Imam-Ausbildung

29. Oktober 2009 10:16; Akt: 29.10.2009 11:23 Print

Swissness-Kurs für Imame

von Lukas Mäder - In den islamischen Gebetshäusern der Schweiz predigen fast ausschliesslich ausländische Imame. Das kann zu Konflikten führen oder gar den Extremismus fördern. Die Lösung wäre eine Schweizer Imam-Ausbildung. Ein erstes Pilotprojekt läuft, hat aber kaum Teilnehmer.

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Seit einem Monat läuft die Ausbildung: Die ersten muslimischen Imame, die in der Schweiz tätig sind, besuchen zusammen mit christlichen Funktionsträgern in Winterthur einen Kurs der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Der Kurs wendet sich an Angehörige aller Religionen und will interkulturelle und interreligiöse Kompetenz lehren. So gehören Einführungen in das Christentum und den Islam zum Kursprogramm, aber auch die Kommunikation gegenüber der weltlichen Gemeinde und den Medien.

Kaum Teilnehmer in Winterthur und Freiburg

Doch der Lehrgang ist schlecht besucht: Nur acht Teilnehmer fanden sich, geplant waren eigentlich rund doppelt so viele. Die Universität Freiburg, welche ein ähnliches Projekt hatte, musste den angekündigten zweisemestrigen Zertifikatslehrgang Islam, Muslime und Zivilgesellschaft auf einen dreitägigen Kurs reduzieren. Grund war die geringe Zahl von Anmeldungen, weshalb der Lehrgang nicht mehr zu finanzieren war. Für diese schwache Resonanz auf die neuen Angebote gibt es mehrere Gründe, Desinteresse gehört nicht dazu. «Im Gespräch zeigten sich alle begeistert vom Angebot und wollten mitmachen», sagt Christiane Hohenstein, Leiterin des Zentrums Interkulturelle Kompetenz an der ZHAW. Es sei aber nicht einfach gewesen, alle unterschiedlichen islamischen Gemeinden zu erreichen. «Wir mussten im persönlichen Gespräch unser Angebot bekannt machen.» Hohenstein ist für die Zukunft optimistisch: «Wenn wir ein Beziehungsnetz aufgebaut haben, wird es einfacher.»

Der Fachhochschul-Kurs will islamische Imame integrieren. Er kann als Vorform einer Imam-Ausbildung in der Schweiz gesehen werden. Denn heute fehlen den Imamen in der Schweiz meist die Kenntnisse der hiesigen Kultur und der schweizerischen Verhältnisse, da sie nicht hierzulande aufgewachsen sind. Auch fehlende Deutschkenntnisse können zu Missverständnissen und Konflikten führen. Deshalb ist ein Deutschcoaching Bestandteil des Kurses in Winterthur. Das genügt aber nicht: «Wir konnten nicht alle Interessierten aufnehmen, weil die Deutschkenntnisse teilweise noch nicht ausreichten», sagt Hohenstein.

Islamische Vereine haben kaum Geld für Kurskosten

Ein weiterer Grund für die geringe Teilnehmerzahl sind auch die Kurskosten. «Wir haben in Gesprächen zu hören bekommen, dass die 2500 Franken für die Gemeinden nicht einfach aufzubringen sind», sagt Hohenstein. Viele islamische Gemeinden seien finanziell nicht besonders gut situiert. Das stellt die Einführung eines solchen Lehrgangs vor Probleme: Denn das jetzige Pilotprojekt ist vom Bund und dem Kanton St. Gallen subventioniert. Ohne diese finanzielle Unterstützung würde der Kurs rund 5000 Franken kosten, was für die meisten islamischen Gemeinden definitiv unbezahlbar wäre.

Eine weitere Erklärung für die geringen Teilnehmerzahlen hat Ulrich Rudolph von der Universität Zürich: «Das Zielpublikum weiss nicht, was ihm dieser Lehrgang bringt, weil er etwas quer in der Landschaft steht», sagt der Islamwissenschaftler. Er hat Ende Juli die Ergebnisse einer Befragung veröffentlicht, die die Universität Zürich bei Exponenten der islamischen Gemeinden durchgeführt hatte (20 Minuten Online berichtete). Längerfristig seien Zusatzlehrgänge wie die aktuellen Zusatzausbildungen nicht die Lösung, sagt Rudolph. «Das sind zwar noble Absichten, es braucht aber eine universitäre Imam-Ausbildung.»

Imam-Ausbildung könnte Diskussion versachlichen

Das Bedürfnis für eine Imam-Ausbildung an einer Schweizer Universität sei gegeben, zeigt Rudolphs Umfrage. Er glaubt, dass mit einer solchen öffentlich zugänglichen Bildungsinstitution auch eine Versachlichung der Diskussion um den Islam stattfinden würde. «Es gibt Verständnisprobleme auf beiden Seiten, bei den Schweizer Politikern wie bei den Muslimen», sagt Rudolph. Deshalb würde in der Schweiz nur über Randphänomene des Islam in der Schweiz diskutiert wie der Besuch des Schwimmunterrichts oder das Kopftuch an der Migros-Kasse.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • muslim am 29.10.2009 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    wieso die ganze aufregung?

    ich verstehe das ganze theater um die minarette und muslime nicht, wir sind auch nur menschen. in der schweiz herrscht religionsfreiheit, die juden haben überall ihre synagogen, ja sogar ganze viertel die abends extra für sie gesperrt werden! denen sagt niemand was!

  • Ali Kaya am 29.10.2009 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizerische Islamische Gemeinschaft

    Zu unserer Organisation gehören 18 Moscheen - und keine einzige davon hat das Interesse oder das Geld dazu um ein Minarett zu bauen. Also lasst bitte die Kommentare mit "alle wollen Minarette bauen - aber Kurs nicht besuchen usw.."

  • Sabrina am 29.10.2009 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Integration fängt bei denen an, die hierher kommen, nicht andersrum. Warum man aber in der CH auf jeden Furz Rücksicht nehmen muss, ist mir eh ein Rätsel. Wenn der Islam doch so toll ist und sie ihn leben wollen, dann sollen sie doch bleiben, wo sie sie sind und nicht hierher kommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ali Kaya am 03.11.2009 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber René

    Mohammed hat nur dann gekriegt, wenn er vom Tode bedroht war. Dies ist der einzige Grund, warum ein Muslim jemanden töten darf. Mohammed ist mein Vorbild - ich bin in der Schweiz nicht gefährdet, also muss ich auch niemanden töten und lebe friedlich wie es Mohammed auch machte.

  • René am 03.11.2009 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Ali Kaya

    Es ist richtig, dass der Islam im Westen total verwässert ist. Aber der richtige Islam wird nun mal nur von den Taliban gelebt. Sie führen das mörderische, intolerante Leben von Mohammed weiter. Oder willst Du etwa behaupten, dass Mohammed ein Leben voller Liebe und Frieden führte?

  • Peter Schweitzer am 02.11.2009 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat eigentlich das Sagen ?

    Ich frage mich manchmal, ob es nicht schon zu spät ist, zu opponieren!? Haben wir Eidgenossen wirklich noch zu bestimmen?

  • Schweizerin am 02.11.2009 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel?!?!?

    2500.-- sollen zu teuer sein! Dass ich nicht lache! Könnte es auch sein, dass sie gar nicht wollen?

  • Sandra Hubschmied am 02.11.2009 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Tja Sorry

    Tut mir leid aber das kan jetzt echt nicth unser Problem sein, bin ganz klar gegen eine fördrung solcher Ausbildungen in der SChweiz am besten noch finanziert mit unseren Steuergelder..- NEIN DANKE