Medienkonferenz

24. Februar 2020 15:55; Akt: 24.02.2020 19:01 Print

«Wir sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet»

Das Coronavirus ist in Norditalien auf dem Vormarsch. Die Tessiner Behörden versicherten an einer Medienkonferenz, für den Ernstfall gewappnet zu sein.

Kantonsarzt Giorgio Merlani sagt im Interview, wie sich das Tessin auf den Coronavirus vorbereitet. (Video: SDA)
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Eine raschere Testauswertung und mehr Spitalbetten: Am Montagnachmittag hat die Tessiner Regierung Massnahmen für den Fall eines Übergreifens des Coronavirus' auf das Tessin präsentiert. Im nahen Norditalien sind derweil die Todesfälle auf sechs angestiegen.

Die Tessiner Regierung nehme das Coronavirus sehr ernst. Dennoch gelte es, nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen, mahnte Raffaele De Rosa, Vorsteher des Departements für Gesundheit und Sicherheit.

Eine aus 20 Spezialisten bestehende Koordinationsgruppe verfolge die Situation aufmerksam, erklärte Regierungspräsident Christian Vitta. Er rief die Bevölkerung dazu auf, Vertrauen in die Experten zu haben. «Wir sind im Kanton Tessin bereit, falls ein erster Fall von Coronavirus bestätigt werden sollte.» Man sei auf verschiedene Szenarien vorbereitet.»

Neue Ausgangslage

Seit Freitag stehe fest, dass das Virus in Italien angekommen ist – und zwar bei Patienten, deren Verbindung zu China nicht mehr eruierbar sei, erklärte Kantonsarzt Giorgio Merlani. Dies habe die Ausgangslage verändert.

Jetzt gehe es im Kanton Tessin darum, sich auf erste bestätigte Fälle vorzubereiten. Es gebe bereits Verdachtsfälle. Wie viele das seien und wo sich die Patienten befänden, wollte Merlani nicht sagen. Ziel sei es nun, die betreffenden Personen möglichst rasch zu testen. «Falls sich ein Fall bestätigt, werden wir das nicht verheimlichen», versprach der Kantonsarzt.

Ab Dienstag sei es möglich, die nötigen Tests im Tessin selber auszuwerten. Bisher mussten Testergebnisse in ein Labor nach Genf gebracht werden. Neu könnten Tests innert knapp zwei Stunden ausgewertet werden, erklärte Merlani. Das sei wichtig, um bei Verdachtsfällen Zeit gewinnen zu können.

Mehr Betten und verkürzte Besuchszeiten

Ebenfalls ab Dienstag würden in den Spitälern des Kantons Massnahmen umgesetzt: So halte man mehr Betten bereit für den Fall, dass die Zahl der Verdachtsfälle ansteigen sollte. Zudem würden limitierte Besuchszeiten eingeführt um einer allfälligen Ausbreitung des Coronavirus vorzubeugen.

Falls die Zahl der Verdachts- oder Krankheitsfälle effektiv ansteigen sollte, wolle man zusätzlich mit dem Zivildienst zusammenarbeiten.

Die Koordinationsgruppe stehe in konstantem Austausch mit den Behörden in Bern sowie den italienischen Ämtern. Sie habe sich aber bewusst gegen die Schliessung von Schulen oder die Absage von Fasnachtsanlässen ausgesprochen. «Das macht im Moment keinen Sinn», erklärte Kantonsarzt Merlani.

De Rosa appellierte abschliessend an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. Bei Grippesymptomen sollten sie nicht die Notaufnahme aufsuchen, sondern die nationale Hotline 058 463 00 00 anrufen. Merlani betonte zudem: «Bei einer gewöhnlichen Erkältung gibt es keinen Grund zu glauben, man sei am Coronavirus erkrankt.» Jedes Nasenlaufen oder kleine Fieber bedeute noch lange nicht, dass man infiziert sei.

Viele Grenzgänger im Gesundheitswesen tätig

Angesprochen auf die Forderung von Lega-Politikern, die Grenzen zu schliessen, antwortete De Rosa, dass dieses Thema in den Kompetenzbereich der Eidgenossenschaft falle.

Zudem müsse man sich vor Augen halten, wie viele Grenzgänger im Gesundheitssektor tätig seien. Allein in den Spitälern arbeiteten 120 Ärztinnen und Ärzte sowie 530 Krankenpflegerinnen und -pfleger. Eine allfällige Grenzschliessung hätte unabsehbare Konsequenzen, hielt De Rosa fest. Insgesamt arbeiteten 3800 italienische Pendler im Gesundheitswesen des Kantons Tessin.

(sda/bz)