Streit unter Kollegen

16. Januar 2019 12:50; Akt: 16.01.2019 12:50 Print

Star-Architekt Botta will Zersiedelung stoppen

Der Tessiner Star-Architekt Mario Botta tritt einen Streit unter Architekten los: Er wirbt für ein Ja zur Zersiedelungsinitiative – anders als viele Kollegen.

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Rund 200 Architektinnen und Architekten, darunter Mario Botta, haben einen öffentlichen Brief zugunsten der Zersiedelungsinitiative unterzeichnet. Darin warnen die Unterzeichnenden vor einer verschwenderischen Nutzung des Bodens: «Der Boden wächst nicht nach, wir dürfen ihn nicht länger vergeuden.»

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Muss in der Schweiz dichter gebaut werden?

Alle bisher getroffenen Massnahmen hätten nichts gebracht. Noch immer werde in der Schweiz jede Sekunde ein Quadratmeter Land überbaut. Wem die Siedlungsentwicklung nach innen mehr ist als ein Lippenbekenntnis, der werde der Zersiedelungsinitiative zustimmen. «Wer sie ablehnt, ist mit dem Landschaftsfrass einverstanden. So einfach ist das.»

«Verdichtung gegen innen»

Der bekannte Schweizer Architekt Mario Botta führt gegenüber 20 Minuten aus: «Es braucht in den bestehenden Siedlungen dringend eine Verdichtung gegen innen.» Ansonsten verschwimme der Kontrast zwischen Siedlungsgebiet und unbebauter Landschaft immer mehr und die einzigartige Schweizer Natur verliere ihre Identität.

Die Arbeit der Architekten sieht Botta durch die Initiative nicht eingeschränkt: «Mit neuen Technologien sind in den Siedlungsgebieten weiterhin ansprechende Bauten möglich, wo möglich kann in die Höhe gebaut werden.» Die Initiative, so Botta, biete für das Problem der Zersiedelung eine simple Lösung. Sie will die Gesamtfläche der Bauzonen in der Schweiz auf dem heutigen Stand einfrieren.

Mittel sind bereits vorhanden

Der schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) widerspricht dem Star-Architekten. Von Landschaftsfrass könne keine Rede sein «Das ist eine polemische, wenig sachliche Äusserung, die wohl zu Abstimmungskämpfen gehört», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Mike Siering. Man sei mit dem Ziel der Initianten, die Landschaft vor der Zersiedelung zu schützen, einverstanden. Die nötigen Mittel dazu seien bereits vorhanden.

Der SIA meint damit das revidierte Raumplanungsgesetz 1, das es bereits ermögliche, zu grosse Bauzonen zu verkleinern. Der Verein befürchtet, dass die Auswirkungen der Initiative kontraproduktiv sein könnten. Problematisch sei, dass die bestehenden Bauzonen eingefroren würden: «In peripheren Zonen werden zu grosse Bauzonen bestehen bleiben. Wir wollen aber eine Verkleinerung, dort wo es nötig ist.» Die Zersiedelungsinitiative verhindere das. Sie sei kontraproduktiv, so Siering: «Sie befördert die Zersiedelung, statt sie zu stoppen.» Ausserdem würden die Bodenpreise weiter steigen und den dringend benötigten Wohnraum weiter verteuern, hielt der Verband in einer Medienmitteilung fest.

Botta widerspricht dieser Kritik: «Die Bodenpreise sind ein wirtschaftspolitisches Problem», sagt er. «Ich arbeite in vielen Teilen der Welt, und an jedem Ort ist das System anders.»

(eke/pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dieog am 16.01.2019 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst wenn wir verdichtet bauen

    bei einem Zuzug von netto min. 60'000 Menschen/ Jahr wird es Zersiedelung geben - so oder so. Man kann nicht beides haben! Entweder wird die Zuwanderung, wie damals vom BR versprochen auf 8'000/ Jahr reduziert oder unser Land wird zersiedelt werden. PUNKT!

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  • Jusuf am 16.01.2019 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    in den Städten

    Muss in die Höhe gebaut werden, sonst wird das nix!

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  • Nick am 16.01.2019 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte ergänzen

    Bei der Abstimmung fehlt "In der Schweiz muss weniger gebaut werden"

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Tigler am 21.01.2019 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nach oben bauen

    Dann muss man halt nach oben bauen und nicht in die Weite ganz einfach!

  • M. Maurer am 20.01.2019 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Zersiedlung

    So eine schlechte Bauweise wie in der Schweiz gibt's in keinem anderen Land. Mario Botta hat Recht. Seine Bauart ist wunderschön

    • 101st am 24.01.2019 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M. Maurer

      Wunderschön? Er baut überteuerte und unpraktische Denkmale für sich selber...

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  • De Ge am 18.01.2019 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verdichten + in die Höhe bauen = 1000m2?

    "verdichten und in die Höhe" bauen sagt Mario Botta der auf 1000m2 in einer alten Spinnerei lebt... sagen kann man vieles - aber auch selber machen?

    • Emil Zement am 20.01.2019 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      Widerspruch was sonst

      Das sind halt die Grünen , Wasser predigen die Natur lieben aber in der stadt wohnen mit Freude und zersiedelungs ausrede

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  • Patrick am 17.01.2019 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Raumplanung

    Weiter oben steht, dass auf ende Jahr 80000 Wohnungen leer stehen. Es wird halt am falschen Ort gebaut.

    • Karl am 17.01.2019 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick

      Oder Steuersätze und Krankenkassenbeiträge schrecken ab.

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  • Antonio Giovenni am 17.01.2019 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nützt das etwas?

    Bern macht am Schluss dass was Sie wollen. Das wird leider immer mehr der Fall. Wir können abstimmen wie wir wollen es kommt dann doch anders.

    • daniela am 17.01.2019 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      du hast recht

      du hast ja so recht! sehe seit jahren,monaten dieselben Plakate Büros zu vermieten... und freie Wohnungen gibt es zu hauf aber ein Durchschnittsverdiener kann die nicht bezahlen! aber es muss einfach so vieles verbaut werden - es muss ja nicht jeder sein Einfamilienhaus haben!!! in der Stadt gibt es auch so viele und immer mehr Ladenlokale die leer stehen da kein privater diese zahlen könnte...

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