Unwetter in der Schweiz

07. Juni 2015 21:57; Akt: 08.06.2015 15:42 Print

Tornado hielt Neuenburg in Atem

Das Unwetter hat schweizweit grosse Zerstörungen hinterlassen. In Neuenburg wurde am Sonntagnachmittag sogar ein Tornado gesichtet.

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Heftige Gewitter haben am Sonntagabend und in der Nacht für Hunderte Feuerwehreinsätze gesorgt. Besonders stark betroffen waren Bern, Zürich und die Zentralschweiz. Eine 32-jährige Frau und ihre fünfjährige Tochter sind in Dierikon LU ertrunken. Ein Mediensprecher der Luzerner Polizei bestätigte am Montag Informationen des SRF. Zuvor war in einer Meldung der Nachrichtenagentur SDA von einem Sohn die Rede.

Offenbar gingen die 32-jährige Frau und ihr Kind ins Untergeschoss ihres Wohnhauses, während der Ehemann Auto und Roller aus der Tiefgarage in Sicherheit brachte. Dort wurden die beiden Opfer von den schnell eindringenden Wassermassen überrascht. Erst beim Auspumpen des Kellergeschosses wurden Mutter und Tochter von der Feuerwehr gefunden. Ein Rettungsteam konnte nur noch ihren Tod feststellen. Warum sie sich zum Zeitpunkt des Unwetters ins Untergeschoss begaben, ist noch unklar.

Tornado in Neuenburg

Wie MeteoNews mitteilt, haben kräftige Gewitter mit örtlichem Hagelschlag und vor allem viel Regen und Blitzen im Sekundentakt den ersten hochsommerlichen Wetterabschnitt in diesem Jahr beendet. Innerhalb weniger Stunden fielen gestern Abend oder in der Nacht zum Montag an einzelnen Messstationen über 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Am meisten Regen gab es mit 67 Litern in Giswil. Es erstaunt kaum, dass solche Regenmengen in kurzer Zeit auch für Probleme gesorgt haben.

In der Gegend um Neuenburg sorgte am Sonntagnachmittag ausserdem ein Tornado für Aufsehen. Wie Meteo Europe auf seiner Facebook-Seite berichtet, bahnte sich der Luftwirbel seinen Weg durch eine Landschaft, die glücklicherweise nicht stark bebaut ist. Demnach wurden einige Häuser in Brout-Dessus beschädigt.


Mehrere hundert Kleinschäden im Kanton Luzern

Im Kanton Luzern waren ab 20.40 Uhr rund 20 Feuerwehren im Einsatz, wie der Feuerwehrinspektor in der Nacht auf Montag auf Anfrage sagte. Bei der Polizei gingen zwischen 19.30 Uhr und 23.30 Uhr 165 Meldungen ein. Es sei grosser Sachschaden entstanden, teilte die Luzerner Polizei mit. Dieser könne indes noch nicht beziffert werden.

Schwer betroffen waren das Gebiet Würzenbach in der Stadt Luzern sowie die Gemeinden Ebikon, Dierikon, Adligenswil und Udligenswil. In Letzterer habe ein Bach einen neuen Lauf genommen und das Dorf verwüstet. Die Kantonsstrasse zwischen Udligenswil und Küssnacht ist wegen Sturmschäden in beiden Richtungen gesperrt, eine Umleitung ist eingerichtet.

In Luzern wurde eine 75-jährge Frau aus ihrem Auto evakuiert. Das Fahrzeug blieb aufgrund des Wassers stecken. Die Frau konnte unverletzt ihren Nachbarn übergeben werden.

350 Einsätze im Kanton Zürich

350-mal mussten auch 31 Feuerwehrorganisationen im Kanton Zürich ausrücken. Ab 21.30 Uhr wurden zahlreiche überflutete Keller gemeldet, wie ein Sprecher von Schutz & Rettung mitteilte. Die Gewitterfront zog aus Richtung Süden über das Kantonsgebiet und sorgte insbesondere in den Bezirken Affoltern, Dietikon, Horgen und Zürich für Schäden.

89 Einsätze entfielen auf die Stadt Zürich. Um die zahlreichen Notrufe entgegennehmen und bearbeiten zu können, wurde das Personal in der Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung zeitweise auf bis zu 30 Personen aufgestockt.

Gewitter legte Airport lahm

Auch dem Flughafen Zürich machte das Unwetter zu schaffen. Zwischen 22.30 Uhr und 23 Uhr musste ein so genannter Handlingstop verfügt werden. Während dieser halben Stunde ging gar nichts. Einen Handlingstop gibt es, wenn im Umkreis von fünf Kilometern um den Flughafen Blitzeinschläge registriert werden, wie Flughafensprecherin Sonja Zöchling am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Aber schon seit Sonntagnachmittag machten laut Zöchling die Vorboten des Gewitters dem Flugbetrieb zu schaffen. Das Pistenkonzept musste immer wieder geändert werden: Starts nach Osten, Starts nach Westen – je nach Windverhältnissen. Weil jede Konzeptänderung mit Aufwand verbunden ist, führte dies zu Verspätungen. Ein Dutzend Maschinen konnten erst nach Beginn der Nachtsperre um 23.30 Uhr starten.

Erdrutsch auf Zuglinie

Die SBB meldeten einen Erdrutsch zwischen Birmensdorf und Schlieren, der die Zuglinie verschüttete. Auf Online-Portalen waren zudem Bilder eines halb versunkenen Autos in Schlieren zu sehen.

Zwischen Giswil und Lungern auf der Linie Luzern – Meiringen ist die Strecke bis mindestens Dienstagabend ebenfalls unterbrochen, wie die SBB auf ihrer Homepage informieren.

Mattequartier in Gefahr

Die starken Regenfälle stellten auch die Feuerwehr in Bern auf die Probe. Die Zulg, die bei Thun in die Aare mündet, führte Hochwasser und viel Schwemmholz. Auch aus dem Thunersee floss Schwemmholz in die Aare, was im Berner Mattequartier zu einer bedrohlichen Situation führte.

Weil es nicht gelang, genügend verkeiltes Holz aus dem Fluss zu fischen, wurden schliesslich im Bereich Schwellenmätteli die mobilen Schwellenelemente entfernt. So entspannte sich kurz vor Mitternacht die Situation binnen Minuten. Zu einem Erdrutsch kam es zwischen Thun und Interlaken. Die Hauptstrasse ist dort in beiden Richtungen gesperrt.

Blitz verursacht Brand

Auch im Kanton Solothurn hinterliess das starke Gewitter Schäden. Rund 50 Meldungen gingen laut Kantonspolizei am Sonntagabend ein. Betroffen war fast ausschliesslich die Region zwischen Olten und Schönenwerd. In Obergösgen löste ein Blitzeinschlag einen Brand in einem Einfamilienhaus aus, verletzt wurde aber zum Glück niemand. Weiterhin wurden viele Wasserschäden und auf den Strassen liegende Bäume gemeldet.

Der Wetterdienst Meteocentrale gab für Graubünden kurz nach Mitternacht eine Unwetterwarnung heraus. Das Gewitter sei kurz und intensiv gewesen, doch Schadensmeldungen seien keine eingegangen, hiess es bei der Bündner Kantonspolizei auf Anfrage.

Heute gibt es laut Meteonews vor allem in den Alpen und im Süden noch Regengüsse oder Gewitter, im Flachland wird es nur noch selten nass. Vorübergehend ist es auch weniger warm. Dies wird sich dann in der zweiten Wochenhälfte wieder ändern, dann zeigt die Temperaturkurve deutlich nach oben.

Zur Situation auf dem Bahnnetz finden Sie Informationen von den SBB hier.

(slw/woz/chk/mlr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Guet am 07.06.2015 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Hoffen wir mal das sich die Schäden in Grenzen halten!

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  • Schweizer am 07.06.2015 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewitter über Sissach

    Bei uns war es ähnlich aber nicht so extrem :) ich höckeltr gemütlich im garten und auf einmal begann es heftig zu winden und danach kam der regen.. ist sehr angenehm die abkühlung aber auch immer wieder erstaunlich, was das wetter anrichten kann!

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  • AG BL am 07.06.2015 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auch um Liestal herum

    auch bei uns um Liestal riesen Gewitter mit Hagel.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • xX:)Xx am 08.06.2015 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bild verwechselt

    Komisch, dass es sich beim Bild 7 gar nicht um den Bahnhof sondern um die Bushaltestelle "Brüelstrasse" im Gebiet Würzenbach handelt.. 0.0 ;)

  • Savoie am 08.06.2015 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Natur

    schlägt immer mehr zurück. Die Winter werden immer milder, die sommer Zeit nasser..

    • Gerhard Kreuzer am 08.06.2015 21:18 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn Mutter Erde gebärt...

      Es wird viel viel "schlimmer".... Dieses Unwetter war lediglich ein Zeichen des Unwohl sein.... Die Katastrophen in New Orleans, Fukushima, Tahiti usw. waren Wehen.

    • Katrhrin Ganzmann am 08.06.2015 23:26 Report Diesen Beitrag melden

      Tja...

      Wer die Worte der Bibel - das Wort des Vaters kennt -, kann dies bestätigen - braucht halt bisschen Grips. Die anderen verneinen es.

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  • Dominik T am 08.06.2015 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sadisten

    Ich frage mich gerade, was für Sadisten den Dislikeknopf gedrückt haben :-)

  • der Türke am 08.06.2015 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmste nachricht aus Dierikon LU

    Schade das schlimmste Nachricht kam aus Kanton Luzern eine Mutter mit ihrer Tochter sei gestorben, wie konnte das nur passieren? eine sehr traurige Nachricht.

  • Dani am 08.06.2015 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Auto in Unterführung

    Wie genau kam das Auto in die Unterführung? Bild 5+6. Ist dort ein Parkstreifen oder konnte da jemand wegen überhöhter Geschwindigkeit/verminderter Aufmerksamkeit nicht rechtzeitig bremsen?

    • Cma am 08.06.2015 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bla

      Die werden einfach den Wasserstand unterschätzt haben. Relativ simpel. Kann jedem passieren grade wenn es so stark regnet das alles aussieht als wäre es schön ein Bach.

    • Fragt Mich, Weiss Alles! am 08.06.2015 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nicht so simpel!

      Was, von wegen aus Versehen dort reingefahren! Vermutlich wollte der Besitzer ein besonders cooles Föti posten, was dann leicht misslang, da man das Auti ja gar nicht mehr richtig erkennen kann. Oder es waren Aliens im Spiel. Oder noch wahrscheinlicher, und dies ist auch das, was ich persönlich annehme, es waren - Pssst(!) - die bösen, bösen USA! Ist ja bekannt, dass die an allem Schuld sind, ob ihr das nun zugeben wollt, oder nicht! Hatte auch wieder genug Chemtrails genau über den betroffenen Gebieten, wir werden hier wie Versuchskarnickel missbraucht... Wer's nicht glaubt, seht im Internet!

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