Verbot geplant

12. Juli 2015 14:43; Akt: 12.07.2015 17:40 Print

Streit um Abtreibung aufgrund des Geschlechts

Der Bundesrat will per Gesetz verhindern, dass Frauen aufgrund des Geschlechts abtreiben. Linke Politikerinnen sind dagegen.

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Soll eine Frau auch aufgrund des Geschlechts des Embryos abtreiben dürfen? (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Der Fortschritt bei Gentests sorgt für eine neue Abtreibungsdiskussion. Bluttests ermöglichen es, das Geschlecht des Embryos innerhalb der Frist für eine legale Abtreibung festzustellen – also vor der 12. Woche. Der Bundesrat will Ärzten verbieten, den Eltern das Geschlecht des Embryos so früh mitzuteilen, schreibt die «NZZ am Sonntag». SP-Ständerätin Pascale Bruderer hat diese gesetzliche Anpassung mit einer Motion angeregt. Gegen das Verbot wehren sich linke Politikerinnen, allen voran die Frauenrechtlerin Anne-Marie Rey, Initiantin der geltenden Fristenregelung. «Damit wird erstmals seit 2002 wieder zwischen gerechtfertigten und ungerechtfertigten Schwangerschaftsabbrüchen unterschieden», sagt sie der «NZZ am Sonntag».

Rey befürchtet, dass dies die Diskussion um Abtreibungen wieder neu lancieren wird. «Zuerst geht es um Geschlechterselektion, dann folgt das Down-Syndrom, dann irgendetwas anderes.» Der Entscheid über einen Schwangerschaftsabbruch müsse darum in den ersten zwölf Wochen alleine bei der Frau bleiben, auch wenn einem gewisse Folgen nicht gefielen. Ähnlich äussern sich auch die Stiftung Sexuelle Gesundheit, die von der Grünen Nationalrätin Yvonne Gilli präsidiert wird, und die Allianz Gentechfrei von Nationalrätin Maya Graf (Grüne). Beim Recht auf Selbstbestimmung dürfe es keine Ausnahmen geben.

Unter Schweizer Frauen kein Thema

Bisher war die Frage des Geschlechtes bei der Fristenregelung, gemäss der eine Abtreibung in den ersten drei Monaten auch ohne medizinische Gründe erlaubt ist, kein Thema. Das Geschlecht ist bei Ultraschalluntersuchungen erst ab der 13. Woche erkennbar. Neue medizinische Methoden, mit denen genetische Fehlbildungen nachgewiesen werden können, ermöglichen es aber, auch das Geschlecht früher festzustellen.

Aus China oder Indien ist bekannt, dass weibliche Embryos abgetrieben werden, weil sie als Armutsrisiko gelten. Der Bundesrat will ein solches Vorgehen von Anfang an verhindern. Im Gesetz über genetische Untersuchungen am Menschen soll Ärzten verboten werden, den Eltern das Geschlecht vor der 12. Schwangerschaftswoche mitzuteilen.

Unter Schweizer Frauen sei aber eine Abtreibung aufgrund des Geschlechts schlicht kein Thema, so Yvonne Gilli. Für sie ist ein Verbot deshalb der falsche Weg. Aufklärung und Sensibilisierung seien wichtiger.

(ij)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maria am 12.07.2015 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Es ist schon schlimm, dass man ein Leben auslöschen will, nur weil einen das Geschlecht nicht zusagt. Jetzt haben wir die Folgen von den zugelassenen Gentests. Wie kann eine Mutter sich sowas wünschen in unserer Kultur?????

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  • Doni am 12.07.2015 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Also unterstützen die Frauenrechterinnen die Sitte, weibliche Föten in die Tonne zu werfen?

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  • Snake Dundee$ am 12.07.2015 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Haha

    Diese Hardcore Feministinen wollen, dass Frauen wegen dem Geschlecht abtreiben können und welches Geschlecht wird in Ländern wo das normal ist nochmal am meisten abgtrieben? Genau, das Mädchen! Also wollen Frauen, dass Frauen, Frauen verhindern und es einen Männerüberschuss gibt, so wie in China! Weibliches Konkurenzdenken?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Denk Nach am 13.07.2015 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Tötung

    Ein ungeborenes Wesen, welches nicht selbständig Leben kann, wird nicht getötet, sondern nur in der weiteren Zellteilung gestört. Es hat kein bewusstes Leben!

  • david am 13.07.2015 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    medizinisch nicht wichtig

    selber Entscheiden, aber selber Zahlen.

  • rational am 13.07.2015 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    ist in der schweiz kein thema

    also mal ehrlich, wieviele leute kennt ihr, die so was überhaupt in erwägung ziehen würden? also ich keinen, weder männer noch frauen! ausnahmslos alle menschen die ich kenne haben sich einfach gefreut wenn es ein gesundes baby gab. wetten, es betrifft weniger als 1% der schwangerschaften hierzulande, wo das geschlecht tatsächlich zu einer abtreibung führen würde. und solche leute sollten dann wirklich besser kein kind kriegen. ist wieder nur viel lärm um (fast) nichts. wir haben grössere probleme.

  • Bürger-Vater-Ehemann am 13.07.2015 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbestimmung und Toleranz

    Wer gibt einem Menschen das Recht, über das Schicksal und die Beweggründe eines anderen Menschen zu entscheiden?!!! Jeder Mensch und hier vor allem jede Frau oder jedes Paar muss damit selbst fertig werden!! Oder helfen einem die Leute, die Verbote aussprechen oder hier gross lamentieren, später?! Nein!!! Es ist also jeder Frau und jedem Paar selbst überlassen zu entscheiden und nicht jemand anderst, auch nicht der Staat!!! Oder sind wir bereits wieder in Richtung Mittelalter unterwegs?

  • eine mutter am 13.07.2015 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hilfe

    ich bin entsetzt, habe einen jungen und ein mädchen und und weiss nicht genau was diese diskusionnen soll. der junge ist lieber im haus kocht, bäckt und malt gerne und die kleine lieber drausen traktorfahren und im stall helfen.... man kann dich nicht anhand des geschlechts den charakter der kinder bestimmen. ich finde es eigentlich, in der heutigen zeit, fast unmöglich ungewollt schwanger zu werden, es gibt soviel möglichkeiten zu verhüten. und diejenigen die sich entschliessen ein kind zu kriegen denen sollte es egal sein ob junge oder mädchen, und sonst sollen sie keine kriegen.