Zeugnis für Lehrer

18. Februar 2015 07:53; Akt: 18.02.2015 09:41 Print

Tests sollen schlechte Lehrer entlarven

von Ph. Flück - Um schlechten Lehrern auf die Spur zu kommen, sollen Schüler einen Leistungstest absolvieren. Nicht überall kommt dieser Vorschlag gut an.

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Laut einer Umfrage von Vimentis würde die Mehrheit der Schweizer einen Test zur Qualität der Bildung der Lehrer befürworten. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Ist Herr Meier ein guter Mathe-Lehrer? Um dies herauszufinden, soll seine Klasse in Zukunft einen einheitlichen eidgenössischen Test absolvieren. Je nachdem, wie dieser ausfällt, bekommt Herr Meier ein gutes oder ein schlechte Zeugnis ausgestellt.

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Diese Art von Leistungsmessung ist zwar nicht Realität. Aber wie eine Vimentis-Umfrage mit 21'000 Befragten zeigt, befürworten 56 Prozent einen solchen Test. 33 Prozent waren dagegen, 12 Prozent haben sich enthalten. Der Vorschlag wurde von der Mehrheit der Wähler aller Parteien von links bis rechts befürwortet. Am stärksten unterstützt wurde die Idee von der SVP: 61 Prozent der SVP-Wähler waren dafür.

Lehrer zur Verantwortung ziehen

Auch Anian Liebrand, Präsident der Jungen SVP, würde einen solchen Test begrüssen: «Um Missständen auf die Spur zu kommen, muss auch die Leistung von Lehrern besser gemessen werden.» Dies sei dringend notwendig, denn im Zug der «überbordenden Schulreformen» sei die Leistungsmessung in Schulen stark relativiert worden. Das zeige sich etwa in der Abschaffung der Noten in der Primarstufe. «Wie kann man da noch herausfinden, ob ein Lehrer seinen Schützlingen den Schulstoff gut genug vermittelt?», fragt sich Liebrand. Er fordert zudem: «Es wäre wichtig, dass wieder stärker auf das System mit einem einzigen Klassenlehrer gesetzt wird.» Nur so könne dieser auch zur Verantwortung gezogen werden.

Liebrand ist auch überzeugt davon, dass die Forderung nach einheitlichen Leistungstests mit dem schwindenden Vertrauen der Bevölkerung in die Lehrkräfte zu tun habe: «Heute gibt man die Schuld meistens dem Lehrer, wenn es in der Schule nicht klappt.» Dies sei keine erfreuliche Entwicklung, da sie die Stellung der Lehrkraft schwäche. Einige Lehrer seien aber am Vertrauensschwund selber schuld: «Vielen Lehrern steht es gut an, ihre Schüler nicht mehr politisch zu beeinflussen. Das wird nicht goutiert.»

Ressourcen statt Tests

Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, hält nichts von einem solchen Leistungstest: «Um zu verhindern, dass schlechte Lehrer unterrichten, muss man diese nicht etwa testen, sondern dafür sorgen, dass sie eine gute Ausbildung absolvieren können.»

Auch müsse man einem Lehrer genügend Ressourcen wie beispielsweise Schulmaterialien und genügend Betreuungszeit zur Verfügung stellen. Und Schüler sollten ihren Lehrkräften laufend Feedbacks geben können. Zemp gibt weiter zu bedenken: «Die Qualität des Lehrers ist nur ein Faktor unter vielen, der die Leistung der Schüler beeinflusst.»

«Eltern haben höhere Erwartungen»

SVP-Nationalrätin Verena Herzog ist ebenfalls nicht überzeugt vom Vorschlag, die Lehrer mittels eines Tests auf ihre Qualität zu prüfen: «Ein solcher Test wäre mit viel zu grossem bürokratischem Aufwand verbunden.» Viel besser seien regelmässige Schulbesuche durch Fachpersonen und Eltern. So könne die Führungsqualität, die Motivation und die Freude an der Arbeit mit Kindern beurteilt werden, alles Voraussetzungen für einen erfolgreichen Unterricht.

Herzog sieht die Ursache für das schwindende Vertrauen in die Lehrpersonen darin, dass viele Eltern den Wunsch hätten, dass ihr Kind die Matura erlange: «Wenn ein Kind dann die erwünschten Leistung nicht erbringt, geben die Eltern dem Lehrer die Schuld dafür.» Dies hänge auch damit zusammen, dass Eltern die Erziehungsverantwortung immer mehr an die Schule delegierten, dabei sei die Aufgabe der Lehrpersonen prioritär die Stoffvermittlung.

Mit Lehrern zufrieden

«Ich bin zwar nicht grundsätzlich dagegen, Lehrer auf ihre Qualität zu überprüfen. Doch mit einem solchen Test würde man nur die Fähigkeit eines Lehrers, den Stoff zu vermitteln, prüfen, aber nicht seine anderen Qualitäten», verwirft auch die Co-Präsidentin des Vereins Schule und Elternhaus Kanton Bern, Andrea Aeschlimann, den Vorschlag.

Das Schwinden des Vertrauens in die Lehrkräfte findet sie nicht tragisch: «Ich glaube, die Lehrer sind objektiv gesehen sogar besser als früher.» Durch die neuen Medien hätten aber die Eltern gelernt, alles kritisch zu betrachten. «Trotzdem muss ich sagen, dass die allermeisten Eltern mit den Lehrkräften sehr zufrieden sind.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vater am 18.02.2015 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schüler fragen!

    Die Schüler wissen welche Lehrkräfte gut sind und welche schlecht. Nur will das Feedback keiner hören. Auch die Schulleitung und das Kollegium wissen sehr wohl Bescheid, wollen aber nichts tun, das wär ja auch unangenehm und es müsste entschieden werden.

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  • Berufsschullehrer am 18.02.2015 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, aber...

    Gute Idee. Und gleich noch einen Eignungstest für Politiker einführen!

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  • Y.S. am 18.02.2015 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    System USA

    Dieses System (Einheitstests) existiert in den USA mit dem Ergebnis, dass gewisse Lehrer ihre Schüler nur noch auf diese Tests vorbereiten. Wollen wir das wirklich?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Largo am 18.02.2015 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Lehrer mehr

    Nur noch Lehrer an Leistungsstarken Klassen in bildungsnahen Orten denn da ist die Wahrscheinlichkeit gross gut zu sein.

  • JAR am 18.02.2015 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrer UND Politiker

    Ja, das ist eine gute Idee. Gleichzeitig prüfen wir auch noch die Politiker. Welcher Politiker hält seine Wahlversprechen ein? Noten 1 (ungenügend) bis 6 (sehr gut)

  • Un Bekannt am 18.02.2015 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind wir hier??

    Tolle Idee und wenn wir dabei sind überprüfen wir all die inkompetenten Bildungsbeauftragten, Politiker und von sich überzeugten Experten ...

  • Künftiger Lehrer am 18.02.2015 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Ja, gute Idee. Und dann kann man noch einen Test für Eltern einführen. Aber nein, die sind ja fehlerfreie Menschen. ;)

  • Mami am 18.02.2015 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wertet den Lehrberuf auf....

    ...dann bekommt ihr auch gute Lehrer! Ich habe zwei Kinder. Mein erstes hat seit dem Kindergarten immer TOP Lehrkräfte gehabt. Ich war von Anfang an sehr positiv von der Kompetenz und dem Engagement überrascht. Mein zweites hatte von Anfang an Pech. Wenn man beide Seiten kennt, kann man behaupten, dass die Lernbereitschaft und der Erfolg der Kinder direkt mit dem Können der Lehrkraft zusammen hängen KANN.