Gewinnsumme von 85'000 CHF

16. März 2019 17:09; Akt: 17.03.2019 10:20 Print

Hat er sich Tausende Follower erschwindelt?

Der Schweizer Influencer Dario Widmer soll sich mittels Fake-Gewinnspiele Reichweite erschlichen haben. Er weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als Falschaussagen.

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Dario Widmer ist laut dem Schweizer Influencer-Ranking momentan der erfolgreichste Travel-Influencer der Schweiz. Widmer bezeichnet sich als World Traveller, Fotograf und Filmemacher und betreibt mindestens drei Instagram-Accounts mit insgesamt über 300'000 Follower. Doch laut dem Online-Format «Bento» hat er sich diese nicht erarbeitet, sondern mit Fake-Gewinnspielen erschlichen. Bento ist aufgrund eines Insta-Wettbewerbs der Marke Fjällräven auf Widmer aufmerksam geworden. Ein Account, der sich später als Fake herausstellen sollte, versprach attraktive Gewinne, wenn man verschiedenen Accounts – allen voran jenem von Dario Widmer – folgen würde. Tatsächlich hat Widmer etwa in der Nacht vom 24. Auf den 25. Februar knapp 12000 neue Follower gewonnen, wie das Analysetool Likeometer.com zeigt. Fabian Plüss, Co-Founder von Kingfluencers, einer Marketing-Agentur für Influencer, sagt, es sei schon seit längerem ein grösseres Problem in der Influencer-Szene, dass einige Personen versuchen, mit unehrlichen Tricks Follower zu gewinnen. «Der Markt ist diesbezüglich in gewisser Weise sehr naiv. Es gibt massenhaft Null-Potenzial-Influencer, die von irgendwelchen Brands beschäftigt werden – einfach, weil sie eine bestimmte Reichweite haben.» Widmer selber sagt, es handle sich bei der Geschichte um Falschaussagen des Journalisten. Eine detailliere Stellungnahme werde in Kürze kommen, da er nach einem Auslandsaufenthalt erst vor wenigen Stunden in der Schweiz gelandet sei.

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Dario Widmer ist laut dem Schweizer Influencer-Ranking momentan der erfolgreichste Travel-Influencer der Schweiz. Widmer bezeichnet sich als World Traveller, Fotograf und Filmemacher und betreibt mindestens drei Instagram-Accounts mit insgesamt über 300’000 Follower. Doch laut dem Online-Format «Bento» hat er sich diese nicht erarbeitet, sondern mit Fake-Gewinnspielen erschlichen.

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Bento ist aufgrund eines Insta-Wettbewerbs der Marke Fjällräven auf Widmer aufmerksam geworden. Ein Account, der sich später als Fake herausstellen sollte, versprach attraktive Gewinne, wenn man verschiedenen Accounts – allen voran jenem von Dario Widmer – folgen würde. Fjällräven liess kurz darauf verlauten, dass es sich um Betrug handle. Widmer bescherte die Aktion Tausende neue Follower. Gegenüber dem Online-Portal gab Widmer an, mit der Sache nichts zu tun zu haben, konkurrierende Influencer würden wohl dahinterstecken.

Gewinnsumme von 85’000 Franken

Der Journalist blieb hartnäckig und fand folgendes heraus: Immer wieder würden auf den Accounts von Widmer Gewinnspiele gepostet, bei denen man beispielsweise Apple-Produkte im Gesamtwert von über 2600 Schweizer Franken gewinnen könne. Eine Teilnahmebedingung sei es, insgesamt 17 Accounts zu folgen, die Widmer vorgebe. Insgesamt hätten sich 20 solche Wettbewerbe ausfindig machen lassen. Die ungefähre Gewinnsumme betrage 85’000 Schweizer Franken. Hinweise darauf, dass jemals ein Gewinner ermittelt worden sei, liessen sich laut Bento aber keine finden. Die Wettbewerbs-Posts würden nach Ablauf der Teilnahmefrist gelöscht. Die dazugewonnen Follower aber, bleiben Widmer erhalten.

«10’000 neue Follower über Nacht sind höchst unglaubwürdig»

Fabian Plüss, Co-Founder von Kingfluencers, einer Influencer Agentur und Plattform, sagt, es sei schon seit längerem ein grösseres Problem in der Influencer-Szene, dass einige Personen versuchen, mit unehrlichen Tricks Follower zu gewinnen. «Der Markt ist diesbezüglich in gewisser Weise sehr naiv. Es gibt einige Null-Potenzial-Influencer, die von irgendwelchen Brands beschäftigt werden – einfach, weil sie eine bestimmte Reichweite haben», so Plüss. Bei Kingfluencers werde jedes Profil akribisch analysiert, die Influencer, mit denen man zusammenarbeite, kenne man persönlich.

Für ihn sei es zentral, dass der Influencer über guten Content seine Relevanz fair erarbeitet und wie die Followerschaft hinter dem Influencer so sei, sagt Plüss. Seiner Meinung nach habe sich Widmer mit seinem Vorgehen – sofern sich alles so zugetragen habe – sehr nahe an die Grenze zur Kriminalität hin bewegt. Sich Follower so zu erschleichen, sei eine Art Betrug. «Wenn heute ein Influencer über Nacht 10’000 Follower dazu gewinnt, ist das sehr fragwürdig. Derart sprunghafte Anstiege sind kaum mehr möglich», sagt Plüss. Tatsächlich hat Widmer etwa in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar knapp 12’000 neue Follower gewonnen, wie das Analysetool Likeometer.com zeigt.

Widmer sagt, es handle sich um «Falschaussagen»

Dario Widmer selber, antwortet auf Anfrage von 20 Minuten, er werde in ein, zwei Tagen eine detaillierte Stellungnahme veröffentlichen. Da er nach einem Auslandsaufenthalt erst vor wenigen Stunden in der Schweiz gelandet sei, habe er noch nicht die Zeit gefunden, seine Follower ausführlich über die Geschichte zu informieren. «Ich werde die Falschaussagen mit einem offiziellen Statement richtigstellen», so Widmer.

Mit der Fjällräven-Geschichte habe er ganz sicher nichts zu tun, das könne er vorab sagen: «Mit Giveaways lassen sich doch keine 100'000 Follower generieren. Da gewinnt man höchstens 1500 Follower und 1000 davon verliert man nach Teilnahmeschluss gleich wieder», sagt Widmer.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Vogel am 16.03.2019 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Influencer Mist

    Fake follower. Ganz was neues. Im Darknet kann man übrigens für ein paar Dollar Follower kaufen. Firmen die Influencer anwerben werden von mir grundsätzlich gemieden.

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  • Raffzahn am 16.03.2019 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    Gut gemacht, weiter so. Diese kranke Gesellschaft wird sich selber ab absurdum führen

  • Marco Felice am 16.03.2019 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Verdächtig

    Habe sein Profil angeschaut: Es ist wirklich langweiliger Einheitsbrei, wie es unzählige solche Profile gibt. Scheint mir schon verdächtig, so viele Follower zu haben ohne irgendein Alleinstellungsmerkmal...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco K am 18.03.2019 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinwelt

    Darknet ist einfach ein Tor Browser. Weiss nicht was daran Dark sein soll. Tja schöne grosse Scheinwelt.

  • Markku am 17.03.2019 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuern

    Die 85'000 Franken mal dem Steueramt noch melden.

  • Allschwiler am 17.03.2019 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lerne lieber Programmierer

    Ob die Anschuldigungen nun richtig oder falsch sind spielt keine grosse Rolle. Würde er keinen angeblichen solchen Beruf ausüben, wäre er gar nicht erst in diese Zwickmühle geraten.

  • Pauline 1936 am 17.03.2019 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Für was

    Für was braucht man eigentlich Influencer? Das ist mir nicht ganz klar. Kann mich Jemand aufklären.

    • B.R. am 17.03.2019 20:12 Report Diesen Beitrag melden

      Nein, ich nicht.

      Also ich habe auch keine Ahnung. Manche haben schöne Bilder aber das war's dann auch schon.

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  • Reto C am 16.03.2019 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, es sind Fotos und ich glaube ihm nicht.

    Keine Ahning weshalb mein Beitrag nicht erschien. Ich fotografiere selbst und das mit grossem Aufwand, meist mit Stativ und Filern. Ausrüstung 22kg. Bearbeitungzeit für ein Bild bis 4,5h. Es tut mir leid das zu sagen, aber die Bilder sehen alle aus wie wie mit einem defekten Handy aufgenommen. Nur ca. 3Bilder sind nicht schlecht. Wenn Ihm due Leute folgen, dann hat das andere Gründe.

    • Jiggy am 18.03.2019 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto C

      Neid und Missgunst gibt es überall.

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