Tierschutz

14. März 2012 10:47; Akt: 29.03.2012 15:59 Print

Ständerat gibt «Connyland» eine Chance

Der Ständerat hat sich für ein Importverbot von Delfinen ausgesprochen. Anders als der Nationalrat will er die Haltung aber nicht verbieten.

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Schocknachricht aus dem Connyland in Lipperswil: Der achtjährige Delfin Angel ist am 3. November 2013 gestorben. Mit ihm sind seit 2008 neun Delfine gestorben. Im Jahr 2007 war Angel getauft worden - von der Musicstar-Siegerin Fabienne Louves. Das mittlerweile achtjährige Delfinmännchen hätte nach Jamaika umgesiedelt werden sollen. Am Dienstag, 8. November 2011, ist im Freizeitpark Connyland das achtjährige Delfinmännchen Shadow verendet. Mit Shadow sind seit 2008 sieben Delfine im Connyland gestorben. ProWal und Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) kritisieren darauf das Veterinäramt. Dieses habe eine Technoparty vom 29. Oktober nicht verboten. Diese sei Schuld am Tod des Delfins. Der Kantonstierarzt widerspricht: Die Technomusik sei im Delfinarium kaum zu hören gewesen. Ausserdem sei nur der Tod des jungen Shadow aussergewöhnlich. Zwei der früher gestorbenen Delfine seien 27 und 28 Jahre alt geworden, die anderen seien Babys gewesen. Die Todesursache von Shadow wird noch untersucht. Die Tierschutzorganisationen bezeichnen das Connyland hingegen als Todestrakt. Sechs Tage nach Shadow stirbt am 14. November 2011 ein weiterer Delfin im Connyland. Der Verdacht wird laut, beide Tiere könnte vergiftet worden sein. Doch die Staatsanwaltschaft Thurgau teilte am 05. Juli 2013 mit, dass die Delfine an einer Hirschädigung gestorben sind. Dies durch die Überdorsierung von Medikamenten. Laut Tierschutzorganisationen ist artgerechte Haltung nicht möglich. Ein Becken könne nie die Standards eines Meeres bieten. Delfinarien verunmöglichten ein natürliches Sozial- und Jagdverhalten.

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Längerfristig sollen in Schweizer Zoos und Freizeitparks keine Delfine mehr leben. Dafür hat sich nach dem Nationalrat auch der Ständerat ausgesprochen. Während die grosse Kammer jedoch ein Haltungsverbot wünscht, entschied sich der Ständerat am Mittwoch für ein Importverbot.

Der Ständerat folgte mit 22 gegen 19 Stimmen der Mehrheit seiner Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK). Mit dem Importverbot werde nicht generell die Haltung von Delfinen verboten. Die drei Delfine, die im Connyland im Kanton Thurgau gehalten würden, könnten damit in der Schweiz bleiben, sagte Sprecher Peter Bieri (CVP/ZG).

Vertieft prüfen

Die Kommissionsmehrheit sei der Meinung, dass die Frage der Delfinhaltung von der nationalrätlichen Schwesterkommission noch einmal vertieft geprüft werden sollte, sagte Bieri. «Mit dem Importverbot soll ein möglicher Weg vorgegeben werden.»

Im Binnenland Schweiz sei die Haltung von Delfinen problematisch, doppelte Pascale Bruderer (SP/AG) nach. Den Tieren könne weder der nötige Platz noch der natürliche Lebensraum zur Verfügung gestellt werden. «Das Problem sollte uns nicht gleichgültig sein», fügte This Jenny (SVP/GL) hinzu.

Die Minderheit der WBK dagegen wollte die Frage zwar diskutieren, aber kein Präjudiz für ein Verbot schaffen. Es müsse geprüft werden, wie eine Lösung ohne generelles Verbot aussehen könnte, sagte Sprecherin Brigitte Häberli (CVP/TG).

Die Diskussion um die Delfine im Connyland sei in seinem Kanton hoch emotional, sagte Roland Eberle (SVP/TG). Doch einem Schnellverfahren über die Differenzbereinigung müsse Einhalt geboten werden. Auch die Haltung anderer Tiere sei problematisch.

Letzter Import vor 20 Jahren

Bundesrat Johann Schneider-Ammann warnte vergeblich vor einer «Lex Connyland». Ein Verbot laufe der Konzeption der Gesetzgebung zuwider. Im Gesetz würden Anforderungen an die Haltung und die Bedürfnisse der Tiere beschrieben. «Den einzelnen Arten wird das gerecht.» Ein Importverbot hätten die Räte bisher abgelehnt.

In der Schweiz hält zurzeit einzig der Freizeitpark Connyland in Lipperswil TG drei Delfine. Nachdem dort im vergangenen Herbst innerhalb einer Woche zwei Delfine eingegangen waren, entflammte die Diskussion um ein Verbot, diese Meeressäuger in Gefangenschaft zu halten, wieder neu.

Der Bundesrat hatte nach diesen Todesfällen Haltungsverbote abgelehnt, aber angekündigt, die Regeln für die Haltung zu überprüfen. Gemäss Bundesrat waren letztmals 1989 und 1992 Grosse Tümmler in die Schweiz eingeführt worden.

Weitere Differenzen bereinigt

Bei den weiteren Differenzen schloss sich der Ständerat dem Nationalrat an. Stillschweigend hiess er einen verstärkten Schutz für Forscher und Firmen gut, die an Tierversuchen beteiligt sind. Mit einer Zusatzklausel sollen Rückschlüsse auf Firmen, Forscher, Forschungsanlagen und Forschungsvorhaben vermieden werden.

Ebenso schloss sich der Ständerat bei der Verankerung des Verbots von internationalen Schlachttier-Strassentransporten im Gesetz der grossen Kammer an. Der Bundesrat und auch der Ständerat hatten bisher die Regelung über die Tierschutzverordnung bevorzugt.

Nach Ansicht der WBK genügt es, dieses Verbot weiterhin in der Verordnung zu verankern, sagte Sprecher Bieri. Doch angesichts der wiederholten Vorstösse für eine Regelung im Tierschutzgesetz sei im Ständerat eine gewisse Resignation eingekehrt.

Bis auf die Frage der Delfin- und Walhaltung haben die Räte das Tierschutzgesetz inhaltlich bereinigt. Es geht nun wieder zurück in den Nationalrat.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hildegart am 14.03.2012 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bodenhaftung

    Gott sei Dank gibt es doch noch normale Politiker. Der Geist bei Tierschützer geht immer mehr verloren. Ich liebe die Natur ,die Tiere und auch die Menschen , aber ich sehe auch immer die Wirklichkeit und verliere die Bodenhaftung nicht. War ein Bauermädchen und habe sehr viel gearbeitet , ich weiss von was ich rede.

  • M. Felder am 14.03.2012 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Connyland meiden!

    Wenn Politiker daneben greifen - Da gibt es nur Eines zu tun: Das Connyland meiden! Wer diese Tierquälerei begaffen geht, outet sich als grausamer Ignorant!

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  • Tee Trinker am 14.03.2012 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Für ein Verbot!

    Ich bin für ein Verbot, denn ich finde schon dass es einen Unterschied macht ob ein Landtier in einem Freiluft Gehege gehalten wird oder ein Meeressäuger in einem Becken. Sprich wenn schon Delfine halten dann in einem abgrenzten Stück Meer.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ricardo Granda am 15.03.2012 05:17 Report Diesen Beitrag melden

    Artgerecht ist nichts menschliches

    Dieses Connyland sollte verschwinden so wie andere auch. Was Zoologische Gärten angeht, frage ich mich sowieso warum so viele verschiedene Tiere zusammengepfercht werden müssen. Diese Haltung hat nichts mit Arterhaltung zu tun, sondern nur mit der Befriedigung der Menschen, die dafür bezahlen solche Tiere zu sehen. Arterhaltung erfolgt an Ort und Stelle und das ist teuer, darum werden jedes Jahr immer mehr Tiere vernichtet, weil immer weniger Geld für dessen Schutz da ist. Aber Hauptsache ist, wir haben unsere "wilden Tiere" vor der Haustüre.

  • axelF am 14.03.2012 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierige Frage

    Dies ist ein sehr zweischneidiges Thema... Ich bin grundsätzlich auch gegen das einsperren irgendwelcher Tiere. ABER... Der Lebensraum der Tiere wir immer enger. Besonders Wale und Delphine sind stark bedroht. Besonders wegen gewissen Kulturen welche sich unbeirrt über alle Gesetze hinwegsetzen und weiter Fischen. Soll man also alle Zoos zumachen oder soll man diese erhalten damit die Kinder unserer Kinder noch Delphine sehen können wenn die Weltmeere mal Leer sind? Ich bin für rigoroses durchsetzen der Fangverbote und rigorose Kontrollen in Zoos. Dan hat beides eine Chance...

  • Manuela Tobler am 14.03.2012 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Tierversuche noch stärker geschützt?!?

    Stillschweigend hiess er einen verstärkten Schutz für Forscher und Firmen gut, die an Tierversuchen beteiligt sind. - Noch weniger Transparenz bei Tierversuchen. Die Forschung soll endlich gerade stehen müssen für das was sie macht!!! Und es braucht dringenst eine Registration und Kontrolle von Tierversuchen! Es kann doch nicht sein, dass in einem sog. zivilisierten Land jeder einfach machen kann was er will?

  • M. Felder am 14.03.2012 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Freiheit ist artgerecht

    Artgerechte Gefangenhaltung von Wildtieren gibt es nicht! Nur die Freiheit ist artgerecht. Alles andere ist Politik, Kommerz, Gewinnhandel und Schönrederei! Connyland ist für anständige Menschen: NO GO!

    • H. Morgenegg am 14.03.2012 15:00 Report Diesen Beitrag melden

      Freiheit für Meersäuli

      Und was ist mit Meerschweinchen? Da kann man 4 auf einem Quadratmeter halten und weil es keine Wählerstimmen dafür gibt, setzt sich auch keiner für ein Verbot ein. Und weil die Wähler nicht goutieren würden, wenn man ihnen denn Zolli Basel oder den Zürcher Zoo schliessen würde, darf man Löwen, Tiger, Gorillas etc. auch weiterhin einsperren. Eine sehr selektive Tierliebe legt unser Parlament hier an den Tag...

    • R.L. am 14.03.2012 19:00 Report Diesen Beitrag melden

      Fahrgeschäfte

      Ja aber im Connyland gibt es auch noch andere Dinge als Delphine die man vieleicht gerne fährt???

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  • Peter Meier am 14.03.2012 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit den Elefenten

    Und was ist mit den Elefantan im Zoo? Die Elefanten wandern in Afrika und Asien pro Jahr über 300km. D.h., in den Zoos werden die Elefanten auch nicht Art gerecht gehalten. Wenn schon ein Verbot, dann sollte dies für alle wilden Tier gelten.

    • Realist am 14.03.2012 21:10 Report Diesen Beitrag melden

      Gut aber nie Perfekt

      Die Elefanten haben immerhin Gras und Sandboden unter den Füssen. Wie sieht es mit Sand und Riffen aus im Delfinbecken? Wenn die Umgebung stimmt kann man Äonen eingeschränkten Bewegungsraum akzeptieren. Auch wenn es nicht optimal ist. Menschen haben auch nicht immer die Optimale Umgebung. Das wird ja auch toleriert. Es geht nicht anders.

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