwar eindeutig. Doch ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt, dass mehrheitlich die ländlichen Gebiete die Initiative abgelehnt haben. Die grösseren Städte sagten deutlich Ja. Ein «Güllengraben» trennt Stadt und Land in der Schweiz.

Die Kantonsresultate verdeutlichen das unterschiedliche Stimmverhalten von städtischen und ländlichen Regionen: Genf und Basel-Stadt sagen zu 61 respektive knapp 59 Prozent Ja, in Appenzell Innerrhoden waren es nur gerade 28 Prozent, und auch in der Innerschweiz kam die Zustimmung nur knapp über 30 Prozent. Der ländliche Jura, der sich sonst stark für linke Initiativen begeistern kann, sagte diesmal nur gerade mit 52 Prozent Ja.

Auch innerhalb der Kantone sind die Stadt-Land-Unterschiede markant: In der Waadt, die die Initiative mit 53,7 Prozent befürwortete, reichen die Bezirks-Resultate von 36,3 Prozent Ja in der Broye bis 64,8 Prozent in Lausanne.

In Zürich, wo der Kanton mit 50,4 Prozent zustimmte, liegt die Schere bei 33,9 Prozent Ja im Bezirk Andelfingen und 65,4 Prozent im Bezirk Zürich. Im Kanton Bern lag die Zustimmung bei 40,6 Prozent, in der Stadt Bern bei 66,4 Prozent.

Tradition gegen Moderne

Ein «Güllengraben» zwischen städischen und ländlichen Regionen tut sich heute vor allem bei Abstimmungen auf, die die Werte der Schweiz betreffen, wo Moderne gegen Tradition steht: so etwa bei Armee und Sicherheit, im Verhältnis zum Ausland oder zu den Ausländern.

Allgemein ist der Stadt-Land-Graben in der Deutschschweiz ausgeprägter als in der lateinischen Schweiz. Das Tessin, das in sozialen Fragen eher «links» steht, positioniert sich in aussenpolitischen, in Ausländer- wie auch in Sicherheitsfragen im konservativen Pol.

Röstigraben wird weniger wichtig

Von einem Röstigraben kann dagegen bei der Abstimmung zur Waffeninitiative kaum gesprochen werden, wie der Politologe Werner Seitz gegenüber der Nachrichtenagentur SDA darlegte.

Das Wallis und Freiburg lehnten die Initiative ab, Zürich und Basel-Stadt stimmten zu. Bei der letzten Abstimmung, über die SVP-Ausschaffungsinitiative vom 28. November war hingegen sowohl ein klarer Stadt-Land-Graben wie auch ein Röstigraben sichtbar geworden.

Punkto Stimmbeteiligung lagen die Westschweizer Kantone mit Ausnahme des Wallis leicht unter dem Schweizer Schnitt, die Deutschschweizer Kantone lagen mehrheitlich darüber. Offenbar wurde hier etwas intensiver mobilisiert. Wem das aber zugutekam, könne erst in einer Nachbefragung eruiert werden, erklärte Seitz.

Ein relativ gutes Resultat

Mit einem Zuspruch von über 40 Prozent liegt die Waffeninitiative über den meisten Resultaten von linken armeekritischen Volksbegehren. In der Regel bekommen solche Initiativen an der Urne selten mehr als einen Drittel der Stimmen. Die Initianten der Waffen-Initiative konnten also weit über das rotgrüne Segment hinaus mobilisieren, das rund einen Drittel der Wähler umfasst.

Erst eine armeekritische Volksinitiaitve wurde bislang von Volk und Ständen angenommen: 1987 die Rothenthurm-Initiative (gegen den geplanten Waffenplatz Rothenturm). 1972 scheiterte eine pazifistische Waffenausfuhrverbotsinitiative mit 50,3 Prozent Nein relativ knapp. 1993 kamen die GSoA-Initiative «für eine Schweiz ohne neue Kampfflugzeuge» auf 43, die Initiative «40 Waffenplätze sind genug» auf 45 Prozent.

(tog/mdr/ske/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patsie am 14.02.2011 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Das Grundproblem liegt in den vielen Raubüberfälle

    Bin selber Basler, habe aber Nein gestimmt. Das Problem liegt wohl darin, dass wir in den Städten die Nase voll haben von den etlichen bewaffneten Raubüberfällen. Aber eins darf man dabei nicht vergessen. Diese Überfälle werden meist von ilegalen Waffenträgern getätigt und nicht mit Armeewaffen. Daher mein Nein an der Urne, weil es das Grundproblem in der Stadt nicht löst. Man müsste erst alle ilegalen Waffene einziehen und vorallem schauen, dass Gewisse Gruppierungen, die schnell zur Waffe greifen, sofort ausgeschafft werden. Ist mir eh ein Rätsel wie solche Leute an Waffen kommen.

  • Pit Rorschach am 14.02.2011 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie ist, wenn....

    Wozu all die Kommentare? Das Volk hat entschieden und ein guter Demokrat akzeptiert jeden Mehrheitsentscheid.

  • MikeZ am 14.02.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    "Modern" ist nicht gleich "besser"

    Der Begrifft "modern" stammt von "Mode". Und Mode ist bekanntermassen Ansichtssache und keine allgemein gültige Wertung über gut oder schlecht. Und ehrlich gesagt verwundert es mich nicht, dass sich die Städter mehr vor Waffen fürchten als "Landsleute". Schliesslich haben sie dort auch die deutlich höhere Krimininalität, welche sie unter anderem auch der überdimensionalen Toleranz gegenüber Ausländern und Schweizer Verbrechern zu verdanken haben. Aber vielleicht erkennen die Städter auch bald mal, was die "Landsleute" schon längst erkannt haben?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sebastian Tellenbach am 14.02.2011 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand braucht eine Waffe

    Gewalt ist ein schlechter Ratgeber und unangenehmer Begleiter. Die Diskussionen streiten sich um Recht haben oder falsch liegen. Dabei wäre die Lösung so einfach. Die Armee schleicht sich aus der Verantwortung und spahrt viel Geld. Wer Sportschütze oder Jäger ist soll dies bleiben können. Einfach nur so braucht niemand eine Waffe!

  • A.Huxley am 14.02.2011 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Städte

    Ich hab langsam das Gefühl wir sind hier in einer Mini-EU. Die Städter zahlen Millionen an Steuergeldern für den Zwischenkantonalen Finanzausgleich, Bauernsubventionen und werden als Dank politisch unterdrückt. Die Verfassung sichert übrigens jedem Kanton das Recht zu jederzeit wieder aus der Eidgenossenschaft auszutreten. Basel war als freie Stadt zum Beispiel einflussreicher als sie es nun als Halb(!)-Kanton ist. Aber wo wollen die Bauern denn dann ihren Soja abholen?

    • Peschä am 14.02.2011 16:59 Report Diesen Beitrag melden

      Steuern

      Naja, gerade in den Städten hat es sehr viele Leute, welche keine Steuern zahlen. Sozialhilfebezüger, Drogenabhängige, Langzeitarbeitslose,... leben eher in Städten, als auf dem Land.

    • Basler am 14.02.2011 17:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Peschä

      Wir geben den anderen Kantonen Geld ab, also verdienen wir wenigstens selber und lassen uns nicht aushalten. Wir mögen in Städten mehr Sozialfälle haben, aber wir kümmern uns wenigstens selbst darum.

    • Billy am 14.02.2011 18:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Basler

      Deshalb auch die roten Zahlen überall dort, wo ebensolche Stadtregierungen am Ruder sind....

    • Basler II am 15.02.2011 00:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Billy

      Wie bitte sollte im Kanton Basel-Stadt eine Landregierung etabliert werden, bei insgesamt 3 Gemeinden?

    einklappen einklappen
  • MikeZ am 14.02.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    "Modern" ist nicht gleich "besser"

    Der Begrifft "modern" stammt von "Mode". Und Mode ist bekanntermassen Ansichtssache und keine allgemein gültige Wertung über gut oder schlecht. Und ehrlich gesagt verwundert es mich nicht, dass sich die Städter mehr vor Waffen fürchten als "Landsleute". Schliesslich haben sie dort auch die deutlich höhere Krimininalität, welche sie unter anderem auch der überdimensionalen Toleranz gegenüber Ausländern und Schweizer Verbrechern zu verdanken haben. Aber vielleicht erkennen die Städter auch bald mal, was die "Landsleute" schon längst erkannt haben?

  • D.H. am 14.02.2011 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch Logisch

    Ich denke mal bei diesem Thema ist das Logisch. Ich bin selber Schütze und ländlich aufgewachsen, aber hab auch schon eine längere Zeit in der Stadt gelebt und auch in Grosstätten. Das hier das denken anders ist, ist logisch in der Stadt haben Waffen eher einen Angst wert auf dem Land sind sie jedoch mehr Normal (welcher Städter fährt jeden tag an einem Schützenhaus vorbei?, oder sieht Jäger usw.). Der Stadtmensch kennt die Waffen mehr oder minder nur durch die Negativschlagzeilen, sieht aber weniger die Sportliche seite und hat max die armee im Kopf währen er privat nix mit anfangen kann

  • marco muster am 14.02.2011 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Was eine Armeewaffe mit persönlicher Freiheit zu tun haben soll, verstehen wohl nur ganz wenige. Naja seis drum, beim nächsten Fall "Höngg" werden wir uns an diese Abstimmung erinnern müssen