Keine Entschädigung

15. Mai 2012 12:00; Akt: 15.05.2012 17:07 Print

Steve Lees Tod war «normales Betriebsrisiko»

Angestellte der Hardrock-Band Gotthard sind vor Bundesgericht abgeblitzt. Sie verlangten nach dem Tod von Steve Lee Kurzarbeitsentschädigung.

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Am 5. Oktober verunglückte Steve Lee tragisch in der Nähe von Las Vegas. Der Gotthard-Frontmann wurde durch ein Motorrad erschlagen. Der Polizeirapport der Nevada Department of Public Safety. «Eines der Motorräder traf den 47-jährigen Fahrer, der als Stefan Alois Lee aus der Schweiz identifiziert wurde. Herr Lee verstarb noch auf der Unfallstelle aufgrund der beim Unfall erlittenen Verletzungen.» Die Unfallstelle: Hier, auf der Interstate 15 südlich von Mesquite Nevada, starb Steve Lee. Der 47-Jährige stand auf dem Pannenstreifen, als ein Lastwagen-Anhänger ein Motorrad erfasste, das Steve Lee traf. Noch sind Spuren des Unfalls zu sehen. Wie dieser Plastiksack. Oder ein abgerissener Riemen. Auch einen Handschuh konnten lokale Journalisten beim Unfallort fotografieren. «Gotthard»-Sänger Steve Lee ist am 6. Oktober 2010 mit seinem Motorrad tödlich verunfallt. Er war - wie hier im April 2009 - mit einer Töffgruppe unterwegs im US-Bundesstaat Nevada, wie es aus seinem Umfeld heisst. Lee hatte bereits im August 2010 einen schweren Unfall, bei dem seine Partnerin Brigitte Voss verletzt wurde. Sechs Autos verkeilten sich damals bei der schweren Auffahrkollision. Der Sänger sprach damals «vom schlimmsten Moment meines Lebens». Steve Lee war seit 1990 der Sänger der Hardrock-Band Gotthard. Die Band begann ihre Karriere 1991 im Tessin unter dem Namen «Krak». Unter der Obhut von Ex-Krokus-Bassist Chris von Rohr beschloss die Band, ihren Namen zu ändern. In der Folge avancierte die Band in den Neunzigerjahren zum Aushängeschild des Schweizer Hardrocks. Es folgten etliche Charterfolge - die mitunter noch zahlreicher wurden, als die Band Ende der Neunziger beschloss, sich mit einem Unplugged-Album als gemässigte Rocker zu präsentieren. Die Jahre 2003 und 2004 waren geprägt von einschneidenden Veränderungen in der Gruppe. Die Band trennte sich von Mentor und Produzent Chris von Rohr, um die vom Produzenten gewünschte Kommerzschiene wieder in Richtung Rock zu verlassen. Während die Band unangefochtene kommerzielle Erfolge feierte, war sie niemals ein Darling der Musikpresse. Zu traditionell war ihr Sound. Steve Lee und seine Partnerin Brigitte Voss waren aber gern gesehene Gäste an Schweizer Promi-Anlässen. Lee galt als freundlicher, beliebter Mensch, der dadurch etliche Schweizer Celebs zu seinen Freunden zählen konnte.

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Zwei Angestellte der Hardrock-Band Gotthard erhalten für die Zeit nach dem Tod von Sänger Steve Lee keine Kurzarbeitsentschädigung. Laut Bundesgericht gelten Arbeitsausfälle von Musikern wegen Krankheit, Tod oder Gefängnisaufenthalten als normales Betriebsrisiko.

Gotthard-Leadsänger Steve Lee war am 5. Oktober 2010 bei einem Verkehrsunfall auf einer Motorradtour in den USA ums Leben gekommen. In der Nähe von Mesquite in Nevada war ein Lastwagen ausser Kontrolle geraten und hatte fünf abgestellte Motorräder durch die Luft geschleudert, wovon eines den Sänger erschlug.

Einkommen zusammengebrochen

Die von der Band gegründete Kollektivgesellschaft, über welche die Geschäfte und die Organisation von Gotthard liefen, ersuchte in der Folge für ihre beiden Mitarbeiter um Kurzarbeitsentschädigung von Dezember 2010 bis Mai 2011. Begründet wurde das Gesuch damit, dass das Einkommen der Firma nach Lees Tod zusammengebrochen sei.

Konzerte hätten abgesagt werden müssen, Sponsoren hätten ihre Leistungen eingestellt und Offerten für die Konzertsaison 2011 seien ausgeblieben. Bis ein würdiger Ersatz für Steve Lee gefunden sei, müsse die Gesellschaft deshalb Kurzarbeit anmelden. Die zuständigen Luzerner Behörden gewährten die Entschädigung.

Eine dagegen erhobene Beschwerde des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) ans kantonale Verwaltungsgericht blieb erfolglos. Das Bundesgericht hat die Beschwerde des SECO nun gutgeheissen und den Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung verneint.

Regelmässige Ausfälle

Nach Ansicht des Gerichts gehört in der Musikbranche ein Arbeitsausfall infolge der Nichtverfügbarkeit von Musikern zum normalen Betriebsrisiko. Arbeitgeber im Musikbusiness müssten sich regelmässig mit der Problematik eines temporären oder dauernden Ausfalls von Bandmitgliedern auseinandersetzen.

Denkbar sei etwa der Entscheid eines Musikers, sich eine Auszeit zu nehmen oder in einer anderen Band zu spielen. Möglich seien aber auch der Antritt eines Gefängnisaufenthalts sowie plötzliche Ereignisse wie eine schwere Krankheit oder eben der Tod.

Im vergangenen November hatte die Tessiner Hardrock-Band Gotthard Nic Mäder als ihren neuen Leadsänger vorgestellt. Der gebürtige Schweizer wurde 1971 in Lausanne geboren und wuchs in der Schweiz und in Australien auf.

(Urteil 2C_137/2011 vom 20.4.2012; BGE- Publikation)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel T. am 15.05.2012 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    So, so...

    Nach Ansicht des Gerichts gehört in der Baubranche ein Arbeitsausfall infolge tiefer Temperaturen und Schnee zum normalen Betriebsrisiko.

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  • roger am 15.05.2012 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    Wenn ich so die Problembeschreibung lese, dann habe ich den Eindruck, dass diese beiden Mitarbeiter eher mehr als weniger zu tun gehabt haben. Denn wenn die Konzertanfragen nicht einfach so reinfliegen, dann muss man sich bemühen. Wenn Sponsoren abspringen muss man neue suchen, etc. Dass das finanziell nicht der Brüller ist, hat mit Kurzarbeit wenig zu tun...

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  • RH aus Z. am 15.05.2012 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Liga

    Tja, die nun publik gewordene Farce der Gotthard-Möchtegern-Rocker-Susis zeigt, dass sie wohl doch kein internationales Format haben. Welcher bekannte Künstler bettelt schon am Rockzipfel von Mutter Staat fürs Nasenwasser?! Bligg würde singen... Entweder Manhattan oder nöd, Manhattan oder nöd...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Renate am 15.05.2012 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    hey gots no

    jeder ist ersetzbar, an Arbeit wird es nicht gemangelt haben. Und jetzt machen die Arbeiter Überstunden und die werden dann mit 30% Zuschlag ausbezahlt???!! Total unsympatisch diese Band.

  • roger am 15.05.2012 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    Wenn ich so die Problembeschreibung lese, dann habe ich den Eindruck, dass diese beiden Mitarbeiter eher mehr als weniger zu tun gehabt haben. Denn wenn die Konzertanfragen nicht einfach so reinfliegen, dann muss man sich bemühen. Wenn Sponsoren abspringen muss man neue suchen, etc. Dass das finanziell nicht der Brüller ist, hat mit Kurzarbeit wenig zu tun...

    • Peter Aebischer am 15.05.2012 17:57 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso Quatsch ?

      Hi Roger du hast offenbar keine Ahnung. Wer soll eine Konzert anfrage tätigen wenn die Band durch einen Todesfall verhindert ist Aufzutreten? Welches Unternehmen sollte eine Band Sponsoren die es zu dieser Zeit nicht mehr gab ?

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  • Musiker am 15.05.2012 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    nur hier

    Sowas gibts nur in der Schweiz, dass ein «Rockstar» stirbt und danach Forderungen nach einer Erwerbsausfallsentschädigung laut werden. Habe mich köstlich amüsiert.

    • Marc am 15.05.2012 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      Echt nur in der Schweiz möglich

      Du hast vollkommen recht, solche Forderungen können nur in der Schweiz jemandem in den Sinn kommen. Nur, wenn ich bedenke, dass dann auch noch mehrere Gerichte Zeit dafür verschwenden mussten, dann ist das eher zum Heulen als amüsant.

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  • Martial Callair am 15.05.2012 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    That's Life!

    Ich habe absolut kein Mitleid mit diesen Musiker. Wenn man Pech hat im Leben, sucht man selbstverständlich nach einer Lösung. Die nicht... zu bequem oder zu faul. Auch die können nach einer Beschäftigung schauen. Jung genug sind sie auch!

    • Johnny Castaway am 15.05.2012 18:32 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht Musiker!

      Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil. Es ging nicht um Musiker von Gotthard, sondern Angestellte der bandeigenen Managementfirma.

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  • Vreni N.aus L. am 15.05.2012 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...Geld zerstört die Freundschaft

    Es schmerzt und hinterlässt ein komisches Gefühl, was da abgeht seit Steve Lees Tod. Zuerst Brigitte Voss, seine Freundin, die nicht wusste wie man sich benimmt. Beschämend wie sie alles Private raushängte und abkassierte. Wenn sie ihn doch so liebte, warum war sie dann noch mit einem andern verheiratet?! Und jetzt das von der Band...das würde ihn traurig machen!