Extinction Rebellion

07. Oktober 2019 19:55; Akt: 08.10.2019 08:55 Print

«Ich will den Kindern in die Augen schauen können»

Extinction Rebellion kämpft seit heute weltweit mit «zivilem Ungehorsam» fürs Klima. Der Schweizer Aktivist Serge Miserez (41) sagt, wie weit er dafür gehen würde.

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Heute protestieren Klimaaktivisten auf der ganzen Welt – ausser in der Schweiz. Warum nicht?
In der Schweiz hatten wir bereits im September eine Woche mit Aktionen in verschiedenen Schweizer Städten. Dabei wurde etwa die Limmat in Zürich grün eingefärbt, durch Luzern zog ein
Trauermarsch und in Lausanne wurden Strassen und Brücken blockiert. Diese internationale Rebellion konzentriert sich auf die
grossen Hauptstädte. Die Aktionen müssen zudem sehr sorgfältig geplant werden, damit sie sicher und friedlich ablaufen. Das bedeutet einen hohen Zeitaufwand.

Was will Extinction Rebellion?
Extinction Rebellion hat drei Ziele: Erstens muss die Wahrheit über die Klimakatastrophe in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die Leute sollen erfahren, was mit der Klimaerhitzung alles auf sie zukommt. Zweitens müssen Bundesrat und Parlament sofortige Massnahmen treffen und drittens soll sich die Politik
von den Entscheidungen von Bürgerversammlungen leiten lassen.

Klimaaktivisten haben heute Strassen gesperrt und sich an Autos angekettet. Menschen müssen im Stau stehen, kommen zu spät zur Arbeit, verpassen Termine. Ist der Protest der richtige Weg?
Das ist uns unangenehm. Aber leider ist es notwendig. Die Auswirkungen der Klimakrise sind viel dramatischer. Laut dem Weltklimarat müssen wir bis 2040 die Treibhausgas-
emissionen auf netto null absenken, um keine Erderwärmung um über 1,5 Grad zu riskieren.

Wie weit würden Sie fürs Klima gehen?
Petitionen, Initiativen und Demonstrationen gab es viele und sie hatten nur zum Teil einen Effekt. Deshalb sehe ich zivilen Ungehorsam als letztes Mittel und nehme dafür auch eine Busse in Kauf. Dabei ist Gewaltfreiheit oberstes Ziel. Dafür halten wir sogar Kurse ab.

Würden Sie sich fürs Klima an ein Auto ketten?
Ich persönlich nicht. Aber darum geht es auch nicht. Solche Aktionen retten das Klima nicht, das wissen wir. Aber wir können nicht weitermachen mit Business as usual. Solche Aktionen sind leider notwendig, weil sonst einfach nicht auf die Wissenschaft gehört wird.

«Extinction Rebellion will Öko-Regime: Rebellen nehmen Wirtschaftskollaps in Kauf», titelte heute Focus. Pflichten Sie bei?
Nein. Extinction Rebellion möchte den Gesamtkollaps verhindern. Es ist klar, dass sich dafür die Wirtschaft sehr schnell ändern muss. Untätigkeit wird für die Wirtschaft und die Gesellschaft noch viel drastischere Folgen haben – es drohen Hungersnöte und Massenvertreibungen ungeahnten Ausmasses. Und das wollen wir verhindern. Es geht ums Leben, nicht um die Wirtschaft.

XR fordert, die Emission von Treibhausgasen bis zum Jahr 2025 auf null zu senken. Diese Forderung liesse sich in so kurzer Zeit wohl nur um den Preis eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Industrieländer verwirklichen. Wäre es das wert?
Wichtig ist, dass wir sofort mit ernsthaften Massnahmen beginnen. Je später wir beginnen, desto schneller
muss es dann gehen und desto grösser ist das Risiko für Chaos.

Eine der Forderungen von Extinction Rebellion sind Bürgerversammlungen. Wollen Sie die bestehende Demokratie abschaffen?
Im Gegenteil, es ist ein Schritt zu mehr Basisdemokratie. Personen werden per Losverfahren ausgewählt, um unter Zuhilfenahme von Wissenschaftlern bindende Entscheide zu fällen. Wir wollen mehr Demokratie und weg von einer Lobbyisten-Demokratie.

Warum sind Sie in der Klimabewegung so engagiert?
Weil uns inzwischen praktisch die gesamte Wissenschaft eindringlich auffordert, sofort zu handeln. Und ich habe selbst Kinder. Ich möchte ihnen später in die Augen schauen können.

Inwiefern leben Sie klimabewusst?
Wie viele andere versuche ich es. Trotzdem sind wir weit entfernt von klimaneutral. Die Möglichkeiten als Person sind allerdings stark eingeschränkt. Wir haben es uns als Gesellschaft mit Öl, Kohle und Gas gemütlich gemacht. Davon müssen wir als
Gesellschaft weg.

Sind in der Schweiz weitere Aktionen geplant?
Selbstverständlich, es werden weitere Aktionen in der Schweiz stattfinden. Das Problem der Klimaerhitzung wird täglich grösser, und die Regierung unternimmt nichts.

(mg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kein Fan am 07.10.2019 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit!

    Andere blockieren, welche zur Arbeit müssen. Sollte bestraft werden!

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  • Reini am 07.10.2019 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervt nur

    Ja, was soll man dazu sagen? Ich kann nur Schulter zucken und weiterleben. Die Umwelt schätzen, kein littering zu betreiben, kein Wasser zu vergeuden und meinen Abfall zu trennen. Und das tu ich ohne Geschrei oder Gejammer! Nur aktiv werden hilft, alles andere ist bloss heisse Luft! und nervt unglaublich!!

    einklappen einklappen
  • Schutz Aber Nicht Terror am 07.10.2019 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbot

    Die Behörden sollen den Klimaterror verbieten! Das hat nichts mehr mit Klimaschutz zu tun. Verblödet die Menschheit

Die neusten Leser-Kommentare

  • Klaus Von Burg am 09.10.2019 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildhaft sein!

    Alle Klimaaktivisten und - Innen müssen sich unter anderem unfruchtbar, bzw. zeugungsunfähig machen lassen damit nicht noch mehr Menschen die Erde belasten. Das wäre mal vorbildhaftes und glaubhaftes Handeln. Bloss mit Störaktionen ändert sich nichts.

  • Power Max am 09.10.2019 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben

    Sehr nett ausgedrückt, «zivilem Ungehorsam». In wirklichkeit sind dies extreme Ökoterroristen die vor Gewalttaten nie zurückschrecken.«Die Leute sollen erfahren, was mit der Klimaerhitzung alles auf sie zukommt». Das wissen nun wirklich alle, aber euer sektiererisches Gejammer geht jedem extrem auf den Wecker. Haupsache selber nichts leisten und sich von den "Alten" finanzieren lassen. Und diese Jungen sollen die Zukunft von Morgen sein? Na dann gute Nacht !

  • Doris R. am 09.10.2019 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Hören wir doch gleich auf zu Atmen

    Ja genau senken wir den CO2 Ausstoss auf Null, dann gehen die Pflanzen auch bald ein. Oh nein auf Null zu senken geht gar nicht. Hören wir doch alle auf zu atmen, achso Tier und Pflanzen inbegriffen, vielleicht klapp es ja dann. Fast alle renomierte Wissenschaftler sagen genau das Gegenteil von dem was hier steht. Die Menschheit muss immer einen Schuldigen finden, warum nicht sich selbst. Da kann ich nur den Kopf schütteln.......

  • Rasputin am 09.10.2019 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Anfang ist ja schon gemacht?

    Was wollt ihr mehr: Die EU hat sogar das Plastikbesteck verboten! Wir ergreifen schon Massnahmen, die kein Problem darstellen. Was ist dann wenn wir auch noch die PET-Flaschen verbieten, die das einzige Problem sind?!!! (Ironie off)

  • hickory am 09.10.2019 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    bevor man

    den angeblichen Beweisen der Forscher zu den CO2 Ursachen der Klimaerwärmung Glauben schenkt, sollte man sich vorher die Fakten wie die Forschung und die Unis heute funktionieren anschauen. Der Film Cholersterin der grosse Bluff, gestern auf Arte TV, wird einigen die Augen öffnen.