Graubünden

29. April 2018 03:22; Akt: 29.04.2018 04:08 Print

Tod eines Aids-Patienten wirft Fragen auf

Ein Mann stand auf einer schwarzen Liste, weil er seine Prämien nicht bezahlte. Nun ist er tot und der Fall gibt zu reden.

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Am Spital in Chur ereignete sich Ende letzten Jahres ein tragischer Todesfall: Ein Mann, um die 50 Jahre alt, starb an einer Begleiterkrankung von Aids. Er hatte Betreibungen bei der Krankenkasse ÖKK. Deshalb kam er auf die schwarze Liste der säumigen Prämienzahler. In solchen Fällen müssen die Kassen nur noch Notfälle vergüten.

Zweimal ersuchte der Mann um die Bezahlung der Therapie. Einmal, als er HIV-positiv war, ein anderes Mal, als Aids bereits ausgebrochen war. In beiden Fällen verweigerte die ÖKK die Bezahlung, wie die «Sonntagszeitung» schreibt.

Für Lisa Janisch, Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Graubünden, steht fest: «Der Tod dieses Menschen hängt auch damit zusammen, dass sein Name auf der schwarzen Liste stand.» Ein ÖKK-Sprecher will sich zum konkreten Fall gegenüber der «Sonntagszeitung» aus Datenschutzgründen nicht äussern, bestätigt aber, dass HIV-positiven Patienten, die auf der schwarzen Liste stehen, die Medikamente nicht bezahlt werden. Dies sei aber «kein reiner Entscheid» der ÖKK. «Wir dürfen vom Gesetz her nicht vergüten, wenn jemand auf der schwarzen Liste eines Kantons steht.» Das sei nur bei einem Notfall möglich.

33'000 auf schwarzer Liste

Offen bleibt, warum auch der zweite Antrag abgelehnt wurde. Der ÖKK-Sprecher äussert sich dazu nur grundsätzlich: «Wir gehen in einem Notfall bei einer Aids-Erkrankung von einem ethischen Ansatz aus. Dieser lässt sich mit einem palliativen Ansatz vergleichen.»

Was das bedeutet, führt er nicht aus. Tatsache ist: Selbst wenn Aids ausgebrochen ist, können Medikamente immer noch helfen. Die Aids-Hilfe Schweiz weiss von insgesamt zehn solcher Fälle in den Kantonen Aargau und Graubünden: Stets geht es um HIV-positive Patienten, die auf der schwarzen Liste sind und die um eine Vergütung der Behandlung kämpfen. HIV-Medikamente kosten rund 2000 Franken im Monat.

Tatsächlich können immer mehr Menschen ihre Krankenkassenprämien nicht mehr bezahlen. Im Jahr 2016 beliefen sich die Ausstände für die Kantone aus Verlustscheinen auf 305 Millionen Franken. Für 2017 wird der Betrag noch höher sein. Wegen der säumigen Zahler haben nebst Graubünden acht Kantone schwarze Listen eingeführt. Heute sind über 33'000 Menschen darauf vermerkt.

(roy)