Beef um Merkblatt

15. Mai 2019 11:48; Akt: 15.05.2019 11:48 Print

Bund rät zu Vegi-Buffet – Fleisch-Lobby wehrt sich

Zwei Drittel eines Buffets sollten vegetarisch sein, empfiehlt der Bund in einem Merkblatt für nachhaltige Verpflegung. Nun muss sich der Bundesrat dazu äussern.

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Ginge es nach den Empfehlungen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), gehören fleischlastige Apéros bald der Vergangenheit an. Mindestens zwei Drittel eines Buffetts sollten sich aus vegetarischen Produkten zusammensetzen. Das Vegetarische sei zudem an erster Stelle zu platzieren, steht in einem Merkblatt für nachhaltige und umweltfreundliche Verpflegung, das sich an Veranstalter von Apéros richtet. Der Veranstalter sollte zudem auf umweltfreundliche Labels achten und möglichst bio, regional und saisonal einkaufen. SVP-Nationalrat Franz Ruppen nervt sich an dem Merkblatt und reichte eine Interpellation dazu ein: «Ich finde das Merkblatt an und für sich nicht gut und die Empfehlung, dass zwei Drittel des Apéros vegetarisch sein sollen, auch nicht. Der Bund soll sich da nicht einmischen. Haben wir denn keine anderen Probleme?», so der Politiker. Auch beim Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) ist man über das Merkblatt nicht erfreut: «Ich finde es absolut unverständlich und völlig inakzeptabel, wenn sich ein Bundesamt derart einseitig für einzelne Ernährungsweisen wie die vegetarische Ernährung bzw. Bio positioniert», sagt Direktor Ruedi Hadorn (im Bild). Laut Hadorn gehöre Fleisch zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Das entspräche auch der Natur des Menschen als Allesesser. Swissveg hingegen verteidigt die vegetarischen Empfehlungen des Bafu: «Die Ernährung ist der grösste Faktor, der die Umwelt beeinflusst. Produkte tierischen Ursprungs weisen eine erheblich schlechtere Ökobilanz auf, als Früchte, Gemüse oder Getreide», argumentiert Sprecherin Danielle Cotton. Auf die Kritik von Ruppen, der Bund würde die Schweizer mit solchen Empfehlungen erziehen wollen, kontert sie: «Wie beim Konsum von Alkohol und Zigaretten stellt der Staat Regeln auf.» Ein staatliches Eingreifen sei angebracht, da häufiger Fleischkonsum krebserregend sei und sich negativ auf die zukünftigen Lebensbedingungen der Schweizer auswirke. Gleichzeitig räumt sie aber auch ein, dass andere Produkte wie Käse oder Butter einen grösseren ökologischen Fussabdruck hinterlassen können, als manche Fleischsorte. Wer wirklich umweltfreundlich essen wolle, für den seien pflanzliche, also vegane Produkte, unumgänglich.

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Mindestens zwei Drittel eines Apéros sollten sich aus vegetarischen Produkten zusammensetzen. Das Vegetarische sei zudem an erster Stelle zu platzieren, empfiehlt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einem Merkblatt für nachhaltige und umweltfreundliche Verpflegung, das sich an Veranstalter von Apéros richtet.

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Möglichst bio, regional und saisonal sollte es sein: Bio-Apfelsaft vom Hochstamm, regionale Früchte und Gemüse mit Bio-Label. Für Übriggebliebenes sollen Schalen und Säckchen aus nachhaltigem Material bereitgestellt werden, damit Teilnehmer es mitnehmen können.

«Haben wir keine anderen Probleme?»

SVP-Nationalrat Franz Ruppen hat dazu nun eine Interpellation eingereicht. Das Merkblatt sei «überflüssig» und eine «Bevormundung»: «Ich finde das Merkblatt an und für sich nicht gut und die Empfehlung, dass zwei Drittel des Apéros vegetarisch sein sollen, auch nicht», erklärt er gegenüber 20 Minuten. «Der Bund soll sich da nicht einmischen. Haben wir denn keine anderen Probleme?»

Vom Bundesrat möchte er zudem wissen, ob mit solchen Empfehlungen, die Fleischbranche und das Metzgergewerbe nicht benachteiligt würden. «Die Problematik mit dem Treibhauseffekt ist den Leuten bewusst, sodass sie auch eigenverantwortlich handeln können», sagt er.

«Fleisch muss als Sündenbock herhalten»

Der Vorschlag des Bafu sorgt auch beim Schweizer Fleisch-Fachverband für Verstimmungen: «Ich finde es absolut unverständlich und völlig inakzeptabel, wenn sich ein Bundesamt derart einseitig für einzelne Ernährungsweisen wie die vegetarische Ernährung beziehungsweise Bio positioniert», sagt Direktor Ruedi Hadorn. Damit werde von offizieller Seite der falsche Eindruck erweckt, dass all die übrigen Ernährungsweisen im Vornherein schlecht seien, so sein Argument.

Weiter beschwert er sich, dass Fleisch derzeit für alles, so auch für die Klimadiskussionen, als Sündenbock herhalten müsse: «Wir wehren uns entschieden gegen die mittlerweile verbreiteten Schwarz-Weiss-Debatten, da die Gründe dahinter viel komplexer und vielschichtiger sind.» Zu einer ausgewogenen Ernährung gehöre Fleisch dazu, was auch der Natur des Menschen als Allesesser entspreche.

«Staatliches Eingreifen angebracht»

Rückendeckung bekommt das Bafu von Swissveg, der Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in der Schweiz: «Die Ernährung ist der grösste Faktor, der die Umwelt beeinflusst. Produkte tierischen Ursprungs weisen eine erheblich schlechtere Ökobilanz auf als Früchte, Gemüse oder Getreide», sagt Sprecherin Danielle Cotten.

Auf die Kritik von Ruppen, der Bund würde die Bürger erziehen wollen, kontert Cotten: «Wie beim Konsum von Alkohol und Zigaretten stellt der Staat Regeln auf. Nicht nur zum Schutz von anderen, sondern auch vor sich selbst.» Ein staatliches Eingreifen sei angebracht, da der häufige Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch laut der Weltgesundheitsorganisation krebserregend sei und sich zudem negativ auf die zukünftigen Lebensbedingungen der Schweizer auswirke.

Fleisch sei aber nicht das einzige Problem: «Milchprodukte wie Käse oder Butter weisen einen höheren Ressourcenverbrauch auf als so manche Fleischsorten.» Wer wirklich umweltfreundlich essen wolle, für den seien pflanzliche, also vegane Produkte, unumgänglich.

Bafu schweigt

Wegen der laufenden Interpellation könne das Bafu sich laut Sprecher Loïc Schwab derzeit nicht zu den Vorwürfen äussern: «Der Bundesrat wird als Nächstes dazu Stellung nehmen.»

(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anja am 15.05.2019 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie die EU

    Der Bund versucht sich jetzt auch mal als EU und stellt dummes Zeugs zusammen. Ich esse soviel Fleisch wie ich will!

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  • Steuerzahler am 15.05.2019 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Bafu nichts Besseres zu tun?

    zBsp Plastik verbieten oder Pfand einführen....

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  • Donna am 15.05.2019 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit und Selbstbestimmung wichtiger

    Umweltschutz, Food Waste, CO2 Ausstoss, Plasktikmüll. Das alles sind wichtige Themen. Selbstbestimmung, Eigentum, Freiheit, Marktwirtschaft sind aber im Zweifelsfall noch viel wichtiger. Das sind die die Werte, die es in erster Linie zu verteidigen gilt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Auch Steuerzahler am 16.05.2019 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wie man es macht

    Die Aggressivität, die hier die Fleischliebhaber an den Tag legen, ist unglaublich. Der Bund ist hier wohl gefragt. Ein Beispiel: Antibioticaresistenzen. Damit ist nicht zu spassen! Ich hör schon diejenigen, die hier am meisten gegen den Bund wettern, wüten, wenn sie im Spital liegen und kein Antibioticum mehr wirkt, warum der Bund sie nicht gewarnt und Antibiotica in der Fleischindustrie verboten hat.....

  • Honeybee am 16.05.2019 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Bevormundung ist daneben.

    Ist doch kein Problem. Vegetarier lassen einfach das Fleisch u Fisch weg. Essen Linsen und Bohnen. Aber das muss sicher der Bund nicht entscheiden. Der hat andere Aufgaben, die er lösen sollte.

  • Mira Riediger am 16.05.2019 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    VeganerInnen kreieren die Zukunft

    Tiereessen ist keine privat Sache mehr!!! Intelligente u mitfühlend Menschen leben vegan.

    • Rüeblimörder am 16.05.2019 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      Haha

      Vielen Dank für den Lacher des Tages

    • Maxli am 16.05.2019 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      Privat

      Doch ist es, Privat und so wird es auch bleiben!!! Intelligente u. mitfühlende Menschen leben und essen alles.

    • jasmin am 16.05.2019 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mira Riediger

      Intelligente? Ok jedem das seine

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  • Hzwo am 16.05.2019 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Franz Ruppen??

    Ok dann möchte ich vom Bundesrat wissen ob mit Benzinsteuern nicht die Tankstellen benachteiligt werden weil dann weniger Most gekauft wird. Wer so Schwachsinn im Kopf hat sollte in keiner Regierung sein, nichtmal in Ouagadougou.

  • Tackle am 16.05.2019 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Konsum fteiheit.

    Ich Esse was mir schmeckt umd da kann gut auch fleisch dabei sein. Co2 ist mir egal da es keinen einfluss auf das Klima hat.