ÖV-Billette

26. August 2016 09:38; Akt: 26.08.2016 11:40 Print

Tarifverbünde zeigen SBB die Swisspass-Zukunft

Seit einem Jahr ist der Swisspass im Einsatz. Schon bevor die SBB eine Bilanz wagen, ist klar: Regionale Tarifverbünde ziehen mit neuen Modellen davon.

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Heute Freitag informieren die SBB zur Zukunft des Swisspass. Während die Einführung der roten Karte vor einem Jahr von Pleiten und Pannen überschattet wurde, sind einige regionale Verkehrsverbunde schon weiter und tüfteln an neuen Dienstleistungen. Eine davon ist die App «Fairtiq». In den Regionen Fribourg, Luzern und Oberengadin können die Reisenden damit per Knopfdruck den Beginn ihrer Reise angeben. Die App erkennt dann per GPS die gefahrene Strecke, und der fällige Betrag wird bei der Ankunft am Ziel direkt der Kreditkarte abgebucht. In Zukunft soll die App gar automatisch erkennen, wenn jemand am Ziel seiner Reise angekommen ist. Der Druck auf den Stopp-Knopf entfällt somit. «Eine solche Lösung ist heute aus technischer Sicht schon möglich, und wir arbeiten daran, das schrittweise umzusetzen», sagt Fairtiq-Chef Gian-Mattia Schucan. Beim geplanten Angebot der Südostbahn sind neben der automatischen Registrierung des Ein- oder Ausstiegs und der direkten Abbuchung auf der App weitere Angebote geplant. Die Reisenden sollen ebenfalls Flüge buchen oder Einkäufe tätigen können. Inwiefern die SBB nachziehen können, ist noch unklar. Bereits bekannt ist, dass «in naher Zukunft» der Swisspass als App aufgeschaltet wird, wie die SBB Mitte Juli mitteilten. Und zusammen mit der BLS und Postauto haben die Bundesbahnen einen Pilotversuch mit einer App-Lösung gestartet. «In der Entwicklung eines möglichen elektronischen Zugangssystems für die gesamte Branche wird der Swisspass eine zentrale Rolle spielen», sagt SBB-Sprecher Oli Dischoe.

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Die Kritik nach der Einführung des Swisspass vor einem Jahr wog schwer: Konsumentenschützer beanstandeten die automatische Abo-Verlängerung und meldeten Datenschutzbedenken an. Zugbegleiter monierten, der Scanvorgang nehme zu viel Zeit in Anspruch. Und Pendler bemängelten, dass auf dem Swisspass nicht gleichzeitig ein Gleis 7 und Halbtax gespeichert werden könne, was dazu führe, dass der Nutzer trotzdem zwei Karten mit sich rumtragen müsse.

Umfrage
Soll die SBB auch eine App-Lösung, die automatisch die Strecke erkennt und den fälligen Betrag abbucht, bereitstellen?
56 %
38 %
6 %
Insgesamt 2464 Teilnehmer

Während die SBB heute Freitag über ein Jahr Swisspass Bilanz ziehen und die Zukunft der roten Karte erörtern wollen, tüfteln regionale Tarifverbünde schon an weiteren Zukunftslösungen.

GPS berechnet günstigsten Tarif

Seit April können beispielsweise Reisende in den regionalen Tarifverbünden von Fribourg, Luzern, Oberengadin und Bern ihre Fahrt direkt per App lösen, indem sie den Startknopf drücken. Die App Fairtiq erkennt dann per GPS den Standort und berechnet automatisch die günstigste Route. Beim Ausstieg muss das Ende der Fahrt quittiert werden und der fällige Betrag wird direkt der Kreditkarte abgebucht. Vergisst der Reisende, den Stopp-Knopf zu drücken, wird er mit einem Warnsignal auf das Versäumnis hingewiesen.

Laut App-Entwickler Gian-Mattia Schucan lösten die Kunden in den beteiligten Tarifverbünden seit April bereits über 40'000 Fahrten. «Wir sprechen aktuell hauptsächlich Reisende ohne GA oder Verbundabo an, aber ein Halbtax kann in der App hinterlegt werden.»

Und Schucan will das Reisen im ÖV noch angenehmer machen: In Zukunft soll die App automatisch erkennen, wenn jemand am Ziel seiner Reise angekommen ist. Der Druck auf den Stopp-Knopf entfällt somit. «Eine solche Lösung ist heute aus technischer Sicht schon möglich, und wir arbeiten daran, das schrittweise umzusetzen.»

«Tarifwirrwarr wird gelichtet»

An einem ähnlichen System arbeitet man bei der Südostbahn (SOB). Auch dort soll eine App das Ticket ersetzen: Mit dem System «Be in – be out» werden automatisch Ein- und Ausstieg registriert. «Tarifzonen brauchen die Reisenden somit nicht mehr zu interessieren, der Tarifwirrwarr wird gelichtet und den Kunden wird der günstigste Preis berechnet», sagt Ursel Kälin, Sprecherin der SOB. Im Gegensatz zur Fairtiq-Lösung erhält der Kunde hier eine Rechnung oder er kann eine Prepaid-Karte lösen. Die Umsetzung testet die SOB ab Ende September. Die Ergebnisse sollen Ende Jahr vorliegen.

Die App der Südostbahn ist Teil einer umfassenden Mobilitätsplattform. In Zukunft sollen auch weitere Dienstleistungen wie Mobility-Reservationen oder Taxifahrten zum Angebot gehören. Zudem soll es möglich sein, über die App Flüge zu buchen, Taxis zu bestellen, den Velounterstand zu reservieren oder Einkäufe zu bezahlen. «Wir möchten ein Angebot, das die gesamte Reise von der Abfahrt bis zur Ankunft abdeckt», sagt Sprecherin Ursel Kälin. Für die geplanten Zusatzangebote habe man bereits viele Anfragen von Unternehmen erhalten.

Auch SBB starten Pilotversuch

Inwiefern die SBB nachziehen können, ist noch unklar. Bereits bekannt ist, dass «in naher Zukunft» der Swisspass als App aufgeschaltet wird, wie die SBB Mitte Juli mitteilten. Und zusammen mit der BLS und Postauto haben die Bundesbahnen einen Pilotversuch mit einer eigenen App gestartet. «In der Entwicklung eines möglichen elektronischen Zugangssystems für die gesamte Branche wird der Swisspass eine zentrale Rolle spielen», sagt SBB-Sprecher Oli Dischoe.

Es sei durchaus denkbar, dass bald auch die Fernverkehrsstrecken der SBB automatisch per App erfasst und abgebucht werden, sagt Fairtiq-Chef Gian-Mattia Schucan, der bis 2013 als Vertriebschef bei der SBB arbeitete. Dass die Billettautomaten schweizweit bald gänzlich verschwinden werden, glaubt er hingegen nicht. Aber: «Irgendwann ist ein ÖV ohne Billettautomaten möglich.»

Was muss der Swisspass in Zukunft können? Was wünschen Sie sich von der SBB? Übermitteln Sie uns Ihre Fragen und wir stellen diese an der Pressekonferenz am Freitag.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Petra S. am 26.08.2016 06:38 Report Diesen Beitrag melden

    Verschiedene Lager

    Ich vermute, dass ein schwierig zu lösender Konflikt auf uns zukommt: Jene Leute welche nicht auf Schritt und Tritt überwacht werden wollen, jene welchen die Bequemlichkeit bevorzugen und denen die befürchten, dass dann der Tarif WirrWarr auf Grund dynamischer Preise noch viel krassere Formen annehmen wird. Regionales Gartenhagdenken, viele lokale Lösungen, Benutzervorbehalte und bestehende Gesetze werden den Fortschritt in der Schweiz hemmen und schlussendlich auch dieses Fachgebiet den ausländischen Firmen überlassen. Firmen die längst parallele Rechtssysteme etabliert haben.

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  • m.g. am 26.08.2016 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alle haben ein Smartphone ..

    Ich finde die Idee gut - jedoch was machen die, die kein Smartphone haben/wollen zbsp. auch Touristen welche kein Daten Roaming wollen ? Oder aus legitimen Gründen (Privat, Geschäftlich) kein Bewegungsprofil von sich wollen ? Wie ist der Datenschutz und die Sicherheit gewährleistet ? (Bei Firmen welche sagen der Datenschutz ist "vorhanden" bin ich nach 30 Jahren IT per se sowieso misstrauisch)

  • Chrigu M am 26.08.2016 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    GA und Halbtax

    Welcher Pendler braucht ein Halbtax und ein GA? Niemand, wer ein GA hat braucht kein Halbtax mehr. Bitte den Bericht besser schreiben, oder geht's darum die SBB/Swisspass bereits im 1. Abschnitt schlecht zu machen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • GPS-muffel am 26.08.2016 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    hmm da ich das GPS beim Phone

    meisten ausgeschaltet lasse, genau wie das Datenabo (man weiss ja nie, welche app gerade was an wen sendet) ... heisst das wohl bald, ich kann nicht mehr den öV nehmen, weil ohne GPS und DatenAbo keine erfassung möglich ist ?

  • Leser92 am 26.08.2016 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    ZVV wohl kaum...

    Als ob der ZVV möchte, dass man im Zürcher Tarifjungle draus kommt. Die freuen sich doch, wenn jeder zuviel bezahlt. Die werden ihr Tarifsystem garantiert nicht anpassen. Alles Gauner beim ZVV mit ihrem Wucher-Tarifsystem.

  • E. Allemann am 26.08.2016 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Innovation

    Genau dies, was dem VöV, respektive der SBB mit dem Swisspass untersagt wurde, nämlich das Datensammeln, machen nun die anderen Anbieter. Klar, bei der SBB hatte man keine Wahl. Doch Innovationen wie die automatische Berechnung der Fahrt bedingen, dass der Standort lokalisiert wird. Somit ist dies keine Innovation, denn das wollte auch der VöV und die SBB. Einzig eine anonyme Karte wäre die Lösung.

    • Jon Jones am 26.08.2016 13:16 Report Diesen Beitrag melden

      Manchester 2007 -2008 Mir ähnliches Proj

      Thus right Und nichts kann anonymisiert werden, wenn Profile zur Berechnung Der Fahrtkosten dahinter sind. Daten konsolidieren und aggregieren Und schon hast du wieder die fehlende Teile vom Profil. Alle stakeholders/ Parteien (Kreditkarten Firma, Netzanbieter, Lichtschrank-Hersteller, die Bahn, usw.) haben dann komplette PROFILE.

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  • Roger Bannwart am 26.08.2016 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre so einfach: RFID-Karte

    Dabei wäre es so einfach und auch nicht milliardenteuer: Beim Einsteigen (egal ob Zug, Bus, Taxi etc) wird auf der RFID-Karte "eingecheckt" - berührungslos und ohne Personalien. Beim Aussteigen "ausgecheckt". Die Differenz wird je nach Karte entweder dem Debit- oder Kredit-Guthaben belastet. Ich verstehe das Problem nicht. Das braucht nicht mal ein Smartphone. Nur eine wiederaufladbare RFID-Karte wie sie im Ausland schon seit Jahren problemlos und praktisch funktioniert.

    • CriticusLeserus am 26.08.2016 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Anonym und mit Karte verrechnet in Einem? Wie soll denn das gehen. Viel besser wäre eine Guthabenkarte der Tarifzone, die einfach die Strecken "verbraucht", also Prepaid.

    • urschweizer ohne smartphone am 26.08.2016 12:59 Report Diesen Beitrag melden

      @CriticusLeserus

      Es funktioniert wirklich NUR mit einer Prepaid-Karte. Denn, neben den Steurn und KrK-Prämien wird ein neues "Rechnungsfeld" eröffnet, wo man möglichst nicht zahlen wird und damit den unnötigen "Geiz-ist-Geil"-Konsum fördern wird.

    • Jon Jones am 26.08.2016 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      FALSE +ves & -ves am Lichtschrank

      RFID hat mehrere "FALSE positives and negatives" and signale über GSM. Was wie will set du die Fehlerquote minimieren? Die Lichtschränke müssen gewartet Und betrieben werden..also c´mon.

    • Leo Nauber am 26.08.2016 15:20 Report Diesen Beitrag melden

      Komplex und kompliziert muss es sein.

      Das ist für die Schweiz zuwenig kompliziert. Was machen wir mit all den Hochqualifizierten, wenn dem Bürger das Leben plötzlich vereinfacht wird?

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  • Nixweiss am 26.08.2016 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Möglichkeiten.

    Wird wohl Zeit, dass Apple zeigt, wie man es richtig macht.