Wernli im Röckli

12. Dezember 2018 05:39; Akt: 12.12.2018 08:44 Print

Sie will, dass Männer ihr Komplimente machen

von B. Zanni - Im Minirock ermuntert Kolumnistin Tamara Wernli Männer, ihr Komplimente zu machen. Feministinnen fürchten um die Glaubwürdigkeit der #MeToo-Debatte.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit der #MeToo-Bewegung fühlen sich einige Männer verunsichert. Man dürfe Frauen ja gar keine Komplimente mehr machen, ohne gleich als sexueller Belästiger abgestempelt zu werden, klagen sie. Diesen Männern dürfte Feminismus-Kritikerin Tamara Wernli mit einem aktuellen Tweet eine Freude bereitet haben.

Umfrage
Wie reagieren Sie auf Komplimente vom anderen Geschlecht?

Auf Twitter postete die Basler Kolumnistin ein Foto, das sie in fünf verschiedenen Posen in einem schwarzen Minirock zeigt. «Frauen freuen sich über Komplimente, darum posten wir u. a. ja nette Bildchen von uns, bitten senden Sie Ihr Wow!!», ermutigte die Feminismus-Kritikerin einen User. Dieser hatte zuvor gestanden, dass ihn der Gedanke an Sexismus und Feminismus von einem Kompliment abgehalten habe.



«Schärfer, als die Polizei erlaubt»

Danach kamen die User, vor allem Männer, in Fahrt. «Wow», «Hot», «Mörderfigur» oder «Schärfer, als die Polizei erlaubt», schrieben sie. Wernli konnte sich vor Komplimenten kaum mehr retten.

User Carlo Marx gab Wernli mit einem ironischen Kommentar weiteren Auftrieb. «Wer hat Ihnen das nur angetan, Frau Wernli?! Diese Reduktion auf Ihr Äusseres ist doch sowas von #sexistisch. Sie sollten sofort gegen den Fotografen vorgehen!» Danach folgt ein Seitenhieb gegen die BH-Verbrennungsaktion von Juso-Chefin Tamara Funiciello: Verbrenne sie in einem weiteren Bild ihren BH, sei es «natürlich eine politische Botschaft».

«Kompliment ist etwas Positives»

Für Wernli ist klar: «Ein Kompliment ist ein positives, freundliches Feedback, egal ob es zu äusserlichen oder inneren Merkmalen gemacht wird.» Ein Kompliment diene dem zwischenmenschlichen Umgang. «Es kreiert eine Art Wärme, die heute in der schnelllebigen Zeit ja oft verloren geht. Und es zaubert fast immer ein Lächeln ins Gesicht.»

Ein Kompliment für das Äussere sei eine kleine Bestätigung für die Arbeit, die man in seinen Körper oder in die Aufmachung wie Haar und Make-up stecke. «Würden mich solche Komplimente stören, würde ich solche Fotos nicht posten. Und grundsätzlich erhalte ich viel mehr Lob zu meiner Arbeit als zu meinem Äusseren.» Allerdings gehöre das Lob auch dem Fotografen Lucian Hunziker, der sie für seinen Fotoband «Basel in Porträts» so grossartig in Szene gesetzt habe, präzisiert sie. Laut Wernli sollen sich Menschen mehr Komplimente machen. «Auch Männer mögen Komplimente über ihr Äusseres. Sie strahlen dann wie Maikäfer.»

«Nicht alle Frauen freuen sich über Komplimente»

Für Rahel Fenini vom feministischen Magazin «Fempop» geht Wernli zu weit: «Mit ihrer Aussage, wir Frauen würden unter anderem nette Bildchen für Komplimente posten, wirft Tamara Wernli Frauen in einen Topf und bezeichnet sie als Personen, die mit ihren Posts nur nach Aufmerksamkeit und Komplimenten von Männern schreien», sagt Fenini. «So gibt Tamara Wernli Männern Auftrieb, die Frauen vor allem als Objekt sehen.» Daraus könne eine negative Spirale entstehen. «Diese spielt einer Bewegung wie #MeToo und der daraus folgenden Sensibilisierung für Grenzüberschreitungen entgegen.»

Auch Christina Klausener von der feministischen Friedensorganisation CFD kritisiert den Post. «Bei Frau Wernli mag das zutreffen, aber es ist nicht so, dass sich alle Frauen über Komplimente rein zu ihrem Äusseren freuen.» Mit ihrer Aussage trage Wernli dazu bei, dass Frauen auf ihre Äusseres reduziert würden, was Teil eines sexistischen Diskurses sei. «Das heisst aber nicht, dass Männer keine Komplimente machen dürfen.» Entscheidend seien lediglich der Kontext und die Beziehung. «Macht der Partner ein Kompliment über das Aussehen seiner Freundin, wirkt dies anders, als wenn dieses vom Chef kommt.» Durch die #MeToo-Bewegung fühlten sich zudem auch Männer durch traditionelle Geschlechterrollen eingeengt. «Viele Männer stören sich mittlerweile zum Beispiel an sexistischer Werbung.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bobweg am 12.12.2018 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vom Aussterben bedroht

    Die Sexismusdebatte geht zu weit. Ein Kompliment zum Aussehen einer Frau ist keine Reduktion auf das Äußere und schon gar kein Sexismus. Man macht ja kein Kompliment zu den Geschlechtsmerkmalen, sondern sagt einfach nur, wie toll sie aussieht. Und nur, weil einem die Frau gefällt, heißt das noch lange nicht, dass man die innere Werte nicht sieht. Wenn die Feministinnen sich durchsetzen, fürchte ich, dass die Menschheit bald ausstirbt.

    einklappen einklappen
  • Lämpel am 12.12.2018 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    we too

    Sind wir ehrlich. Ob Frau, Mann, alt jung, wir freuen uns alle ab einem gut gemeinten Kompliment.

    einklappen einklappen
  • Jack am 12.12.2018 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauenversteher

    Da soll man als Mann noch mitkommen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mng578 am 14.12.2018 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super sexy und scharf

    Ich finde die Aktion gut. Tamara und Bachelorette Adela, beides Frauen von Tele Basel, beide haben gerne Komplimente, beide wollen um jeden Preis gut rüberkommen, auch optisch, und beide haben strenge Moralvorschriften, nehmens aber selbst nicht immer ganz so ernst. Somit möchte ich hiermit beiden viele Komplimente aussprechen, ihr seht toll aus und seid sexy.

  • Klaus M. am 14.12.2018 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg aus Bünzli Sackgasse

    Tamara Wernli hat nach 15 Jahren offenbar festgestellt, dass die Welt nicht nur in Basel um Basel dreht. Das ist doch einmal eine gute Erkenntnis. Deshalb ist dieser Beitrag schon mal ein guter Weg raus aus der Bünzli-Sackgasse.

  • Bini am 14.12.2018 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal so mal anders

    Tamara Wernli tut weltoffen und direkt: man darf die scharfen Fotos einer unbekannten Frau anstarren und soll gefälligst Ihr Komplimente machen. Wenn es um andere Themen geht, ist sie wesentlich verklemmter: sie ist gegen das Stillen in der Öffentlichkeit, sie will primär Basel für Basler und und und. Etwas gesucht das ganze. Am Ende ist jeder Bericht von ihr nicht sachlich überlegt, sondern einfach aus ihrem eigenen persönlichen Vorteil ergründet. Und wenn nicht, dann wird mal losprovoziert in der Hoffnung, viel Resonanz zu erzeugen.

  • Clive Butherford am 14.12.2018 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht keinen Sinn

    Warum soll man dieser Frau ein Kompliment machen? Das macht überhaupt keinen Sinn. Komplimente macht man Frauen, die man kennt, bei Personen für ihre tolle Leistungen und aussergewöhnlichen Einsätze. Wie Wernli richtig sagt, sie will nicht so sein wie die Geissens. Nein sie ist es nicht, sie ist noch viel egoistischer und narzistischer veranlagt. Es geht nur um Ego, Aufmerksamkeit und Bewirtschaftung eines langweiligen Themas. Ohne Inhalt.

  • Kevin Home am 14.12.2018 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau ist Schreiberin

    Diese Dame ist übrigens Weltwoche Journalistin. Sie ist rechts angesiedelt und normalerweise liebt sie es zu provozieren. Sehr tiefgründig schreibt sie nicht, oft schlecht informiert, versucht aber, provokativ eine Lücke bei den Lesern zu finden.