Tamedia-Umfrage

24. April 2019 00:00; Akt: 24.04.2019 00:00 Print

Steuerreform punktet dank AHV-Batzen

Mit der Steuerreform erhält auch die AHV zwei Milliarden mehr pro Jahr. Die Vorlage zieht bei den Älteren, während viele Junge noch unentschlossen sind.

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Bei der Steuerreform sind die Befürworter auf Kurs. Einen Monat vor der Abstimmung wollen weiterhin 62 Prozent der Stimmberechtigten der komplexen Vorlage zustimmen. Das zeigt die Tamedia-Umfrage. 32 Prozent wollen ein Nein in die Urne legen, während 6 Prozent keine Angaben zu ihren Stimmabsichten machten. Verschiebungen bis zum Abstimmungssonntag bleiben möglich: Der hohe Anteil von «Eher Ja»-Antworten deutet darauf hin, dass die Meinungsbildung noch nicht ganz abgeschlossen ist.

Die Vorlage sieht neben der Abschaffung der Steuerprivilegien für Statusgesellschaften vor, dass die AHV jährlich zwei Milliarden Franken mehr erhält. Die Zustimmung steigt denn auch mit dem Alter markant an. Bei den 18- bis 34-Jährigen sind viele Stimmberechtigte noch unentschlossen. Derzeit wollen 56 Prozent sicher oder eher Ja sagen. Bei den über 65-Jährigen sind es schon 68 Prozent.

Sichere Renten als Argument

Nachdem die Unternehmenssteuerreform III im Februar 2017 an der Urne noch abgestürzt war, wurde die Steuerreform mit der AHV-Finanzierung verknüpft. Das dürfte gemäss der Umfrage den Befürwortern in die Karten spielen: So ist für viele Ja-Stimmende das wichtigste Argument, dass die Vorlage einen substanziellen Beitrag zur Sicherung der Renten leiste.

Sorgen bereiten diese Resultate GLP-Vize Pascal Vuichard, der gegen den «AHV-Steuer-Kuhhandel» kämpft: «Der AHV-Zustupf scheint zu verfangen. Obschon damit noch mehr Probleme geschaffen werden. Die zwei AHV-Milliarden gingen voll zulasten der Jungen.» Gleichzeitig werde eine strukturelle, inhaltliche Reform erschwert. «Die AHV ist durch die demografische Entwicklung ein Fass ohne Boden. Es bringt nichts, immer mehr Geld hineinzupumpen, ohne dass das System reformiert wird.» Dies müsse man in den kommenden Wochen noch deutlicher sagen.

«Die Leute sind nicht dumm»

SP-Fraktionschef Roger Nordmann sagt dagegen: «Die Leute sind nicht dumm. Die Umfrage zeigt, dass die Leute Lösungen wollen. Und diese Vorlage löst gleich zwei Probleme.» Die zwei Milliarden für die AHV seien nötig als Ausgleich für die Steuersenkungen. Mit der AHV-Finanzierung sei fast die Hälfte der Mehrkosten gedeckt, die durch die Pensionierung der geburtenstarken «Babyboomer-Generation» entstünden. «Das ist ein wichtiger Schritt zur Sanierung. Die GLP ist jedoch von der Idee besessen, das Rentenalter zu erhöhen.»

Wie die Umfrage weiter zeigt, stimmen derzeit die Wähler der grösseren Parteien der Vorlage mehrheitlich zu. Noch die grösste Skepsis herrscht bei den Anhängern der Polparteien vor, die auch keine Ja-Parole herausgegeben haben. Derzeit wollen 51 Prozent der SVP-Wähler und 53 Prozent der Grünen-Wähler ein Ja auf den Stimmzettel schreiben. Auf grosse Zustimmung stösst die Steuerreform dagegen bei den Wählern der Freisinnigen: 75 Prozent befürworten sie derzeit.

Zur Umfrage

10'815 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 16. und 17. April online an der zweiten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zu den eidgenössischen Vorlagen vom 19. Mai teilgenommen. Die Befragungen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,7 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibts hier.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Augenwischer am 24.04.2019 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverschämte Augenwischerei

    Weniger Steuern von den Firmen. Dafür mehr Geld für die AHV. Das macht 2 mal Minus in meinem Portemonnaie, oder seit wann hat "der Bund" selber Geld, ohne meine Steuern und meine Abgaben? Was für eine unverschämte Augenwischerei sogar seitens der SP!

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  • Peter Müller am 24.04.2019 02:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fauler Kompromiss

    einmal mehr Sand in die Augen des Stimmbürgers gestreut. Wenn man weiss, dass in Bern nach einer verlorenen Kampfflugzeuabstimmung die Abteilungsleiter zum Chef gerufen werden um zu beraten wie man den nun die Milliarden ausgeben soll, dann zeigt das deutlich dass die Mittel für die AHV sehr wohl vorhanden wären.

  • Tanja Weiss am 24.04.2019 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei

    Die FDP-Mitglieder stehen geschlossen hinter diesem "Kuhhandel". Nur schon aus diesem Grund wäre es grundsätzlich abzulehnen. Alles, was von ihnen kommt, dient ausschliesslich der Wirtschaft und nicht uns Bürger.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Realist und aufmerksamer Beobachter am 25.04.2019 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Korrupte Antischweizer Politiker in Bern

    Wie wäre es, wenn man die 1.3 Milliarden nicht der EU als Erpressergeld zusenden, sondern in die AHV-Kasse überweisen würde. Oh, da habe ich vergessen, dass die korrupten Politiker und EU-Turbos ja nicht für das eigene Volk da sind. Das Volk interessiert nur bei Wahlen und Abstimmungen und die muss man über den Rahmenvertrag schleunigst ad absurdum führen. Wann merken denn das die Leute endlich.

  • Verärgerter Stimmbürger am 25.04.2019 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Spiel

    Ist doch wie üblich. Die Staatspropaganda wirkt wieder. Nicht mal Youtube ist man verschont. Dabei ist das schon sehr fraglich, wenn man zwei Sachgeschäfte verbindet. Mehrmals gescheitert, interessiert nicht, also dann halt zur Strafe für das Volk, genau so viele male abstimmen, bis man genügend manipuliert hat und es dem Rest verleidet. Da wundert man sich über die Demotivation beim Souverän, was denn die Clique in Bern erfreut.

  • Felix am 25.04.2019 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kulturrevolution Teil II

    Nein zum EU Waffengesetz. Sonst ist wegen Art. 17, welches einer EU Kommission die Alleinherrschaft über unser Waffengesetz übergibt, die über 200 Jährige Schiesstradition Geschichte. Bei einem Ja würden einige Politiker und Beführworter sehr unrühmlich in die Geschichtsbücher eingehen und hätten 175'000 Ex-Schützen die ziemlich sauer auf die sind.

  • Gruss aus Bern am 25.04.2019 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Speck fängt man Mäuse,

    zumindest nicht ganz so helle ... Nein zum "Kombi-Päckli" wie zur EU-Waffenrichtlinie, so leicht lass ich mich in keine Falle locken, dazu habe ich schon etwas zu viele Jährchen auf dem Buckel :)

  • Spider5 am 25.04.2019 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alter Knacker

    Das eine solche Abstimmung überhaupt zugelassen wird, ist schon eine Schweinerei. Haben sich die über 60 jährigen überhaupt informiert, was dies bei einer Annahme für Konsequenzen haben wird? Vermute eher, dass diese nur noch im Sinne ihrer Partei und deren Geschwafel abstimmen. Darum ist es sehr wichtig, dass auch ihr Jungen, oder Jüngeren abstimmt. Es ist schliesslich Eure Zukunft.