Beschattungsaffäre bei CS

25. September 2019 13:15; Akt: 25.09.2019 14:24 Print

Thiam verstellt Khan die Seesicht mit Bäumen

Neue Details in der Beschattungsaffäre bei der CS: Der Streit zwischen Chef Tidjane Thiam und seinem Spitzenmanager Iqbal Khan eskalierte nach einem alkoholreichen Abend.

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Der Verwaltungsrat der Credit Suisse will den Beschattungsvorwürfen des zur UBS wechselnden Topmanagers Iqbal Khan auf den Grund gehen. Das kündigten CS-Konzernchef Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter an. Die Medienberichte der letzten Tage seien «sensationsgetrieben», schreibt CS im Memo. Zweifelsohne hat der Machtkampf zwischen Tidjane Thiam (57) und Iqbal Khan (43), Leiter der internationalen Vermögensverwaltung, alle Zutaten für einen spannenden Thriller.

Wie der Streit eskalierte

Laut dem «Tages-Anzeiger» hat der Konflikt zwischen Thiam und Khan im vergangenen Januar begonnen. Der CS-Konzernchef lud an einem Winterabend Khan und seine Frau sowie weitere CS-Mitarbeiter samt Begleitung zu einem Umtrunk bei sich zu Hause in Herrliberg ZH ein. Die Khans hatten erst kürzlich das Anwesen neben Thiams Villa bezogen.

Am Schluss des Abends – und mit offenbar zu viel Alkohol intus – kam es dann zum Streit, der laut Zeugen so heftig war, dass Khans Frau die beiden Männer nur knapp voneinander trennen konnte, bevor es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung kam.

Der Inhalt der Auseinandersetzung

Über den Inhalt des Streits gehen die Versionen auseinander. Thiam behauptet, Khan habe sich an jenem Abend unangemessen verhalten, der Konflikt habe mit seiner Arbeit bei der CS nichts zu tun. Khan seinerseits behauptet, dass der Konflikt sehr wohl mit seiner Leistung bei der Credit Suisse zu tun gehabt habe.

Während Thiams geplanter Börsengang abgeblasen werden musste und das hochgelobte Asiengeschäft nicht die Erwartungen erfüllte, fuhr Khans Division, die internationale Vermögensverwaltung, Milliardengewinne ein. Thiam sei zunehmend entnervt darüber gewesen, sah Khan sogar als eine Bedrohung für seine Machtposition. Dabei hatte Thiam seinen Mitarbeiter lange als eine Art Ziehsohn betrachtet. «Ich habe Iqbal erfunden», soll er laut «Tages-Anzeiger» immer gesagt haben.

Zerrüttete Beziehung führt zu Khans Kündigung

Iqbal Khan rapportierte den Streit an den Verwaltungsrat. Verwaltungsratspräsident Urs Rohner versuchte in der Affäre zu moderieren – erfolglos. Doch die Zusammenarbeit war seither schwierig: Auf Mails wurde mit Verspätung geantwortet, es sollen gar abfällige Bemerkungen gefallen sein. Fünf Monate später reichte Khan seine Kündigung ein. Ab dem 1. Oktober tritt er seinen neuen Job als Co-Leiter der Sparte «Global Wealth Management» bei der UBS an.

Die Bespitzelung beginnt

In einer im Juni abgeschlossenen Austrittsvereinbarung verpflichtete sich Iqbal Khan, keine seiner früheren Kollegen bei der Credit Suisse abzuwerben. Doch Thiam vertraute ihm nicht, meinte sogar, sein Mitarbeiter habe eine Liste von CS-Kollegen zusammengestellt, die er abwerben wolle. Thiams Vertrauter Pierre O. Bouée und sein globaler Sicherheitschef Remo Boccali engagierten die Detektei Investigo aus Otelfingen ZH, um Khan zu überwachen.

Die Überwachung gerät aus dem Ruder

Am Dienstag vor einer Woche wurden Khan und seine Frau im Auto in der Zürcher Innenstadt von drei Männern in einem anderen Wagen verfolgt. Dem 43-jährigen Banker fielen die Detektive auf. Er bremste ab und machte Fotos vom Autokennzeichen sowie von seinen Beschattern. Diese versuchten daraufhin Khan das Handy zu entreissen, es kam zu einem Gerangel. Die Männer konnten zunächst fliehen, wurden aber von der Polizei ausfindig gemacht und vorübergehend festgenommen. Gegenüber der Polizei gab die Credit Suisse zu, dass sie die drei Männer für die Beschattung Kahns angeheuert hatte.

Die Folgen der Beschattungsaffäre

Laut «Tages-Anzeiger» kann die Affäre CS-Chef Tidjane Thiam oder jemandem aus dessen Entourage den Kopf kosten.

Im Alltag hat der Streit bereits Konsequenzen: Thiam liess auf seinem Grundstück in Herrliberg zwei grosse Bäume pflanzen. Sie stehen an der Grenze zu Khans Grundstück – so, dass sie ihm die Aussicht auf den See versperren.

Hat Ihr Nachbar Sie auch schon mit miesen Aktionen schikaniert? Oder haben Sie selber einem Nachbarn extra geschadet? Erzählen Sie uns davon hier:

(kle)