Frauenquote

19. Juni 2019 09:52; Akt: 21.06.2019 13:03 Print

Parlament will mehr Frauen in der Chefetage

In Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von grossen Schweizer Firmen gelten künftig Frauenquoten. Nach dem National- gibt auch der Ständerat grünes Licht.

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Das Parlament folgt dem Antrag des Bundesrats: Künftig muss der Frauenanteil in Verwaltungsräten mindestens 30 Prozent und in Geschäftsleitungen 20 Prozent betragen. Bundesrätin Karin Keller-Sutter war am Mittwoch im Ständerat für den bundesrätlichen Vorschlag und kam durch. Die Frauenquoten betreffen börsenkotierte Aktiengesellschaften mit mehr als 250 Mitarbeitenden, das sind rund 200 Unternehmen in der Schweiz. Nach Inkrafttreten erhalten die Unternehmen fünf Jahre Zeit, um den Geschlechter-Richtwert im Verwaltungsrat zu erfüllen – in der Geschäftsleitung beträgt diese Übergangszeit zehn Jahre. Erreichen die Firmen diese Geschlechter-Richtwerte nicht, drohen ihnen allerdings keine Sanktionen. Die Firmen müssen lediglich öffentlich begründen, weshalb die Quote nicht erreicht wurde und dort auch Massnahmen aufzeigen, wie sie den Frauenanteil erhöhen wollen. Das sind die wichtige Wirtschaftsfrauen in der Schweiz: Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. Carolina Müller-Möhl ist Präsidentin der Müller-Möhl Group, VR NZZ, Orascom und Mitglied in diversen Stiftungen. Die Schweizerin Beatrice Weder di Mauro gehört dem Verwaltungsrat der Schweizer Grossbank UBS an und ist Mitglied des Audit Committee der Bank. Magdalena Martullo-Blocher ist CEO der Ems-Gruppe. Sie war damals die jüngste Konzernchefin der Schweiz. Heute gilt sie als eine der erfolgreichsten Chefinnen im Land. Simona Scarpaleggia übernahm 2013 die Leitung von Ikea Schweiz mit 3000 Angestellten und einem Umsatz von 1 Milliarde Franken.

Das Parlament will mehr Frauen in der Chefetage und führt bei Grossunternehmen Frauenquoten ein

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Fünf Tage nach dem Frauenstreiktag sagt der Ständerat Ja zu Frauenquoten in grösseren Unternehmen. Der Rat unterstützt damit den Vorschlag des Bundesrats: Künftig muss der Frauenanteil in Verwaltungsräten mindestens 30 Prozent und in Geschäftsleitungen 20 Prozent betragen.

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Die Regelung betrifft börsenkotierte Aktiengesellschaften mit mehr als 250 Mitarbeitenden, betroffen davon sind in der Schweiz rund 200 Unternehmen. Der Ständerat beschloss die Frauenquoten im Rahmen der Revision des Aktienrechts. Die kleine Kammer stellte sich dabei gegen ihre Kommission, die nur einen Richtwert für Verwaltungsräte wollte. Sie folgte mit 27 zu 13 Stimmen dem Antrag einer Minderheit.

Keine Sanktionen

Nach Inkrafttreten des neuen Rechtes erhalten die Unternehmen fünf Jahre Zeit, um den Richtwert im Verwaltungsrat zu erfüllen – in der Geschäftsleitung beträgt diese Zeitspanne zehn Jahre. Erreichen die Firmen diese Geschlechter-Richtwerte nicht, drohen ihnen allerdings keine Sanktionen. Die Firmen müssen lediglich öffentlich (im jährlichen Vergütungsbericht) begründen, weshalb die Quote nicht erreicht wurde und dort auch Massnahmen aufzeigen, wie sie den Frauenanteil erhöhen wollen.

Letzten Sommer hatte bereits der Nationalrat den Frauenquoten in beiden Gremien mit hauchdünner Mehrheit (95 zu 94 Stimmen) zugestimmt.

Der Frauenanteil an der Spitze von Schweizer Unternehmen liegt deutlich unter den geforderten Geschlechterrichtwerten. Erst jedes fünfte Verwaltungsratsmitglied ist weiblich (21 Prozent). Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 100 grössten Firmen beträgt gar nur 9 Prozent. Noch immer sitzen in über der Hälfte der Geschäftsleitungen überhaupt keine Frauen. Das zeigen die Zahlen im sogenannten Schilling-Report 2019.

«Gendermix bleibt Generationenprojekt»

Für Guido Schilling, Chef der Kadervermittlungsfirma Schillingpartners, die den Report verfasst, ist die Frauenquote auf Geschäftsleitungebene ein wichtiger Schritt: «Es bleibt aber ein Generationenprojekt, bis dort für den angestrebten Gendermix genügend Frauen zur Verfügung stehen.»

Doch die Zeichen für einen Wandel stünden gut. 2018 hätten die grossen Unternehmen erstmals 64 Prozent der neuen weiblichen Mitglieder intern in die Geschäftsleitung befördert. Moderne Unternehmen hätten bereits gezielte Massnahmen eingeleitet, um den Anteil von Frauen in den Führungspositionen zu erhöhen.

Jetzt solle der Staat nachziehen und gut ausgebildeten Frauen ermöglichen, auch mit Familie Karriere zu machen. «Dazu braucht es vor allem bessere Strukturen für die externe Kinderbetreuung, insbesondere Tagesstrukturen an den Schulen», ergänzt Schilling.

(rol/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FASANO am 19.06.2019 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Unser Parlament spinnt komplett.

    Wenn das so ist, dann darf man ruhig sagen: Unser Parlament spinnt komplett. Keine intelligente, gebildete, leistungsfähige Frau hat den Wunsch nach Quotenfrauen neben sich. Mit solchen Quotenvorschriften richtet man gutgehende Unternehmen zugrunde. Man vertreibt so die ideenreichen, leistungsfähigen Leute.

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  • Fight4Freedom am 19.06.2019 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Entscheid...

    .... führt dazu, dass evt. Schlechteres besser bewertet wird um eine Quote zu erfüllen und allfällig Besseres verhindert wird.... DAS ist völlig gegen jede Leistungs- und Erfolgstheorie.

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  • Chris/b am 19.06.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die beste Lösung

    Sorry, aber meiner Meinung nach ist eine Frauenquote schlecht für die wirtschaft und auch die Frauen. Gleichberechtigung heisst, dass es kein kriterium ist, ob eine Frau oder ein Mann eine Anstellung/Position erhält. Gerade in der Führungsriege soll nicht jemand wegen des Geschlechts gewählt oder nicht gewählt werden. Es muss lediglich auf die Kompetenzen ankommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D. oof Ermann am 10.07.2019 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrung zwischen meinen Ohren

    Ich weiss nicht ob ich lachen oder weinen soll. Nach AdamsFamily, Frankenstein, Sugusli und ShoppingQueen kommt noch mehr KaKa - Frauenquote ahoj!

  • Rusty Bloom am 23.06.2019 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Welt

    Wollen, wollen, wollen, und noch mehr wollen. Aber nicht etwa mit den Männer zusammen, weder im Beruf noch in der Liebe. Und dann sollen wir für sie noch Platz machen, einfach nur weil sie kein Gehänge haben.

  • Faktenchecker am 20.06.2019 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apropos Vorteile als Mann...

    Kann mir bitte mal jemand erklären warum die Suizidrate der Männer in Europa 5x (!) höher ist als bei den Frauen? Muss wohl am "Schoggileben" als Mann liegen... Wann sprechen wir endlich einmal über solche tabu Themen?!

  • Ichsagsmalso am 20.06.2019 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Das Matriarchat als Endziel

    Bevor es diesen unsäglichen Quotenfrauen nicht gelungen ist das Matriarchat herzustellen geben die nicht auf.

  • Vater am 20.06.2019 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quotenfrauen

    Ich hoffe sehr dass dieser Entscheid noch vors Volk kommt! Möchte nicht, dass meine beiden intelligenten und begabten Töchter deswegen später mal als Quotenfrauen abgestempelt werden.