Strassenverkehr

27. Juli 2018 05:48; Akt: 27.07.2018 05:48 Print

Hightech-Autos sollen tiefer besteuert werden

von Stefan Ehrbar - Wer ein Fahrzeug mit intelligenten Assistenzsystemen lenkt, soll weniger Motorfahrzeugsteuern zahlen, fordern Experten.

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230 Menschen starben letztes Jahr auf Schweizer Strassen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) und die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) wollen diese Zahl auf höchstens 100 pro Jahr drücken.

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Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) nun finanzielle Anreize vor. Autos mit Sicherheitssystemen wie Notbremsassistenten könnten von einer reduzierten Motorfahrzeugsteuer profitieren, sagt BfU-Sprecher Nicolas Kessler. «Fahrassistenzsysteme weisen ein hohes Schutzpotenzial auf», sagt Kessler. Eine Befragung aus dem letzten Jahr zeige aber, dass nur jeder zehnte diese Systeme gut kenne. Viele seien zudem skeptisch und hätten falsche Vorstellungen von ihrer Funktionsweise.

Bis zu 69 Prozent weniger Unfälle

Gerade junge Erwachsene fürchteten zudem den Verlust des klassischen Fahrgefühls, heisst es in einer von der BfU in Auftrag gegebenen Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Auch gebe es verzerrte Vorstellungen zu den Wirkungen. So meinten viele, dass etwa ein Tempomat das Fahren sicherer mache – dabei sei eher das Gegenteil der Fall. Sinnvolle Assistenzsysteme seien etwa Notbremsassistenten oder Spurhaltesysteme.

Bettina Zahnd, Leiterin der Unfallforschung bei der Axa Versicherung, begrüsst die Idee. Eine Studie der Axa-Unfallforschung habe gezeigt, dass Autos mit Notbremsassistenten zwischen 30 und 69 Prozent weniger Auffahrkollisionen verursachten. ESP, also Systeme, die gezielt einzelne Räder abbremsen, um Schleudern zu verhindern, führten zu rund 47 Prozent weniger Selbst- und Schleuderunfällen. «Die Anzahl getöteter Autoinsassen ist seit Jahren rückläufig. Assistenzsysteme hatten in den letzten zehn Jahren einen grossen Anteil daran», sagt Zahnd.

«Wer sich schützt, sollte belohnt werden»

Von einer sinnvollen Idee spricht auch Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. In Zukunft würden die Assistenzsysteme noch intelligenter. «Wir bewegen uns Stück für Stück ins autonome Fahren. Das wird die Unfallstatistik weiter verbessern.»

Es sei sinnvoll, etwa über Steuern eine Motivation für den Besitz von sicheren Autos zu schaffen. «Die sozialen Kosten für Unfälle sind sehr hoch. Wer sich davor schützt, sollte belohnt werden.» Es werde immer Assistenzsysteme geben, die von verschiedenen Lobbygruppen als unterschiedlich sicher angesehen würden. Alle Systeme entwickelten sich aber weiter: «Tempomaten, die nur die Geschwindigkeit regeln, sind etwa schon bald Vergangenheit. Die neuen Systeme koppeln ihre Funktion an den Abstand zum vorherfahrenden Fahrzeug und leiten wenn nötig sogar eine Bremsung ein», sagt Dudenhöffer.

Gesetze aus dem Jahr 1969

Von den Systemen überzeugt ist auch die Europäische Transport-Sicherheitsbehörde ETSC, der auch die Schweiz angehört. In einem Bericht vom Juli spricht sie sich dafür aus, alle neuen Autos mit Notbremsassistenten auszustatten. Diese erkennen etwa Fussgänger oder Velofahrer und leiten im Notfall eine Bremsung ein. Eine entsprechende Verordnung der EU wird zurzeit überarbeitet.

In der Schweiz sind die Assistenzsysteme noch nicht in der Gesetzgebung angekommen. Im Kanton Aargau etwa «stammt das Strassengesetz aus dem Jahr 1969 und kennt keine solchen Reduktionen», wie eine Sprecherin sagt.

Verhältnismässig sichere Strassen

Im europäischen Vergleich sind die Schweizer Strassen verhältnismässig sicher. Im letzten Jahr starben 27 Menschen pro eine Million Einwohner auf den Strassen. Tiefer waren die Werte gemäss einem neuen ETSC-Bericht nur in Schweden mit 25 und Norwegen mit 20 Toten pro Million Einwohner. Gegenüber dem Jahr 2010 ist die Zahl im Vergleich zur Bevölkerung um 36 Prozent zurückgegangen.

Die BfU befürchtet, dass das Bewusstsein der Politik für die Verkehrssicherheit nachlässt, wie sie in ihrem Jahresbericht schreibt. In der Bevölkerung nehme zudem die Zustimmung zu einzelnen Massnahmen wie Tempolimiten ausserorts und auf Autobahnen ab. Um die angepeilte Reduktion der Verkehrstoten zu erreichen, sei die «konsequente Umsetzung der Massnahmen von Via Sicura und die Weiterführung von Präventionsmassnahmen vonnöten», sagt BfU-Sprecher Nicolas Kessler.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Igel am 27.07.2018 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber eben

    Wenn weniger mit Händy am Steuer beim Fahren herumhändeln würden, wäre die Unfallstatistik noch tiefer.

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  • Juso Gruss am 27.07.2018 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Supersoziale Idee

    Wieder so eine assoziale Idee. Wer Kohle für ein neues Auto hat bekommt Steuererleichterung, wer als Familie zu wenig Geld hat soll dafür mehr Steuern bezahlen. Die wenigsten fahren plauschhalber mit alten Karren herum.

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  • Fabio am 27.07.2018 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Autos

    Autos mit vielen technischen Helfern im Auto können sich viele gar nicht leisten, Und die welche es sich leisten können, die sollen danach weniger Steuern zahlen? Finde ich nicht fair.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rbuechch18 am 27.07.2018 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz . Dann schon eher

    Alle Lärmklappenauspuffe wegen übermässigem Lärm herumfahren mit 2'800.-- pro Jahr zu besteuern.

  • Jost am 27.07.2018 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    quatsch

    Viele kompensieren die gewonnene Sicherheit mit Rücksichtsloserer Fahrweise

  • Daniel am 27.07.2018 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Technik

    Ich bin mit Autos ohne vierlefanz aufgewachsen. Die heutige Technik unterstützt, ganz klar. Doch finde ich, sollte jeder Fahrschüler die Prüfung machen müssen, ohne das geschmäus. Weil dann man wirklich ein Auto fahren. Ohne Technik lernen ist schwerer, doch wenn es drauf an kommt, dann hat man auf ewiges einen Vorteil.

  • Martial2 am 27.07.2018 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autofahren ist eine ernsthafte Sache

    Bei schweizer Autofahrer/innen fehlt eindeutig die Konzentration. Man kann noch so viel Technik in Fahrzeuge einbauen! Wenn der Mensch am Steuer nicht bei der Sache ist, nutzt alles nichts. Aufhören mit Handys am Ohr, SMS senden, essen und trinken. Man ist auf der Strasse nicht auf dem Sofa!!

  • H. Lange am 27.07.2018 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehe ich anders

    Finde das völlig daneben. Ich fahre seit 39 Jahren Auto. Pro Jahr in diesen 39 Jahren bin ich bis heute im Durchschnitt zwischen 50 Tsd und 120 Tsd km pro Jahr gefahren. Also es sind über 2 Mio Km ohne einen Unfall. Gehe regelmässig in ein Training. Fürs Auto wie auch Töff. Verkaufe meine Fahrzeuge nach heute nach ca. 6-8 Jahren . Kaufe auch keine ganz neuen Fahrzeuge mehr. Verlust zu gross. Warum soll Mann immer neue Autos haben? Ich versuche von Jahr zu Jahr weniger zu fahren. Sehe aber nicht ein jeden Schnickschnack haben zu wollen. Kostet nur viel bei Schäden. Einfachheit ist die Lösung.