Auslandseinsätze

12. Mai 2010 17:44; Akt: 12.05.2010 21:08 Print

Swisscoy-Veteranen sind entrüstet

von Joel Bedetti - Eine «Frechheit» sei der Bericht über angebliche Disziplinlosigkeit, sagen ehemalige Auslandssoldaten. Andere bestätigen den «Weltwoche»-Bericht.

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«Reissen sich ein Bein aus»: Swisscoy-Soldaten.

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Der gestrige Vorabbericht der «Weltwoche»-Enthüllungen über die angebliche Disziplinlosigkeit der Swisscoy-Soldaten im Kosovo löste einige Reaktionen aus.

«Das ist einfach so … unnötig, so eine Frechheit», dröhnt eine Offiziersstimme am Telefon, nur wenige Minuten nachdem 20 Minuten Online die Vorabmeldung der veröffentlicht hat. Der Artikel habe über Facebook innert Minuten sogar Veteranen des achten Kontingents erreicht, sagt der Mann, der nach eigenen Angaben vier Jahre Dienst im Kosovo absolviert hat. Es werde wie wild gepostet, man rege sich auf.

Den Bericht der Weltwoche will er nicht als Lüge sehen, aber als Verzerrung. So bringe man die ganze Swisscoy in Misskredit. «Ich und die meisten meiner Kameraden haben diesen Job geliebt und gut gemacht», sagt der Infanterist, der im 19. und 20. Kontingent diente, aber gute Kontakte zu Mitgliedern des 21. Kontingents hat.

Es sei zwar normal, dass ab und zu gebechert werde, wie es im Militärdienst in der Schweiz auch geschehe. «Und dass junge Männer im Urlaub und in ziviler Kleidung ins Puff gehen, ist ihr gutes Recht», ärgert sich der Soldat.

Aber: «Es kann sein, dass es dort aus dem Ruder gelaufen ist», sagt der Swisscoy-Veteran.

«Unfähige und unsichere Offiziere»

Schuld an allem sei der Kommandant. «Hannes Göldi ist ein unfähiger Offizier», sagt er, er habe es nie gewagt mal richtig auf den Tisch zu hauen. «Und er konnte sich nie beim Oberkommando durchsetzen, um den eigenen Leuten mal einen spannenden Auftrag zu besorgen.» Das sei nötig, weil es immer weniger polizeiliche Aufgaben für die Infanteristen gebe.

Neben dem erbosten Offizier haben sich weitere ehemalige Swisscoy-Veteranen bei 20 Minuten Online gemeldet. Manche bestätigen die Vorwürfe, andere relativieren sie. Der Tenor ist: Im Militär gehört Alkohol und Leerlauf dazu, das Kader ist nicht über alle Zweifel erhaben - aber die meisten Soldaten erfüllen im Kosovo eine wichtige Aufgabe und erfüllen sie gewissenhaft.

Manche blieben trocken

Ein Wachtmeister, Mitglied des kritisierten Kontingents 21 bestätigt die Langeweile und die Saufgelage in seiner Dienstzeit: «Viel Zeit und Geld, das Bier fast gratis…den Rest können Sie sich selber denken!» Auch er beschuldigt den Kommandanten Hannes Göldi: Wenn jemand verantwortlich dafür sei, wie die «Truppe» gelebt habe, dann sei er es. «Das war unser Problem: unfähige, ängstliche und unsichere Offiziere.»

Der Unteroffizier sträubt sich aber gegen die Verallgemeinerung in der «Weltwoche»: «Es gab Jungs die tranken keinen Schluck.» Auch könne man die Swisscoy nicht als Truppe von Sozialfällen bezeichnen, es habe auch gestandene Familienväter gegeben und solche, die für den Einsatz ihren Job aufgegeben hätten.

«Reissen sich ein Bein aus»

H. S., der im Sommer 2007 für die Swisscoy im Kosovo war, ist entrüstet: Diese Vorwürfe seien respektlos gegenüber allen Personen, welche bei der Swisscoy ihren Dienst geleistet hätten. «Wir waren oft tagelang auf Aussenposten, hatten 24 Stunden Präsenzzeit und über mehrere Wochen ein striktes Alkoholverbot. Da konnte es passieren, dass man an seinen freien Tagen Alkohol trank.»

Es sei kein einfaches Leben gewesen als Schweizer Soldat im Kosovo, lässt S. durchblicken. Man habe 14 Stunden am Tag gearbeitet und sei danach auf Abruf bereit gewesen. Nach 16 Tagen habe es zwei Freitage gegeben, dann sei das Ganze wieder von vorne losgegangen. «Und die Familie und Freunde sind kilometerweit weg.»

Oberwachtmeister Pascal M. ist zurzeit im Kosovo als Mitglied des 22. Swisscoy-Kontingents. Das Bild, das im Bericht von der Truppe gezeichnet werde, stimme keineswegs mit der Arbeit vor Ort überein, schreibt er. «Alle hier machen einen guten Job und reissen sich ein Bein aus, um ihre Mission erfolgreich zu erfüllen.» Niemand fahre 200 Kilometer weit, um dann in ein Puff zu gehen.

Der Einsatz im Kosovo. Sinnvolle Aufgaben...

oder «Krasse Ferien ohne Rechnung»?

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • veteran am 14.05.2010 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    DANKE

    Ich bin STOLZ die Schweizer Flagge auf meiner Schulter getragen und im Ausland repräsentiert zu haben. Was die Schweizer Armee in den letzten 11 Jahren zugunsten zu KFOR geleistet hat ist nicht nur zu beachten sondern in höchstem Masse zu würdigen. Mit Schweizer Qualität und Konstanz hat unsere Armee JEDEN Auftrag erfüllt. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei all meinen Kameraden der Swisscoy. Seien es Veteranen oder die aktiven 22er.

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  • Albaner am 14.05.2010 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Egal sie dürfen ihr spass auch haben, man kann nicht immer ernst bleiben, bisschen spass muss sein ist völlig normal, die Weltwoche ist halt bekannt das sie es immer übertreiben müssen wenn man sieht das sie seit einem Jahr nur über Islam da Islam hier, jetzt fängt es mit der Swisscoy hier Swisscoy da. Das sien auch nur Menschen, solange sie keine Leute umbringen und niemand vergewaltigen.

  • Kosovo-Albaner am 14.05.2010 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Herzlichen Dank Swisscoy / Schweiz!!!

    Ich bin Kosovare, ich und das kosovarische Volk schätzen die Hilfe der Schweizer! Auch sind wir ihnen sehr dankbar für das Geleistete! Die Medien werden doch nur von der SVP finanziert um so einen Unsinn zu schreiben, nur damit sie einen Grund haben den "Auslandseinsatz" zu stoppen!! Eine Frechheit die Mühe der Soldaten, die dort auch ihr Leben nach dem Krieg riskiert haben (Gefahr durch Übergriffe, Minen etc.) zu untergraben! Glaubt diesen Unsinn nicht, und auch wenn es so wäre, nur weil es 10 von 100 Soldaten machen, heisst es nicht, dass dies immer so war, jeder hat seine Bedürfnisse!Danke

Die neusten Leser-Kommentare

  • Catch am 13.07.2010 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Top oder Flop

    Aufgrund meines Einsatzes zugunsten der KFOR kann ich für den Zeitraum von SC12 (Sommer 2005) folgendes zur Debatte Beitragen: Nicht alle Kader (Offiziere sowie Unteroffiziere) verfügten über die nötige Sozialkompetenz um den jeweiligen Job effizient und effektiv zu erledigen. Meiner Meinung nach liegen die Ursachen für diesen Missstand in der Schweiz, genauer in den Kaderlehrgängen der Armee 21. Zu diesen Lehrgängen werden sehr junge Aspiranten zugelassen was an sich nicht schlecht ist. Sie müssten jedoch zwingend über die nötige Erfahrung im sozialen Bereich verfügen.

  • Nachdenklicher am 18.05.2010 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    ...tja - nicht erschrecken

    ....und warum war BR Maurer noch keine Minute im Einsatzgebiet im Kosovo auf Truppenbesuch, wie es andere Verteidigungsminister machen ? ...

  • Hannes Göldi am 15.05.2010 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    ALKOHOLPROBLEM?

    Der NCC war schuld an allem? Und wer hat den eingestellt? Fragen Sie doch mal bei SWISSINT nach, z.b. Herrn Eberle

  • Kosovar am 14.05.2010 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts ist Wahr

    Die best Dizipliniert Soldaten in Kosovo sind ja die Schweizer Soldaten. Ich erlebe jedes Jahr, wenn ich Kosovo bin...alles andere ist Quatsch. Nun zu dem möchte gern (Südserbische Provinz oder Kosovo und Metohien).Es ist alles vorbei und zwar für immer, jetz gibt nun ein neues Land und der heist auf Deutsch gesagt "Kosovo" die von Zivilisierten Welt anerkant wurde...Das ist die Wahrheit dank USA, EU und dazu gehört auch die Schweiz...

  • Albaner am 14.05.2010 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Egal sie dürfen ihr spass auch haben, man kann nicht immer ernst bleiben, bisschen spass muss sein ist völlig normal, die Weltwoche ist halt bekannt das sie es immer übertreiben müssen wenn man sieht das sie seit einem Jahr nur über Islam da Islam hier, jetzt fängt es mit der Swisscoy hier Swisscoy da. Das sien auch nur Menschen, solange sie keine Leute umbringen und niemand vergewaltigen.