Strafverfahren

10. März 2013 10:53; Akt: 10.03.2013 10:58 Print

Stolpert Dignitas über einen Doppel-Freitod?

Dignitas soll in einem Fall eines Doppel-Freitods aus «selbstsüchtigen Beweggründen» gehandelt haben. Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli wehrt sich.

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Dignitas muss sich gegen Vorwürfe wehren. (Bild: Keystone)

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Die Staatsanwaltschaft hat gegen Sterbehilfeorganisation Dignitas ein Strafverfahren eröffnet. Der Organisation werden selbstsüchtige Beweggründe in Zusammenhang mit einem Doppel-Freitod vorgeworfen. Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli weist die Vorwürfe zurück.

In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagte Minelli, der Verdacht sei «völlig unbegründet». Eine juristische Person wie ein Verein könne gar keine selbstsüchtigen Beweggründe haben. «Das könnte nur eine natürliche Person.»

Die Arbeitsteilung, aber auch die Kontrolle bei Dignitas liessen es jedoch nicht zu, dass ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin aus selbstsüchtigen Motiven handeln könne.

Laut Minelli ist die Eröffnung eines formellen Strafverfahrens «völlig unverständlich». Es gebe keinerlei Anhaltspunkte für selbstsüchtige Beweggründe und keinerlei Anzeichen für eine verdächtige Person.

21'000 Franken für Doppel-Freitod

Im konkreten Fall untersucht die Zürcher Staatsanwaltschaft See/Oberland einen Doppel-Freitod im Jahre 2010. Eine Frau und deren Tochter aus Deutschland waren damals in den Kanton Zürich gereist, um sich von Dignitas in den Suizid begleiten zu lassen. Die Tochter hatte der Organisation kurz zuvor einen Sonder-Mitgliederbeitrag überwiesen.

Im Strafverfahren klärt die Staatsanwaltschaft nun ab, ob der bezahlte Betrag angemessen war oder nicht. Gemäss Strafgesetz kann die Verleitung zum Suizid aus selbstsüchtigen Beweggründen mit Freihheitsstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Laut Minelli hatte Dignitas 10'500 Franken pro Person erhalten, insgesamt also 21'000 Franken für den Doppel-Freitod. Damit decke Dignitas jeweils auch die Kosten für die mehrwöchige Vorbereitung und die Prüfung des Gesuchs durch einen oder mehrere unabhängige Schweizer Ärzte. Bezahlt würden damit zudem die Kosten, die bei der Kremation und der Bestattung sowie bei der Nachbereitung entstehen.

Die Staatsanwaltschaft kenne die Ansätze seit langem. Sie seien in den öffentlich zugänglichen Statuten und Informationsunterlagen verankert. Gemäss den Statuten des Vereins verrechnet Dignitas für eine Freitodbegleitung mindestens 6000 Franken.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K.J. am 11.03.2013 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Freitod

    Ich bin der Meinung, dass jeder selber entscheiden soll, ob und wann er gehen will. Nur weil ich mein Leben geniesse, bedeutet das nicht nicht, dass es für alle so ist. Und wer gibt uns das Recht diesen Menschen dann das Leben aufzuzwingen? Dann bin ich froh gibt es solche Organisationen, in denen das kontrolliert abläuft. Ist ja nicht so, dass ich mich da heute Morgen anmelde und am Nachmittag ist es dann soweit. Genau so wichtig ist es aber, dass solche Vorwürfe immer wieder ernst genommen werden, auch wenn sie 99 Mal haltlos sind, vielleicht stimmt es ja das 100. Mal doch.

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  • Oliver am 12.03.2013 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    wenn alles

    in Ordnung ist, kann kaum jemand verstehen warum jemand sterben will. Aber bei einer unheilbaren Kranheit, wer ist der grössere Abzocker? Die Medizinindustrie,die Aerzte, welche 100000sende von Franken am Lebensunterhalt verdienen oder eine vernünftige Organisation wie Dignitas?

  • Joe L. am 10.03.2013 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suizidmittel

    Waffen wegen Suizid Gefahr verbieten (obwohl erster an 5ter Folger der Suizid Mittel), aber Freitod Institute zulassen. Das kann ich nicht so richtig auseinander halten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Josef am 12.03.2013 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    gegen Dignitas

    Suizide wird es immer geben sei es (Zug Brücke ect.)Aber Tod durch einen Drink sollte verboten werden

  • Oliver am 12.03.2013 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    wenn alles

    in Ordnung ist, kann kaum jemand verstehen warum jemand sterben will. Aber bei einer unheilbaren Kranheit, wer ist der grössere Abzocker? Die Medizinindustrie,die Aerzte, welche 100000sende von Franken am Lebensunterhalt verdienen oder eine vernünftige Organisation wie Dignitas?

  • K.J. am 11.03.2013 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Freitod

    Ich bin der Meinung, dass jeder selber entscheiden soll, ob und wann er gehen will. Nur weil ich mein Leben geniesse, bedeutet das nicht nicht, dass es für alle so ist. Und wer gibt uns das Recht diesen Menschen dann das Leben aufzuzwingen? Dann bin ich froh gibt es solche Organisationen, in denen das kontrolliert abläuft. Ist ja nicht so, dass ich mich da heute Morgen anmelde und am Nachmittag ist es dann soweit. Genau so wichtig ist es aber, dass solche Vorwürfe immer wieder ernst genommen werden, auch wenn sie 99 Mal haltlos sind, vielleicht stimmt es ja das 100. Mal doch.

    • Liam am 11.03.2013 07:21 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Tourismus

      @K.J. Ich bin ihrer Meinung. Einzig der Sterbetourismus, gerade sehr oft von unseren nördlichen Nachbarn, gilt es Einhalt zu bieten.

    • Turis am 12.03.2013 04:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Freiheit

      @Liam Warum sollen wir den Sterbeturismus eindämmen? Deutsche sind auch menschen. wenn Deutschland noch nich so weit ist, sollen doch die menschen in die ch kommen. kein Problem. Kritiker gibt hüben wie drüben. das soll uns nicht stören.

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  • mario am 10.03.2013 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    exit

    ich finde es nur kommisch das dignitas immer wieder in die schlagzeilen kommt und man von der organisation EXIT nie was hört könnte sein das die das evt. etwas seriöser und diskreter machen

    • Querdenker am 12.03.2013 04:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      könnte sein ....?

      könnte es sein das jemand dignitas oder minelli auf der latte hat?

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  • Joe L. am 10.03.2013 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suizidmittel

    Waffen wegen Suizid Gefahr verbieten (obwohl erster an 5ter Folger der Suizid Mittel), aber Freitod Institute zulassen. Das kann ich nicht so richtig auseinander halten.