Begeisterung und Kritik

01. September 2015 10:09; Akt: 01.09.2015 10:29 Print

Superstar aus China rockte das Jungfraujoch

Wenn sie singt, werden Millionen schwach – und Millionen locker gemacht. Eine Schweizer Uhrenmarke liess Superstar G.E.M. auf 3466 Meter über Meer auftreten.

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Die 24-jährige Chinesin Gloria Tang Tsz-kei aus Hong Kong, besser bekannt unter ihrem Popstar-Pseudonym G.E.M., ist in ihrer Heimat – und weit darüber hinaus – ein Superstar. Seit ihrem Debüt-Album «G.E.M.» (für «Get Everybody Moving») aus dem Jahr 2008 schaffte es fast jede ihrer Singles auf Platz 1 der Charts. Ihre drei Studio-Alben ebenfalls.

Am Montag Mittag trat G.E.M. auf dem Jungfraujoch auf. Normalerweise füllt sie Stadien – vor dem Schweizer Alpenpanorama war es 200 Fans vergönnt, die Sängerin hautnah zu erleben. Organisiert wurde die Show von der Schweizer Uhrenmarke Tag Heuer. G.E.M. ist ihre «chinesische Botschafterin», wie die Firma aus La Chaux-de-Fonds, die im Besitz der französischen Luxus-Konglomerats LVMH ist, mitteilt.

«Ein Event zu Ehren unserer chinesischen Freunde»

G.E.M. gab ihre aktuellen Hits «Someday I'll Fly», «Intoxicated» und «Heartbeat» zum Besten. Zumindest optisch geriet der Anlass der jungen Sängerin zum Clash of Cultures: Asia-Pop-Ikone trifft auf Alpenfirn, Schneebühne, Berner Sennenhunde und Alphornbläser. G.E.M., vermeldet die Uhrenfirma, «hatte gar die Gelegenheit, von Herrn Bivers eigenem Käse zu probieren» – Jean-Claude Biver ist der CEO von Tag Heuer.

Der Chef gab ein Statement zur schweizerisch-chinesischen Freundschaft ab, die seine Firma auf 3466 Metern über Meer zur Schau stellte: «Es ist uns gelungen, ein ausgefallenes Event auf die Bühne zu bringen ... unsere chinesischen Freunde werden es lange Zeit in Erinnerung behalten – es ist ein Event zu Ehren unserer chinesischen Freunde, und es zeigt die Freundschaft zwischen unseren zwei Ländern.»

Kommerz und Kritik

Um sich ein Bild davon zu machen, wie beliebt G.E.M. im Land der Mitte ist, sei die Kampagne für die «Dove»-Schokolade der US-Firma Mars Inc. erwähnt: Nachdem die Sängerin am 13. Mai 2014 in einen dreiminütigen Schoggi-Spot zusammen mit dem südkoreanischen Schauspieler Kim Soo-hyun zu sehen war, verkaufte sich der Riegel über 10 Millionen Mal – nach nur drei Tagen. Verständlich, dass der Schweizer Uhrenhersteller hofft, die «chinesischen Freunde» mögen das Spektakel nicht so schnell vergessen.

Doch das Beschwören der Freundschaft zwischen den zwei Ländern an dem Ort, der jährlich von 700'000 Touristen aus aller Welt besucht wird, stösst auch auf Kritik. Oliver Classen, Sprecher der Erklärung von Bern: «Wenn nach den jüngsten Umweltkatastrophen und Menschenrechtsverletzungen einer der Schweizer Symbolberge für diesen Marketing-Gag freigegeben wird, wirft das ein schräges Licht auf eine Schweizer Standortpolitik, der Export- und Tourismusförderung offenkundig wichtiger sind als die Wahrung elementarer Menschenrechte.»

G.E.M. in ihrem Video zum Song «Oh Boy»:

(gbr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco S. am 01.09.2015 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung von Bern- schlechter Scherz?

    Ach die Erklärung von Bern hat noch nichts nachhaltiges geschaffen geschweige den ernst zu nehmende Arbeitsplätze. Ich weiss jetzt nicht wievielen Menschen TAG Heuer in der Schweiz eine Arbeitsstelle gibt, dann sollen diese doch auch in der Schweiz werben können oder so eine Veranstaltung organisieren. Keine Ahnung weshalb die Erklärung von Bern hier befragt wurde, diese sind sowieso gegen alles was mit Wirtschaft/Kapitalismus zu tun hat.

  • recht_mensch am 01.09.2015 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Private Veranstaltung

    Wenn ich das recht verstanden habe, ist das doch eine rein privatwirschaftliche Veranstaltung, ohne Politiker etc. Wieso die Erklärung von Bern da rumnörgeln muss, ist mir schleierhaft. Vermutlich haben sie einfach nicht begriffen, dass die Rede- (=Statement des Firmenchefs) und Versammlungsfreiheit auch zu den Menschenrechten gehört.

  • h peters am 01.09.2015 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gute Werbung auch für die Schweiz

    Ich kaufe meine Uhren in der SWATCH-Group und dies seit langem. Trotzdem finde ich Biver macht das gut. Ich kenne TAG Heuer nicht und weiss nicht, ob die, wie meine Lieblingsuhren, auch in der Schweiz produziert werden. Aber abgesehen davon wird die Schweiz in China bekannt gemacht. Man kann dort auch schweizer Milchprodukte kaufen. Also für alle, gut!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Christian Duerig am 03.09.2015 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    TOP OF EUROPE

    Bevor Sie auf das Joch fahren, fragen Sie Ihren Arzt um Reiseerlaubnis. Es gibt Menschen, die wissen nicht was mit ihnen geschieht, wenn sie auf dem Joch ankommen. So auch hier bei Herr Biver, welcher weder jodeln noch politisieren kann. Trotzdem trägt er die Jodleruniform und plappert von Völkerfreundschaften. Er schummelt. Ich vertraue nur noch der Internetzeit. TAG-HEUER darf den Bankrott anmelden.

  • Christian Duerig am 03.09.2015 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    TIP TOP TAG- HEUER ..... UNGEHEUER

    Das ist eine sehr billige Werbung. Eine Privatfirma missbraucht Völkerverbundenheit für ihr Produkt. Es wird im Namen des Volkes gesprochen und keiner wusste, dass dies geschehen würde. Erst im Nachhinein erfahren wir von diesem TAG-HEUER-Rettungsversuch. Das ist gekaufte Freiheit für Freiheit im Namen der Freiheit. What about Faye Wong ??? Sie singt sogar die Schubert Serenade, Heart Sutra neben Pop und Rock. (Quelle: YouTube)

  • Sil Via am 03.09.2015 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück war ich

    zu dieser Zeit anderswo. Auf solches Gekreische kann ich nun wirklich verzichten, wenn ich soviel bezahle um ein wundervolles Alpenpanorama zu besuchen...

  • C-Pop Fan und Chinesischlerner. am 01.09.2015 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Begeisterter C-Pop Fan, Danke Tag Heure

    Ich finds cool. G.E.M (richtiger Name Gloria Dèng Zqí) ist die chinesische Popsensation. Für mich gehört sie zusammen mit Jolin Tsai zu den besten C-Pop Sängerinnen überhaupt. Ich jedenfalls fand das mal eine gute Idee. Mehr davon.

  • Noldi Schwarz am 01.09.2015 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Herr Biver

    Zum Glück gibt es solche Leute wie Biver. Die nächsten 5 Millionen Tag Heuer Uhren sind bereits verkauft. Und die nächsten 100'000 Chinesen (mindestens) werden unserem Tourismus in diesen schwierigen Zeiten helfen. Danke Herr Biver.

    • Schwarzseher am 02.09.2015 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Noldi Schwarz

      Genau, dank des Boersencrashs in China wird es besonderes viele Chinesen in die Uhrengeschaefte nach Interlaken und Luzern spuelen, aber klappern gehoert zum Geschaeft..

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