Tiktok-Mami

21. November 2019 04:48; Akt: 21.11.2019 10:33 Print

«Folgt euren Kindern auf Social Media!»

von B. Zanni - Mutter Corinne Lehmann weiss genau, was ihre Tochter auf Tiktok oder Instagram treibt. Sie findet, dass alle Eltern so vorgehen sollten.

Mutter Corinne Lehmann und Tochter Jenny erklären, warum Eltern ein Auge auf die Profile ihrer Kinder haben sollen. (zvg./20Min)
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In einem knappen Top posierte die 14-jährige Jenny Lehmann einmal auf Tiktok. Andere Male markierte sie Fotos von Jungs mit Herzchen. Lange waren das Video mit dem Top und die Herzchen nicht online. Ihre Mutter Corinne Lehmann pfiff ihre Tochter sofort zurück. «Das Top war zu freizügig und mit den Herzchen hätte sie schon bald den Ruf gehabt, immer wieder einen neuen Jungen am Start zu haben. Ich bat Jenny deshalb, diese Beiträge zu löschen», sagt Lehmann.

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Was halten Sie davon, wenn Eltern ihren Kindern auf Social Media folgen?

Für Lehmann, die als corinne_zhh selbst auf Tiktok sehr aktiv ist und dort knapp 300 000 Follower hat, ist es selbstverständlich, die Aktivitäten ihrer Tochter auf Social Media zu prüfen und nötigenfalls einzugreifen. «Alle Eltern sollten ihren Kindern auf Social Media folgen», fordert die 35-jährige Zürcherin. Was auf Social Media teilweise abgehe, sei schrecklich und gefährlich. «Es gibt Zehnjährige, die auf Snapchat Beleidigungen und Morddrohungen aussprechen. Ich frage mich, was passieren würde, wenn ihre Eltern das wüssten.»

«Leute drohten meiner Tochter»

«Gottefroh» sei sie, allen Profilen ihrer Tochter zu folgen, so Lehmann. Dadurch habe sie frühzeitig die Polizei informieren und ein schlimmes Cybermobbing gegen sie stoppen können. Jenny habe einer Freundin in einem Konflikt einmal eine beleidigende Sprachnachricht geschickt. «Plötzlich kursierte diese Sprachnachricht auf Social Media. Einige Leute drohten Jenny, sie deswegen mit einem Messer zu erstechen.»

Auch Jenny hat nichts gegen die Einmischung ihrer Mutter. «Zuerst fand ich es peinlich, weil niemand von meinen Kollegen Eltern hat, die auf Social Media sind.» Danach habe sie es aber befürwortet. «So weiss meine Mutter, was ich mache, und kann mich auch schützen.»

Vater als Spion

Ähnlich geht Vater B. S.* vor. Er sagt, er habe auf Instagram, Facebook und Snapchat einen Fake-Account erstellt, um seiner Tochter (14) «nachzuspionieren». «Das Fake-Konto sieht aus wie jenes eines typischen Jugendlichen.» Mit dem Spionieren wolle er alle ihre Abonnenten und Aktivitäten überprüfen, um sie vor Gefahren zu schützen. «Ich hatte das Gefühl, dass sie keine Kontrolle über die sozialen Medien hat und sich die ganze Zeit mit fremden Leuten trifft», so der Vater.

Jugendarbeiter und Medienpädagoge Ivo Kuster bestätigt, dass viele Eltern ihren Kindern auf Social Media folgen. «Oft sind beide Eltern berufstätig. Aus Angst, dass ihnen ihr Kind deshalb leicht entgleiten könnte, kontrollieren sie seine Aktivitäten auf den Apps.» Andere befürchteten etwa, dass die Kinder zu Privates aus dem Haushalt veröffentlichten.

«Viele Eltern geraten zu schnell in Panik»

Solange Eltern dem Nachwuchs die Kontrolle transparent machen, sind Follower-Eltern laut Kuster in Ordnung. Folgten sie ihrem Kind heimlich, sei dies jedoch eine Verletzung der Privatsphäre. «Das ist etwa so hinterhältig, wie wenn sich Eltern an einer Klassenparty in einem Busch verstecken.» Grundsätzlich rate er von dem Einklinken in die Social-Media-Welt des Nachwuchses ab. «Viele Eltern geraten zu schnell in Panik, weil sie ihre Witze gar nicht schnallen oder ein harmloses Video falsch interpretieren.»

Zudem hinderten Eltern ihre Kinder am Ablösungsprozess, steckten sie ständig ihre Nase in deren Profile, hält Kuster fest. «Letztlich nutzen Jugendliche gern immer wieder neue Plattformen, wo Eltern nicht zugegen sind.» Auch L. H.* sagt, dass ihre Eltern sie auf den sozialen Medien «zum Glück» nicht kontrollieren. «Sie vertrauen mir und wissen, dass ich keinen Unsinn hochlade. Wäre meine Mutter jedoch auf Insta, Snap etc., wäre mir das eher unangenehm», so die 19-Jährige.

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alter Sack am 21.11.2019 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Generation

    Bin echt froh und dankbar, dass ich ohne diesen Quatsch aufgewachsen bin.

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  • Fräulein30 am 21.11.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Empfehlung

    Tiktok, Instagram und Co. erst recht gar nicht nutzen. Macht mehr Sinn.

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  • Flatline am 21.11.2019 06:22 Report Diesen Beitrag melden

    Nötig?

    Ich lebe ganz ohne Social Media und Hurra: ich lebe! Meine Tochter (19) hat nach üblen Beschimpfungen und Morddrohungen Instagramm gelöscht und sie sagte mir letzthin, dass sie nichts vermisst...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • domi am 21.11.2019 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kontrollwahn

    ja natürlich sollten Eltern die Kinder begleiten, wenn's um soziale Medien geht. Nur nicht so - wer kontrolliert denn eigentlich die Mutter?

  • Kingdomcreed am 21.11.2019 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute wie damals!

    Habe mit meinen Kindern oft über Soziale Medien und das Internet gesprochen, wenn ich wollte könnte ich sie kontrollieren aber ich Vertrauen ihnen. Natürlich habe ich ihnen klsr aber auch zu verstehen gegeben, wenn ich mal was mitbekomme das sie sich nicht an das Halten was wir ihnen vorschreiben, dann hagelt es halt Strafen. Natürlich ist mir bewusst das sie es öfters versuchen werden auf Seiten zu gelangen bei dennen sie nichts verloren haben aber, seien wir doch ehrlich auch wir waren kein bisschen besser in unserer Zeit für damalige Verhältnisse. Meine meinung ist wenn man sein Kind auf seiten Kontrolliert oder bei Whatsapp ist das nichts anderes wie in einem Tagebuch seines Kindes zu Spionieren, was das letzte ist für Eltern.

  • YousefAli am 21.11.2019 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Ich vertraue meiner Tochter. Das ist also nicht nötig. Man muss halt seine Kinder richtig erziehen und dann kommt auch nichts und nein nicht meinen man kann ein Kind in der Pubertät erziehen man muss lange vorher anfangen.

  • Danydee am 21.11.2019 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mein Ansatz

    Immer mehr wird einem bewusst, in welchem Wahnsinn manche Leute leben. So zieht man also heute selbstbewusste und selber denkende Kinder auf. Ich stelle mir vor, meine Mutter wäre mir auf dem Spielplatz überallhin gefolgt und hätte jedwedes kommentiert. Nicht ganz dasselbe, aber für mich trotzdem unglaublich, was für manche Normal ist. Wir konnten noch bei Bedarf Probleme danach beim Abendessen diskutieren. Es gibt durchaus Kinder ab 12, die den Unsinn beginnen selber einzusehen, geben wir ihnen doch die Chance dazu. Das Fremdwort das mir dabei in den Sinn kommt: intrinsische Motivation.

  • Lukas F. am 21.11.2019 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Haltet eure Kinder so lange wie möglich von Social Media fern...Mehr gibts nicht zu sagen...