Klimawandel

02. September 2019 12:24; Akt: 02.09.2019 13:09 Print

Sterben Älplermagronen und Schoggimousse aus?

Die Umweltallianz rechnet damit, dass der Klimawandel Menü-Klassiker verändern wird. Zwei Köche haben Gerichte der Zukunft kreiert.

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Hirse und Sojamehl ersetzen Weizenpasta, Süsskartoffeln Kartoffeln, eine Baumnuss-Sauce ersetzt den Rahm und anstatt Speck gibt es Austernpilze. Älplermagronen bereitet man üblicherweise mit Pasta und Rahm zu. Die weltweiten Erträge von Weizen, Reis und Mais werden wegen der Klimaerwärmung laut der Umweltallianz abnehmen. Bei Weizen erwarten die Wissenschaftler des Weltklimarats IPCC für 2050 einen Ertragsverlust von minus 4 bis minus 13 Prozent. Der Ertrag nimmt in der Schweiz um rund 10 Prozent zu, aber gleichzeitig sinkt der Proteingehalt des Getreides. Insbesondere die Kleberqualität nimmt ab. Dies könne dazu führen, dass mit dem Weizen kein Brot mehr gebacken ... ... und keine Teigwaren mehr hergestellt werden können. Beim Mais erwarten die Wissenschaftler einen solchen von minus 2 bis minus 12 Prozent ... ... und beim Reis von bis minus 12 Prozent. Eine im Fachmagazin «Science» erschienene Studie von US-Forschern prognostiziert laut der Umweltallianz, dass mit jedem Grad Temperaturanstieg die globalen schädlingsbedingten Ernteverluste bei Weizen, Reis und Mais um 10 bis 25 Prozent zunehmen. Die Sojaerträge gehen je nach Studie mit steigender Temperatur bis 2050 voraussichtlich eher zurück. Die Auswirkung für den Sojabohnenertrag ist in den wichtigsten Produktionsregionen aber weltweit gering, mit einer mittleren Änderung von null Prozent über alle verfügbaren Daten hinweg. Dies sei wenig im Vergleich zu anderen Kulturen, schreibt die Umweltallianz. Für die Schweiz sei es denkbar, dass Sojabohnen eher zu den Klimagewinnerinnen gehörten und sich deren Anbaugebiet ausdehne, schreibt die Umweltallianz. Die Zusammensetzung des Bodens sowie Sonnenstrahlung und Niederschlagsmenge während der Reifezeit wirken sich stark auf den Kaffeegeschmack aus. Die sensiblen Kaffeepflanzen benötigen das ganze Jahr über, tags wie nachts, ein ausgeglichenes Klima ohne extreme Hitze und Kälte sowie ausreichend Niederschlag und viel Schatten Extreme Wetterereignisse wie Dürren, Überschwemmungen oder starke Temperaturschwankungen bedrohen die verletzlichen Kakaobäume. Auch durch die Zunahme von Pflanzenkrankheiten sei die Kakaoernte bedroht, so die Umweltallianz. Trockenheit und Insektenbefall führen zu enormen Schäden. Die Allianz macht darauf aufmerksam, dass Westafrika für mehr als 60 Prozent der weltweiten Kakaoernte verantwortlich ist. Laut der Studie «Vulnerability to climate change of cocoa in West Africa» könnten bis im Jahr 2050 über 50 Prozent der Anbauflächen im westafrikanischen Kakaogürtel ausfallen. Die Anwendung zukünftiger Szenarien zum Klimawandel auf aktuelle Kartoffelanbausysteme zeigt, dass die Ernteerträge für Kartoffeln bis 2055 geringfügig sinken (minus 2 Prozent bis minus 6 Prozent), bis 2085 jedoch je nach Klimaszenario um minus 2 Prozent bis minus 26 Prozent. Die Produktion von tierischen Produkten wird durch die Futtermittelknappheit beeinträchtigt: Grasland könnte knapper werden, da verlängerte Trockenperioden das Graswachstum hemmen. Trotzdem wird Grasland wahrscheinlich im Vergleich zu anderen Kulturen resistenter sein. Bedingt durch die Wasserknappheit wird eine auf Grasland und oder auf Kraftfutter basierende Fleischproduktion zunehmend schwierig. Trockenheit führt zu reduzierten Graslanderträgen und erschwert den Getreideanbau. Auch den Import von Futtermittel aus dem Ausland wird gemäss der Umweltallianz erschwert durch die Konkurrenz zwischen menschlicher Ernährung und Futtermittelproduktion. Der Perlhirseertrag könnte in wasserarmen Regionen bis 2050 je nach Klimaszenarium um 7 bis 13 Prozent abnehmen. Die grössten Herausforderungen für die Zuckerrohrproduktion sind die Zunahme der Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse, insbesondere der Trockenheit, aber auch Überflutung. Die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Zuckerrohrproduktion (Ertragsrückgang) dürften sich nach 2050 noch verstärken. CO2 beeinflusst das Wachstum und die Entwicklung sowie das Auftreten von Insektenschädlingen und Krankheiten bei Gemüsepflanzen. Unter sich ändernden klimatischen Bedingungen werden laut der Umweltallianz Ernteausfälle, Ertragsmängel, Qualitätsminderungen und zunehmende Schädlings- und Krankheitsprobleme häufiger und machen den Gemüseanbau unrentabel. Die simulierte Auswirkung von Dürren und Hitzewellen auf die Gerstenproduktion bis 2099 führt voraussichtlich zu einer Verminderung der Gerstenernte um 3 bis 17 Prozent weltweit. Markus Burkhard, Spitzenkoch vom Restaurant Jakob in Rapperswil SG, hat drei Kulinarik-Klassiker aus der Deutschschweiz mit Ersatzzutaten kreiert. Aus dem Nüsslisalat mit Speck und Ei machte der Sternekoch ... ... einen Artischockensalat. Die Alternative der Schokoladenmousse besteht aus ... ... Erdmandeln und dem pflanzlichen Geliermittel Agar-Agar. Dieselbe Argumentation wie für Fleisch gelte für Milch ... ... und Eier. Positiv entwickelt sich hingegen die Klimaeignung für den Rebbau in der Schweiz. Zusammen mit Adrian Müller, Experte für Klimawandel und Landwirtschaft des Forschungsinstituts für biologischen Landbau, hat die Umweltallianz zudem verschiedene Nahrungsmittel zusammengestellt, deren Erträge sich aufgrund des Klimawandels künftig verändern werden.

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Die klassischen Zutaten für beliebte Speisen wie Älplermagronen oder Schoggimousse könnten künftig komplett wegfallen. Die Umweltallianz rechnet damit, dass der Klimawandel auch auf unseren Tellern Spuren hinterlässt.

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Vor Augen führen soll dies die Aktion «All you can’t eat». Die beiden Spitzenköche Markus Burkhard und Julien Pansier haben dafür die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsmittelproduktion in Gerichte übersetzt.

Süsskartoffeln statt Kartoffeln

Als Grundlage galten drei Kulinarik-Klassiker der Deutschschweiz (Nüsslisalat mit Speck und Ei, Älplermagronen mit Apfelmus und Schoggimousse) und drei der Westschweiz (Rindstartar, Forelle mit Rösti und grillierter Zucchetti, Sauce: Beurre blanc au citron noir, Île flottante).

Zusammen mit Adrian Müller, Experte für Klimawandel und Landwirtschaft des Forschungsinstituts für biologischen Landbau, hat die Umweltallianz zudem verschiedene Nahrungsmittel zusammengestellt, deren Erträge sich aufgrund des Klimawandels künftig verändern werden. Als Basis dienten Modellrechnungen und statistische Erkenntnisse. In der Bildstrecke sehen Sie, welche Produkte der heutigen Mahlzeiten wegfallen könnten und mit welchen Nahrungsmitteln diese künftig ersetzt werden könnten.

«Es ist klar, dass man diese Gerichte auch in Zukunft noch original wird kochen können – aber es wird schwieriger und herausfordernder, dies zu tun», schreibt die Umweltallianz. Augenscheinlich mache dies das Beispiel der Kartoffel. Werde deren Anbau mit zunehmendem Klimawandel schwierig, werde es vielleicht möglich, Süsskartoffeln anzubauen.

Hier sehen Sie, wie Markus Burkhard den Ersatz für Älplermagronen zubereitet:

(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Otto Normalgeblieben am 02.09.2019 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    die grösste Gfahr...

    Die gefährlichste Krankheit, resp. die grösste Gefahr ist die totale Verblödung der Menschen. Wie immer nimmt auch hier die durchgeknallte Schweiz einen Spitzenplatz ein. Bravo!

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  • Lorena am 02.09.2019 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Klimareligion

    Die Hysterie kennt keine Grenzen mehr.

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  • Uschle am 02.09.2019 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klima hin oder her

    Ich werde Älplermagaronen und Schoggmousse trotz Klimawandel hin oder her weiter machen, ich habe diese Speissen sehr gern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan D. am 03.09.2019 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    beziehen Strom aus Kohlekraftwerken in D

    Sorry, leider habe ich meine Umweltschutz Lobotomie noch nicht erhalten wie alle die welche so etwas vorschlagen.

  • Trauerspiel am 03.09.2019 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ende der Demokratie

    Lest den "Zukunftsdialog 2050" und den "Gesellschaftsvertrag für eine grosse Transformation". Europa hat seine schlimmsten Zeiten noch vor sich...

  • max am 03.09.2019 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lest bitte das klimablat

    Ich wil wegen dem Klimawahndel nichds mer esen was schated oder fligen. Nur Zug oder ein bot.

  • alice am 03.09.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    nachfragen

    übrigens auf den Kanaren ist immer sehr warm und da gibt es Wunderbare Patati also mal nachfragen Samen kaufen da es ja bei uns wärmer wird vieleicht sind die ja auch von Marocco

  • alice am 03.09.2019 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Züchten

    ja der einfache Weg Zuckerrübe was anders ist das ja nicht anstatt sich Mühe geben Neue Kartoffelsorten zu ziehen gruss an Wädenswil