Basistunnel

05. Mai 2017 17:38; Akt: 05.05.2017 18:37 Print

Staub löst im Gotthard-Tunnel Fehlalarme aus

von S. Ehrbar - Weil Güterzüge Kies und Sand verlieren, schrillt in Intercity-Zügen im Gotthard-Tunnel oft einmal der Alarm. Für die Sicherheit sei das unerheblich, heisst es bei der SBB.

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Die SBB zieht eine positive Bilanz zum neuen Gotthard-Basistunnel. Doch es gibt auch Probleme: Weil Güterzüge Staub verlieren, kann in Reisezügen der Brandalarm ausgelöst werden. Das führt zu Verspätungen. Auch die Pünktlichkeitswerte auf der Gotthard-Linie sind noch nicht so hoch, wie es die SBB gerne hätte. Immerhin: Basel soll am Morgen wieder einen direkten Zug ins Tessin erhalten, und von Zürich gehts direkt nach Venedig. Sorgenkinder bleiben die internationalen Züge aus Italien. Sie sind trotz Fahrplanreserven häufig unpünktlich. Die neuen ETR-610-Züge kämpfen zudem nach wie vor mit häufigen technischen Problemen. Die SBB verspricht Besserung. Am 1. Juni wurde der längste Eisenbahntunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel, feierlich eröffnet. Matteo Renzi, Angela Merkel, François Hollande und Johann Schneider-Ammann im Sonderzug von Erstfeld nach Bodio. (1. Juni 2016) Freuden-Oden: Der erste Zug wird am Nordportal bei Erstfeld mit Feuerwerk empfangen. (1. Juni 2016) Die Begeisterung der Hunderten von Schaulustigen kennt keine Grenzen. (1. Juni 2016) Ein Band zwischen Nord und Süd: Johann Schneider-Ammann zerschneidet das rote Band und übergibt den Tunnel damit offiziell den SBB. (1. Juni 2016) Göttliche Weihung: Vertreter aller Weltreligionen gaben dem neuen Tunnel ihren Segen. (1. Juni 2016) Ein geschichtsträchtiger Tag: «Wir vollenden ein Jahrhundertwerk, an dem mehrere Generationen mitgewirkt haben», betonte Bundespräsident Schneider-Ammann bei seiner Ansprache. (1. Juni 2016) Über eine Direktschaltung war Ammann mit Doris Leuthard in Pollegio beim Südportal verbunden. (1. Juni 2016) Leuthard sagte, der Tunnel sei ein Symbol für Offenheit und Fortschritt. (1. Juni 2016) Im Tunnel-Look: Das mit Löchern durchsetzte Kleid von Leuthard gab fast so viel zu Reden wie die Tunneleröffnung. (1. Juni 2016) Journalisten aus aller Welt berichteten über die Eröffnung des prestigeträchtigen Bauwerkes. (1. Juni 2016) Auch der neun Arbeiter, die beim Tunnelbau ihr Leben lassen mussten, gedachte Ammann in seiner Ansprache. (1. Juni 2016) Startschuss: Mit dem Ausspruch «Bahn frei! Place aux trains! Via libra pils trens! Via liberia ai treni!» gab Schneider-Ammann das Signal für die erste offizielle Fahrt von zwei Zügen. (1. Juni 2016) Begeisterung: 1000 Gäste fuhren in den Eröffnungszügen als erstes durch den neuen Gotthard-Basistunnel. (1. Juni 2016) Die Passagiere waren durch einen Wettbewerb der SBB ausgewählt worden. (1. Juni 2016) Die beiden ersten Züge fuhren von Bellinzona und Arth-Goldau aus los. Hier die Passagiere in Bellinzona. (1. Juni 2016) Kurz nach Zwölf begann die Eröffnungsfeier in Rynächt bei Erstfeld. (1. Juni 2016) Mystisch: Tänzer und Akrobaten stellen in der Inszenierung von Volker Hesse den Mythos Gotthards nach. (1. Juni 2016) Auch der moderne Tunnelbau wurde in der Eröffnungsshow mittels Tanz thematisiert. (1. Juni 2016) Unter den geladenen Gästen befand sich der ehemalige deutsche Aussenminister Joschka Fischer, hier mit Alt-Bundesrat Adolf Ogi. (1. Juni 2016) Hesses «Sacre del Gottardo» fand zeitgleich in Pollegio und Rynächt statt. (1. Juni 2016) Mystische Figuren aus der Schweizer Folklore durften bei der Show nicht fehlen. (1. Juni 2016) Die Schausteller trugen Tenues von Tunnelarbeitern. (1. Juni 2016) Und erhoben sich schwebend in die Lüfte. (1. Juni 2016) Die Show kombinierte modernen Tanz mit Eisenbahnmotiven. (1. Juni 2016) Auch eine klassische Gotthard-Postkutsche durfte nicht fehlen. (1. Juni 2016) Danach durfte Schneider-Ammann Bundeskanzlerin Angela Merkel... (1. Juni 2016) ... den italienischen Premierminister Matteo Renzi... (1. Juni 2016) ... und Präsident Francois Hollande begrüssen. (1. Juni 2016) Zusammen mit dem Gesamtbundesrat ging es dann in einem Extra-Zug von Erstfeld aus durch den Gotthard. (1. Juni 2016) Der Tunnel war für die Regierungschefs ausnahmsweise beleuchtet. Blick in die Weströhre. (1. Juni 2016) Die Fahrt dauerte für die Staatsoberhäupter etwas länger als für die normalen Fahrgäste: 30 statt nur 20 Minuten. Hier bei Eintreffen in Pollegio. (1. Juni 2016) Manche Gäste hatten sich für die Eröffnungsfeier ein spezielles Outfit ausgedacht. (1. Juni 2016) Das Jahrhundertwerk sei weitaus mehr als eine Tunnel. «Heute ist in der Schweiz der europäische Traum Realität geworden», sagte Hollande in seiner Rede in Pollegio. Merkel betonte, der Gotthard sei das Herz Europas, «die Aorta fehlt jedoch noch». Damit spielte sie auf die noch unvollendeten Zubringerstrecken in Deutschland und Italien an. (1. Juni 2016) Die Patrouille Suisse liess es beim Südportal aus der Luft krachen. (1. Juni 2016) Freude herrscht: Auch Alt-Bundesrat Adolf Ogi, der als «Vater der NEAT» gilt, durfte sich an der Eröffnung öffentlich äussern. (1. Juni 2016) Auf Richtung Zentralschweiz: Diverse Parlamentarier machten bereits am frühen Morgen auf zum Gotthardmassiv. (1. Juni 2016) Eine Statue der Heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Tunnelbauer, steht im neuen Gotthard-Basistunnel bei Amsteg. (1. Juni 2016) Renzo Simoni, Vorsitzender AlpTransit, Peter Fueglistaler, Direktor BAV, und Andreas Meyer, CEO SBB, zeigten sich an der Medienkonferenz in Castione verbunden. (1. Juni 2016) Der Tunnel führt durch das über 3000 Meter hohe Gotthardmassiv. Die unscheinbare Einfahrt bei Erstfeld unten links. (31. Mai 2016) Gedenken am Tag zuvor: Angehörige der neun verstorbenen Mineure nahmen bei Erstfeld an einer Feier teil. (31. Mai, 2016)

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Im neuen Gotthard-Basistunnel ist die Luft stickig. Seit das Rekord-Bauwerk im vergangenen Dezember in den kommerziellen Betrieb ging, stellt die SBB eine erhöhte Staubkonzentration fest, denn einige mit Kies und Sand beladene Güterzügen verlieren Teile ihrer Ladung.

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Weil der Staub im Tunnel aber nicht versickern kann, wird er von anderen Zügen bei der Durchfahrt wieder aufgewirbelt. Als Folge davon kommt es in Personenzügen zu einem Fehlalarm, weil die Brandmeldeanlage angeht.

Verspätungen wegen heisser Züge

In den letzten Monaten sei dies «vereinzelt» passiert, heisst es bei der SBB. Verkehrschef Toni Häne sagt, sicherheitsrelevant sei dies nicht. Möglicherweise müssen Züge aber in die andere Tunnelröhre ausweichen, was zu Verspätungen führen kann.

Ohnehin sind die Güterzüge die Problemkinder im neuen Tunnel. Seit vergangenem September gibt es im Tunnel durchschnittlich bis zu sechsmal in der Woche einen sogenannten «Heissläufer»-Alarm. Dieser wird ausgelöst, wenn sich Zugteile zu sehr erwärmen. Die Folge: Andere Züge müssen abbremsen und die andere Tunnelröhre benützen. Das führt zu Verspätungen.

Unpünktlich trotz Reserven

So erstaunt es nicht, dass die Züge am Gotthard nach wie vor unpünktlicher unterwegs sind als im Rest der Schweiz. Das SBB-interne Ziel wird am Gotthard nicht erreicht.

Zurzeit kommen 87,5 Prozent der Passagiere zwischen Nord und Süd mit weniger als drei Minuten Verspätung an, wie SBB-Infrastrukturchef Philippe Gauderon sagt. Dabei sind in den Fahrplänen grosszügige Zeitreserven von bis zu acht Minuten eingeplant. Damit wird immerhin Schlimmeres verhindert, und die Züge aus Italien sind wenigstens einigermassen pünktlich. In Zukunft peilt die SBB einen Wert von 89 Prozent an.

Basel profitiert auf Zürcher Kosten

Besser werden soll der Gotthard-Verkehr für Basler Frühaufsteher. Weil der erste direkte Zug von der Nordschweiz ins Tessin erst um 9 Uhr losfährt, müssen diese in Arth-Goldau umsteigen – auf einen Zug aus Zürich. Der ist meistens schon so voll, dass die Basler keinen Sitzplatz mehr finden.

Nun sollen die Basler wieder einen direkten Zug am Morgen erhalten. Weil es dann aber zu viele Züge auf der Gotthard-Achse haben könnte, laufen die Zürcher Gefahr, im Gegenzug ihren beliebten Morgenzug in den Süden wieder zu verlieren. Entschieden sei dies noch nicht definitiv, sagt SBB-Verkehrschef Toni Häne.

Direkt nach Venedig

Ab Juni gibt es für Zürcher dafür neue Verbindungen nach Italien. Dann fährt an den Wochenenden ein direkter Zug nach Venedig. Ab Dezember gibt es zudem Züge von Mailand über die Schweiz nach Frankfurt. Und Locarno könnte wieder einen direkten Zug ab Zürich erhalten.

Eng bleiben dürfte es aber auch in Zukunft, insbesondere an Spitzentagen wie Ostern oder Pfingsten. Geräumige Doppelstock-Züge kann die SBB nämlich erst ab dem Jahr 2021 ins Tessin einsetzen. Vorher müssen noch Ausbauten getätigt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mannomann am 05.05.2017 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Staubsauger

    Der Staub kann nicht "versickern". (Oder am Boden kleben bleiben) Dann wird irgendwann mal nur noch Staub im Tunnel sein. Somit wird man wohl oder bald mal einen grösseren Staubsauger anschaffen müssen. Diesen könnte man dann auch in etlichen Bahnhöfen mal durchfahren lassen.

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  • Dieter am 05.05.2017 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Feinstaubbelastung SBB

    Die Feinstaubbelastung in Tunnels und Bahnhöfen (z.B. den unterirdischen Zürich HB) sollte dringend gemessen werden. Die Resultate könnten erschreckend sein! Weil: nur schon der Staub durch die Bremsen ist verheerend.

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  • Best am 05.05.2017 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt keine Perfektion

    Für viele ist Technologie selbstverständlich, aber dass dert längste Zugtunnel eine Meisterleistung ist vergessen viele! Man kann vieles testen, aber erst dert Gebrauch zeigt die Schwachstellen. Es ist wie überall. Ich planen, testen und sicher sein..... etwas hat man übersehen. Vorwürfe sind hier falsch plaziert. Jeder der mal ein Projekt geführt, begleitet oder in einem mitgearbeitet hat weiß das!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anita Blumer am 06.05.2017 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich nicht krebserregend!

    Hoffentlich ist dieser giftige Feinstaub im neuen Gotthardtunnel für die Passagiere nicht krebserregend. Kommt direkt über die Klimaanlage in die Abteile!

    • Ralf am 07.05.2017 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anita Blumer

      Die SBB sagt nein,ist es nicht. Wer's glaubt....

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  • Enrico am 06.05.2017 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reibung bei 250 Std/km

    Die grösste Verunreinigung entsteht durch die Reibung des Luftzuges am Bauwerk. Diese Rückstände (Staub) müssen Zeitnah ausgewaschen werden. Die Ablagerungen an den Einbauten wie Fahrleitungsabspanner und Signalen, Handläufen etc.... werden in kurzer Zeit Betonhart und müssen in mühsamer und zeitaufwendiger Handarbeit entfernt werden. Ebenso ist das Verstopfen der durchgehenden Entwässerung in Gefahr. Das alles sollte den Unterhaltsingenieuren bekannt sein ... wenn nicht ..... Praktiker wissen das! Ausspühlen von Tunnel und Entwässerung muss von Anfang an Erfolgen, Absaugen hat kein Erfolg!!

  • Ex_SBB'ler am 06.05.2017 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    SBB-Vertuschung !

    Was die SBB nicht sagen möchte.... Handelt es sich wirklich primär "nur" um Kiessand? Für die Schienenpflege wurde das neue Verfahren HSG (High Speed Grinding) eingesetzt und die Absaugung vom Schleifstaub so mangelhaft ausgeführt dass im Tunnel und in den Lüftungen mm-dicker Schleifstaub war. Das Schlimme ist dass der Staub eisenhaltige Bestandteile hat die grosse Probleme in den Lüftungen und Steuerschränken verursachen.....

  • Dario. am 06.05.2017 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bergstrecke?

    Es gibt ja auch die Bergstrecke, wieso fahren die Güterzüge nicht über diese Strecke? Die ist ja leider nicht mehr so stark befahren!

    • FrauPendlerin am 06.05.2017 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dario.

      Weil der Tunnel für die Güterzüge gebaut wurde, nicht für Personentransport als Prio 1.

    • Urs Glarner am 06.05.2017 15:38 Report Diesen Beitrag melden

      Museumsbahnstrecke

      Weil eine zweite Lokomotive angehängt werden müsste (Kosten!) und weil die alte Bergstrecke durch die schweren Züge so stark abgenützt würde, dass teure Unterhaltsarbeiten am Berg durchgeführt werden müssten. Die alte Bergstrecke ist faktisch nurmehr eine Museumsbahn mit stark eingeschränktem Unterhaltsbudget, irgendwann ist Schluss damit, ausser ein privater Verein wie bei der Furka-Bergstrecke übernimmt den Unterhalt.

    • A.F am 06.05.2017 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @FrauPendlerin

      Soviel Güter sind ja nicht wie in Deutschland sind es einiges mehr als in der Schweiz. Punk

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  • Angela am 06.05.2017 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lockführer

    Mein Freund fahrt für die SBB UND ZWAR GÜTERZÜGE! Es ist viel gefährlicher wenn die güterzüge die alten strecken bzw über den Berg fahren, ausserdem ist der Tunnel mehrheitlich für die Güterzüge gemacht worden!!!! Also bitte nicht auf die Güterzüge abschieben!