Grossveranstaltungen

16. Mai 2019 10:40; Akt: 16.05.2019 10:46 Print

Die SBB lässt im Sommer 1900 Extrazüge rollen

von S. Strittmatter - Die SBB hat mit 1900 Extrazügen den strengsten Sommer seit der Expo.02 vor sich. Der Saisonauftakt mit dem Metallica-Konzert ist geglückt.

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Die SBB steuert auf ein Rekordjahr zu: 2019 setzen die Schweizerischen Bundesbahnen 1900 Extrazüge ein, um die Besucherströme zu den Grossevents – Turnfest, Zürifest, Fête des Vignerons und Schwingfest – zu bewältigen. Eine grössere Belastungsprobe gab es in der 117-jährigen Geschichte der SBB lediglich im Jahr 2002, als im Dreiseenland die Landesausstellung Expo.02 stattfand. Das Konzert von Metallica im Letzigrund-Stadion läutete letzten Freitag den Event-Sommer ein. Von den rund 45'000 Konzertbesuchern war rund die Hälfte mit der SBB angereist. Es waren fünf Extrazüge im Einsatz und bestehende Linien wurden mit Zusatzwagen verstärkt. In den Extrazügen auf dem Hinweg bekamen die Kunden eine Goodie-Bag. An den neuralgischen Haltestellen der SBB und des ZVV waren Hinweisschilder aufgestellt. Weil die Fans gestaffelt anreisten – manche liessen die Vorbands aus – hielt sich der Andrang am Bahnhof Altstetten in Grenzen. Die SBB versuchte mittels Anzeigen, die Konzertbesucher auf die Extrazüge zu lenken, um die regulären Feierabendzüge zu entlasten. In einem SBB-Schulungsraum am Zürcher Hauptbahnhof fand ein Briefing statt für die Kundenbetreuer, die die Besucherströme zu den richtigen Zügen und S-Bahnen leiten sollten. Michael Studer (links) arbeitet in der Eventplanung der SBB. Am Freitag leitete er ein Team von 13 Kundenbetreuern – Mitarbeiter der SBB aus den verschiedensten Berufsgattungen, die sich freiwillig zu diesem Einsatz gemeldet hatten. Die Helfer wurden mit Funkgeräten ... ... und gelben Westen ausgestattet. Nach dem Konzert kamen die Fans unter anderem mit Extratrams an den Hauptbahnhof. Es wurde eine provisorische Haltestelle in Gleisnähe eingerichtet. Weil sich die Reisenden schnell auf die bereitstehenden Züge verteilten, kam es auch hier zu keinem merklichen Andrang. Kundenhelfer erteilten in der Bahnhofshalle Fahrplanauskünfte ... ... und sorgten so für einen reibungslosen Ablauf.

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Die SBB steuert auf ein Rekordjahr zu: 2019 setzen die Schweizerischen Bundesbahnen 1900 Extrazüge ein, um die Besucherströme zu den Grossevents – Turnfest, Zürifest, Fête des Vignerons und Schwingfest – zu bewältigen (siehe Box). Eine grössere Belastungsprobe gab es in der 117-jährigen Geschichte der SBB lediglich im Jahr 2002, als im Dreiseenland die Landesausstellung Expo.02 stattfand.

Hinter dem Grossaufgebot steckt ein planerischer Kraftakt, wie Christian Zingg, Angebotsplaner Eventverkehr der SBB, erklärt: «Die SBB führt eine Eventdatenbank mit jährlich 1200 Events, um die Übersicht zu behalten und die interne Koordination und Organisation sicherzustellen.» Für rund 180 Events seien dieses Jahr Zugverstärkungen und Extrazüge nötig.

Zwei bis drei Jahre Planung

Für die jeweilige Planung setzt sich die SBB mit den Veranstaltern zusammen. Bei Metallica etwa, die mit ihrem Konzert im Letzigrund-Stadion letzten Freitag den Event-Sommer einläuteten, konnten aufrund der Ticketvorverkäufe die zu erwartenden Besucherströme auf die Regionen heruntergebrochen werden – und zwar sehr detailliert: So rechnete die SBB beispielsweise mit 1221 Konzertgängern aus Basel, 697 aus Bern und 154 aus dem Tessin.

Aufgrund dieser Daten werden Extrazüge bestellt und Personal aufgeboten. «Bei den grössten Veranstaltungen beginnt die Planung zwei bis drei Jahre im Voraus», sagt Zingg. Bei «normalen Events» wie Grosskonzerten oder Openairs reiche für die Planung ein halbes Jahr.

Sommerbaustellen als zusätzliche Herausforderung

Auch wenn am Freitag das Stadion-Konzert von Metallica mit dem Auftritt von Enrique Iglesias im Hallenstadion kollidierte, sei die Herausforderung überschaubar gewesen, sagt Zingg. Das liege daran, dass in urbanen Gebieten das ÖV-Netz bereits sehr stark ausgebaut sei. Deutlich aufwendiger werde die Planung jedoch bei Grossevents in ländlichen Gebieten.

Solche Kumulationen von Events seien keine Seltenheit, wie Zingg sagt: «Am 15./16. Juni etwa finden gleichzeitig das Turnfest Aarau, der Frauenlauf Bern, das Greenfield Interlaken, die Art Basel und zahlreiche kleinere Events wie Jodlerfest, Slow-up, Kantonalmusikfest und Gesangsfest statt.» Hinzu kämen Sommerbaustellen, die den Betrieb am Wochenende und nachts beeinflussen können.

Ans Limit stosse die SBB aber noch nicht: «Bisher ist es uns gelungen, allen Bedürfnissen Rechnung zu tragen», meint Zingg. Hier komme den Bahnbetrieben auch der Markt entgegen: «Eine zu starke Ballung von Grossevents ist für deren Organisatoren nicht interessant, weil diese sich sonst gegenseitig das Publikum streitig machen würden.»

Minutiöser Plan

Wie die Planung vor Ort abläuft, weiss Michael Studer. Er ist bei der Eventplanung der SBB die Schnittstelle zu den so genannten Kundenbetreuern, die an den Bahnhöfen und Haltestellen die Besucherströme zu den Zügen und S-Bahnen leiten. Am letzten Freitag leitete er ein Team von 13 Kundenbetreuern – Mitarbeiter der SBB aus den verschiedensten Berufsgattungen, die sich freiwillig zu diesem Einsatz gemeldet hatten.

Im Briefingraum am Zürcher Hauptbahnhof glich Studer die Notfallnummern ab, verteilte Funkgeräte und Westen und bestimmte die Standorte der Kundenbetreuer am Hauptbahnhof und am Bahnhof Altstetten. Dann kam die Meldung, dass der minutiöse Plan eine Änderung erfährt: Metallica hatten ihren Auftritt überpünktlich begonnen, das Ende der Veranstaltung rückte damit eine Viertelstunde nach vorne.

Extrazüge und verstärkte Regelverbindungen

Für Studer und seine Mitarbeiter spielt die Art des Anlasses eine untergeordnete Rolle, wie er sagt. Egal ob Sportanlass, Jodlerfest oder Heavy-Metal-Konzert – die Planung sei im Grunde immer die gleiche: «Es geht um Menschen, und es geht um Züge.» Entscheidender sei die Dauer einer Veranstaltung. Bei einem Konzert sei der Moment der An- und Abreise sehr eng begrenzt und deshalb leichter zu handhaben als etwa bei einem mehrtägigen Stadtfest.

Von den rund 45'000 Konzertbesuchern am Freitagabend beim Metallica-Konzert war rund die Hälfte mit der SBB angereist, die übrigen wohnten im Raum Zürich oder versuchten ihr Glück mit dem PW. Doch die Fans verteilten sich nach dem Konzert schnell auf die fünf Extrazüge und die verstärkten Regelverbindungen. Bewährt hatte sich auch das neue Konzept, wonach die Fernreisezüge neu in Altstetten halten und die Besucher nicht per Tram zum Hauptbahnhof gelangen müssen. Kurz vor Mitternacht zog Michael Studer eine erste Bilanz: «Es läuft alles nach Plan.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Metallica-Fan am 16.05.2019 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ich war am Konzert

    Schön! Ich finds schön, dass man doch noch was vom Metallica-Konzert hier liest. Auch wenn es nur eine Nebensache ist. Fand es schade, dass es keinen Bericht dazu gab!

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  • George Best am 16.05.2019 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am alle Meckerer

    Was seit Ihr verwöhnt?! geht mal nach Südamerika z.B. ganz andere Verhältnisse. Aber nirgends wird so gemeckert wie hier? Unsere ÖV sind top,top,top! Und kommt mir nicht mit dem Preis. Im Verhältnis zu unserem Lohn absolut ok. Vergleicht mit dem Auto und nehmt pro Kilometer 0.70.-, nur dann ist alles gerechnet. Macht die Rechnung!

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  • Geruhsamer am 16.05.2019 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nonstop action

    Der Festhüttensommer CH ist eröffnet. Und dann wird geklagt, man sei überarbeitet und brauche mehr Ferien. Mal ein ruhiger Tag im Wald ist nicht mehr en vogue. Mir egal, bin pensioniert und geniesse an solchen Stress-Fest-Tagen meine Terrasse - mit einem erfrischenden Drink und einem interessanten Buch. Erholung pur.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lokführer SBB am 17.05.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Dank uns Lokführern.....

    Danke liebe SBB. Jedes Jahr diese Mehrleistungen, die nur dadurch gefahren werden können, weil Lokführer wie ich die Freizeit opfern, Familien vernachlässigen damit unsere Kunden nichts vom akuten Personalmangel mitbekommen. Bald im 2 tages-Rythmus kommen SMS, Anrufe oder Mails von den verzweifelten Einteilern.....es reicht. Aber davon liesst man ja nie etwas, Herr Meyer müsste ja mal ein Problem zugeben. Aber er hat ja seine Freizeit. Natürlich ist die Situation bei Zugbegleitern, Fahrdienstleitern, im Unterhalt auch sehr angespannt.....nehmt das zur Kentniss liebe Reisende

    • Thom am 17.05.2019 10:21 Report Diesen Beitrag melden

      Danke für den Einsatz

      Das nehmen wir zur Kenntnis und hoffen sehr, dass ihre Worte auch in den Ohren eures viel zu hoch bezahlten Chefs klingeln werden. Auf alle Fälle schätze ich Ihre Arbeit bei der SBB sehr.

    • Andy Honegger am 17.05.2019 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lokführer SBB

      Es gibt durchaus auch nicht-bähnler, welche von diesen Zuständen Kenntnis haben - ich gehöre dazu. Die SBB bräuchte überall mehr Personal und es gibt in vielen passenden Branchen genügend Arbeitslose. Aber das Bahnticket darf auch nichts kosten, denn Geiz ist geil.

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  • Margrit Aegerter am 17.05.2019 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Züge statt alte

    Bitte nehmt dafür die neuen Pannenzüge statt die bewährten und ruhigen Wagons... so sind die neuen Züge schneller abgenutzt... Warum muss eigentlich die verantwortliche Garde des Fehlkaufs nicht Verantwortung übernehmen und mindestens einer kassiert weiterhin Lohn und Spesen von über einer Million? Sonst gefällt ihm die Arbeit ja nicht...

  • Doloming am 17.05.2019 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Züge...

    Als man noch die Fenster herunter schieben konnte fehlen mir. Daher iat das erste bild nicht mehr so realistisch.

  • Willy am 17.05.2019 01:59 Report Diesen Beitrag melden

    Da wird sicher altes Eisen rollen

    Der Bomabrier-Flopp wird sich noch hinziehen.

  • Werns am 16.05.2019 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Bin etwa einmal pro Jahr

    etwa für einen Ausflug ins Tessin SBB Kunde, und bisher war alles freundlich und perfekt. Man kann natürlich mit etwas gutem Willen alles schlechtreden, aber besser machen eher nicht...

    • Loris G. am 17.05.2019 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werns

      Das nächste Mal setzen sie einen Bombardier Zug ein. Ich würde den TI-Besuch auf 2021 verschieben.

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