Leidende Güggeli

28. Januar 2016 22:39; Akt: 28.01.2016 22:39 Print

Tierschützer dringen in Schweizer Hühnerfarm ein

Kranke und tote Tiere, Kannibalismus unter den Hühnern: Verdeckte Aufnahmen aus einem Bauernbetrieb im Kanton Freiburg sorgen für Empörung.

Tierschützer präsentieren verdeckte Aufnahmen aus einer Hühnerzucht im Kanton Freiburg.
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Die Westschweizer Organisation Pea (Pour l’Egalité Animale) prangert die Haltungsbedingungen von Schweizer Masthühnern an: In einem Video von einem Betrieb nahe Payerne VD ist zu sehen, wie rund 7000 Hühner auf engem Raum gehalten werden. Einige der Hühner zittern, sind offenbar krank, Tierkadaver liegen am Boden. «Es gibt verletzte, kranke Tiere, teilweise mit ausgerenkten Gliedmassen, die keinerlei Pflege erhalten und gleichgültig dem Tod überlassen werden», schreiben die Aktivisten.

Sie fordern in einer Petition mehr Transparenz bei der Schweizer Hühnerzucht – bis hin zu Webcams in den Ställen. Gemäss Pea soll der kritisierte Betrieb noch besonders artgerechte Haltung versprechen. Das Poulet werde unter dem Label IP-Suisse vertrieben.

IP-Suisse und Bauer prüfen Klagen

Das dementiert IP-Suisse-Geschäftsführer Fritz Rothen: «Der Bauer ist Mitglied bei uns, er produziert Geflügel aber nicht mehr unter dem Label IP-Suisse.» Mitglieder müssen laut Rothen nur etwas mehr als die Mindeststandards gemäss dem Schweizer Tierschutzgesetz erfüllen. Für Geflügel, das etwa bei Manor unter dem Label verkauft wird, gälten aber strengere Bedingungen. «Dazu gehört, dass die Hühner nach draussen können. Das ist in besagtem Betrieb nicht der Fall.»

Rothen betont, dass bei Verdachtsfällen innert 24 Stunden Kontrollen vor Ort durchgeführt würden. Zudem überprüften Experten die Betriebe mindestens einmal pro Jahr vor Ort. Zur Forderung nach Webcams sagt Rothen, dass bereits einige der Label-Betriebe solche auf ihrer Website eingebunden hätten. Wegen Rufschädigung prüft der Verein nun rechtliche Schritte gegen die Tierschützer.

Auch der Bauer will wegen Hausfriedensbruchs gegen Pea klagen. Durch das nächtliche Eindringen sollen die Hühner dermassen in Panik geraten sein, dass einige Tiere starben. Gegenüber «Le Matin» sagt der Bauer: «Der Vorfall ist unerhört. Sie haben zwei Tafeln ignoriert, die den Zutritt verbieten.» Es sei, als wenn man bei den Tierrechtlern, die sich Vegetarier nennen, an den Kühlschrank gehe, um zu schauen, ob es darin Poulet oder Gänseleber habe.

«Trauriger Normalzustand»

Die Aufnahmen schockieren den Freiburger Kantonstierarzt Grégoire Seitert nicht. Er überwacht, ob das Tierschutzgesetz eingehalten wird, und sagt, dass die Haltung an sich «normal» sei. Mit 14 Verlusten bei 7000 Tieren sei man unter der üblichen Anzahl. «Der einzige Vorwurf, den man unter Umständen machen kann, ist, dass die Kadaver vom Bauern nicht direkt entfernt wurden, ebenso wie das verletzte Huhn und die drei kranken Tiere.» Auch Seitert kritisiert das nächtliche Eindringen der Aktivisten: Sie hätten sich nicht auf Salmonellen getestet und damit grundsätzliche Sicherheitsregeln verletzt.

Pea reagiert gelassen auf die angedrohten Klagen: «Die Bilder sprechen für sich. Sie zeigen den traurigen Normalzustand in der Schweiz», sagt Sprecher Fabien Truffer. Die Kritik richte sich nicht gegen den betroffenen Bauern, sondern gegen das System. «Viele meinen, dass die Schweiz ein Paradies für Tiere ist. Doch davon sind wir meilenweit entfernt.» Ziel der Organisation sei es, dass keine Tiere mehr für den Fleischkonsum geschlachtet würden. Es gebe Alternativen – etwa Linsen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • strubeli1 am 28.01.2016 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Da denkt man soll Fleisch in der Schweiz kaufen,hier ist die Welt noch in Ordnung...Nei sowas,heute ist nur noch Profit und alles andere ist egal...Verstehe langsam gibt es immer mer Vegetarier...Zum Heulen

  • Anubis am 29.01.2016 05:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn wunderts

    ich bin kein vegetarier kein veganer nichts aber es ist schon so. Du kannst nicht die billigen Eier kaufen und denken du seist ein tierlieber Mensch. Deshalb kaufe ich nur Bioeier auch wenn sie doppelt so teuer sind.

  • charlylena am 29.01.2016 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..wird auch zeit..

    ..das die wahrheit mal ans licht kommt..so geht das doch nicht weiter..mehr respekt gegenüber den tieren..denn was wären wir ohne sie?

Die neusten Leser-Kommentare

  • FITZOO am 29.01.2016 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja.....

    Schwarze Schafe gibt es immer wider. Man darf aber nicht alle wider in den gleichen Topf werfen.

  • charlylena am 29.01.2016 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..wird auch zeit..

    ..das die wahrheit mal ans licht kommt..so geht das doch nicht weiter..mehr respekt gegenüber den tieren..denn was wären wir ohne sie?

  • hul am 29.01.2016 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zielt auf was ab ?

    Bitte überlasst es mir, ob und wann ich Vegetarier oder noch extremer werden will.

  • kein Vegetarier am 29.01.2016 05:44 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehlung

    Ich kann dazu nur sagen, esst weniger Fleisch. Die Betonung liegt auf WENIGER .

  • anna am 29.01.2016 05:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    zum glück kann ich dies anschauen ohne schlechtes gewissen haben zu müssen.