Larissa (26) stirbt

03. April 2019 14:13; Akt: 03.04.2019 16:11 Print

Trotz tödlichem Unfall hat Täter eine «weisse Weste»

Schon mehrmals war P. F. in Autounfälle verwickelt. Eine Person starb. Beim Gerichtsprozess galt er trotzdem als «nicht vorbestraft».

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Mit der dreifachen Menge der erlaubten THC-Konzentration im Blut fuhr P. F.* am 18. Januar 2017 frontal in den Roller von Larissa Caviezel. Die damals 26-jährige Köchin wurde 43 Meter weggeschleudert und erlag noch am Unfallort ihren Verletzungen. Gestern musste F. in Domat/Ems vor dem Richter aussagen. Heute Abend wird das Urteil verkündet.

Schon vor dem verhängnisvollen 18. Januar war F. mehrmals in einen Unfall verwickelt. Mehrfach musste er sein Billett abgeben und wurde verurteilt:

1997

Bei einem Selbstunfall sass F. am Steuer. Ein Autofahrer starb. Seit diesem Unfall bezieht er eine 100-prozentige IV-Rente.

2002

Bis 2002 kommt es auf der Strecke zwischen Chur und Domat/Ems zu zwei weiteren Verkehrsunfällen mit Beteiligung von F.

Die 100-prozentige IV-Rente hindert ihn nicht daran, sich am 5. Juli 2002 ein Autorennen mit einem schwarzen BMW zu liefern. Ein entgegenkommender Roller konnte noch im letzten Moment auf eine Wiese ausweichen.

F. wird wegen rücksichtslosen Überholens mehrerer Fahrzeuge angezeigt und zu 60 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Zwischenfall ereignete sich fast an der gleichen Stelle, an der Larissa fünfzehn Jahre später ihr Leben verlieren sollte.

Keine Vorstrafen

Obwohl der 1977 geborene Italiener vier Verkehrsunfälle verursachte, in einem Fall mit einem Todesopfer, galt er beim Gerichtsprozess als «nicht vorbestraft». Auch sein Verteidiger hob seine «weisse Weste» hervor.

Bei null anfangen

«Das tönt natürlich absurd, wenn man weiss, was vor dem heutigen Prozess alles abgelaufen ist», sagt Flurin von Planta, der beim Prozess die Familie von Larissa Caviezel vertritt. Bei Verkehrsdelikten würden die Einträge nach zehn Jahren aus dem Strafregisterauszug gelöscht. «Strafrechtlich ist da vorher also nie etwas passiert. Man fängt wieder bei null an.» Die Idee dahinter sei, dass man nicht das ganze Leben für eine Tat haften solle.

Der Vater der getöteten Larissa, Heinz Caviezel, betrachtet den Sachverhalt nüchtern. «Er ist verurteilt worden und hat seine Strafe abgesessen.» Wieso er nach mehreren selbstverschuldeten Verkehrsunfällen aber trotzdem wieder einen Führerausweis erhalten hat, kann sich Caviezel nicht erklären. «Die Gesetze der Schweiz sind gut. Aber die Behörden müssen diese auch durchsetzen. Jemand wie F. hätte nie wieder einen Ausweis erhalten dürfen.»

*Name der Redaktion bekannt

(dk)