Es mangelt an Organen

09. Januar 2013 18:11; Akt: 09.01.2013 22:52 Print

Swisstransplant will nichts verändern

Trotz der Studie, die zeigt, dass in der Schweiz mit Organspenden viel mehr Leben gerettet werden könnten, will die Stiftung Swisstransplant keine automatische Organspende. Sie befürchtet Verunsicherung bei den Patienten.

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Die Stiftung Swisstransplant spricht sich gegen eine automatische Organspende aus, wie sie derzeit zur Diskussion steht. Die Einführung dieser sogenannten Widerspruchslösung ist laut Swisstransplant kontraproduktiv.

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«Ein Systemwechsel könnte die Patienten verunsichern», sagte Stiftungsratspräsidentin Trix Heberlein am Mittwoch vor den Medien in Bern. Man müsse vielmehr das Vertrauen der Menschen in die Medizin stärken. In der Schweiz dürfen Organe nur entnommen werden, wenn die betroffene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat oder wenn es die Angehörigen erlauben.

Bei der Widerspruchslösung käme es zu einer automatischen Organentnahme, sofern der Patient dies nicht anders gewünscht hat. Der Bundesrat will im März einen Bericht über eine mögliche Einführung der Widerspruchslösung präsentieren.

Im Gegensatz zur Schweiz kennen die meisten Nachbarländer die automatische Organspende. In Frankreich, Italien und Österreich ist die Spenderquote beinahe doppelt so hoch wie in der Schweiz, wo auf eine Million Menschen nur 12,8 Organspenden kommen.

Regionale Spitäler im Visier

Swisstransplant will stattdessen die Quote mit Verbesserungen in den Spitälern erhöhen. Laut einer am Mittwoch präsentierten Studie könnten damit die Organspenden auf das Dreifache erhöht werden. Das Potenzial liege bei fast 36,3 Spendern pro Million Einwohner.

Insbesondere bei regionalen Spitälern sieht die Studie Handlungsbedarf. «In vielen peripheren Spitälern fehlt die Sensibilisierung für Organspenden», sagte Christoph Haberthür, Präsident des Nationalen Ausschusses für Organspende. Dadurch gingen potenzielle Spender verloren.

Das Problem der regionalen Unterschiede will Swisstransplant mit zusätzlichem Fachpersonal in den Spitälern angehen. Dieses soll Schulungen durchführen und die Angehörigen von Organspendern betreuen. Die Kantone müssten eigentlich laut Bundesgesetz das entsprechende Geld zur Verfügung stellen. Doch insbesondere in der Deutschschweiz werde diese Pflicht vernachlässigt, sagte Haberthür.

In der Westschweiz und im Tessin, wo solche Experten existierten, sei die Erkennung von potenziellen Organspendern mit 60 Prozent wesentlich höher als in Gebieten ohne Fachpersonal, sagte Haberthür. Im Spitalnetzwerk Zürich betrage diese Quote beispielsweise nur 28 Prozent.

Das Netzwerk Zürich ist bereits den Anregungen von Swisstransplant gefolgt. Im vergangen Jahr habe man zusätzliches Personal eingestellt und könne in allen Netzwerkspitälern einen 24-Stunden-Dienst anbieten, teilte das Universitätsspital Zürich mit.

Zunehmende Ablehnung von Transplantationen

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist die zunehmende Skepsis der Bevölkerung gegenüber Organspenden. Die Ablehnungsrate lag im vergangenen Jahr bei rund 53 Prozent. Dies entspreche einer Zunahme von über 10 Prozent seit 2008, sagte Haberthür. Europaweit beträgt die Ablehnung rund 30 Prozent.

Swisstransplant-Direktor Franz Immer macht das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung in die Medizin für die Skepsis verantwortlich. «Es muss eine Kultur des Vertrauens geschaffen werden», sagte Immer. Das dies möglich sei, zeigten die starken regionalen Unterschiede.

So sei die Ablehnung etwa in Aarau und Luzern wesentlich kleiner als anderswo. Der Grund dafür ist laut Immer einfach: «Im Gespräch mit den Ärzten konnten die Angehörigen von Organspendern Vertrauen fassen.»

Jährlich sterben in der Schweiz bis zu hundert Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ erhalten. Die Warteliste für Organspenden ist seit 2005 um 71 Prozent gewachsen. Im vergangen Jahr warteten 1165 Personen auf ein Organ.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Es sollte ein Gesetz geben, wonach jeder Schweizer automatisch Organspender ist. Wer nicht spenden will, muss ein beglaubigtes Papier bei sich haben, auf dem vermerkt ist, dass er keine Organe spenden oder empfangen will. Wer tot ist braucht keine Organe! Wer leben will, ist auf funktionierende Organe angewiesen. So einfach wäre das ganze Problem zu lösen. – Eingetragener Organspender

Ich bin genau gleicher Meinung wie Herr Kneuss. In der heutigen Zeit sollte es doch kein Problem sein alle Spender in einer Datenbank zu erfassen. Ich habe mir schon oft Gedanken gemacht, was wohl passieren würde wenn ich einmal ohne Spenderausweis unterwegs bin und einen Unfall hätte? Für mich ist das nicht ganz befriedigend. Eine automatische Organspende würde ich persönlich nicht befürworten, ich bin der Meinung das sollte jeder für sich selber entscheiden können. Aber man sollte die Menschen mehr dafür sensibilisieren. – Uschi Kaufmann

Ich verstehe einfach nicht, wieso man keine Datenbank einführt, wo sich jeder freiwillig registrieren kann! Ich will nicht mein Leben lang (ich bin jetzt 24ig) eine Spenderkarte mit mir rumtragen, nur falls mal etwas passiert. Wenn mir heute etwas zustossen würde, und ich hätte keine Spenderkarte dabei, könnte man mich einfach in der Datenbank nachschauen und wüsste über meine Absicht Bescheid. Nicht's einfacher als das! – Lukas Kneuss

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.C. am 09.01.2013 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Organtransplantationen

    Und warum ist das Vertrauen zu den Medizinern so minimal? Eben weil man Jahrelang auf den hohen Pferd sass und den Patienten so nebenher Informationen zukommen lies. Ich habe auf alle Fälle meine Skepsis betr. den schönen Worten.

  • Reto am 09.01.2013 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schlau machen....

    Macht euch mal über die genauen umstände schlau! Z.B.: das der Körper bei einer Entnahme noch "leben" muss, nur hirntot muss man sein... Und um herauszufinden ob man hirntot ist, werden fragwürdige Massnahmen gemacht. Und ausserdem ist es in der Schweiz vorgeschrieben, dass bei der Entnahme eine Vollnarkose gemacht werden muss, dies sagt doch schon alles!

    einklappen einklappen
  • MAD am 10.01.2013 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Organspende

    ich würde keine organe spenden im aktuellen system. Für mich ist unser gesundheitssystem kaufkraftabhängig, was dem grundsatz der allgemeinheit resp. des zeitdrucks widerspricht. ich habe keine garantie, dass mein organ der person gegeben wird, die es am dringendsten braucht, sondern der person mit dem stärksten finanziellen background. sieht man im bereich der op's ja bereits heute. als privatversicherte person erhalte ich den zugang schneller als allgemeinversicherter... das schafft kein vertrauen und ohne vertrauen weiss ich ja auch nicht, ob man wirklich alles für die verunfallte person getan hat oder nur die organe im fokus stehen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jacky M. am 11.01.2013 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Seit ich den Fahrausweis

    besitze, habe ich auch einen Organspende-Ausweis (dh. seit 25 Jahren). Wenn ich nach meinem Tod einem Menschen das Leben erleichtern kann, warum nicht? Ich brauch die Organ ja dann nicht mehr. Viele haben Angst, dass die Aerzte sie dann "sterben lassen". Der Arzt hat aber einen Eid abgelegt, dass er (sofern der Patient das wünscht - Stichwort Patientenverfügung) alles mögliche tut, sein Leben zu retten. Aber: wenn es doch nicht mehr gelingt, den Patienten zu retten, sollte eine Organentnahme möglichst schnell geschehen - ewig ist das nicht möglich!

  • H. Krustowsky am 11.01.2013 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Niemanden zwingen

    Ich finde es sehr ehrenwert wenn man als Organspender durch den eigenen Tod das Leben eines anderen Menschen rettet. Wenn jemand nicht spenden will sollte man das aber genauso respektieren, es ist schliesslich so etwas wie 'der letzte Wille' und auch eine ureigenste Privatangelegenheit. Per Gesetz zum Spenden zwingen sollte man niemanden. Aber umso mehr dafür werben, nicht nur im Fernsehen und Radio sondern auch direkt auf der Strasse die Leute ansprechen.

  • Emilie am 11.01.2013 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur mit aller Konsequenz 

    Einige Wichtigtuer sind der Meinung, Menschen müssen durch Gesetz zu Ersatzteilspendern werden. Ich denke, ich kann damit leben. Aber ich bin der Meinung, es gibt nicht entweder oder, es gibt nur und. Will man also Verstorbene durch Gesetz enteignen, dann bitte konsequent. Wer verstorben ist braucht tatsächlich nüchtern betrachtet seinen Leib nicht mehr. Sein Hab und Gut allerdings auch nicht !!

  • Bruno Stettler am 11.01.2013 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Spender und Empfänger

    Als Organ Empfänger sollte nur Leute in Frage kommen, die auch bereit sind, ihre eigenen zu spenden!

  • R. S. am 10.01.2013 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht auf ein Organ gibt es nicht

    Macht zwei Ausweise mit verschiedenen Farben. Grün für ja ich gebe meine Organe bei meinem Hirntod Rot Nein ich gebe meine Organe in keinem Fall und bin auch bereit kein Organ zu erhalten Im weiteren müssen die Personalien mit Pass/AHV Nummer übereinstimmen. Diese Ausweise müssen in Kreditkarten Grösse sein, damit man sie immer aufsich tragen kann am besten mit einem Foto der betr. Person