Zu hohe Dosis

05. Juli 2013 08:20; Akt: 05.07.2013 13:32 Print

Tote Delfine: Strafbefehl gegen Tierarzt

Die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen hat die Strafuntersuchung gegen zwei Tierärzte im Connyland abgeschlossen. Die Delfine seien an einer Hirnschädigung gestorben. Ein Tierarzt erhält einen Strafbefehl.

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Schocknachricht aus dem Connyland in Lipperswil: Der achtjährige Delfin Angel ist am 3. November 2013 gestorben. Mit ihm sind seit 2008 neun Delfine gestorben. Im Jahr 2007 war Angel getauft worden - von der Musicstar-Siegerin Fabienne Louves. Das mittlerweile achtjährige Delfinmännchen hätte nach Jamaika umgesiedelt werden sollen. Am Dienstag, 8. November 2011, ist im Freizeitpark Connyland das achtjährige Delfinmännchen Shadow verendet. Mit Shadow sind seit 2008 sieben Delfine im Connyland gestorben. ProWal und Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) kritisieren darauf das Veterinäramt. Dieses habe eine Technoparty vom 29. Oktober nicht verboten. Diese sei Schuld am Tod des Delfins. Der Kantonstierarzt widerspricht: Die Technomusik sei im Delfinarium kaum zu hören gewesen. Ausserdem sei nur der Tod des jungen Shadow aussergewöhnlich. Zwei der früher gestorbenen Delfine seien 27 und 28 Jahre alt geworden, die anderen seien Babys gewesen. Die Todesursache von Shadow wird noch untersucht. Die Tierschutzorganisationen bezeichnen das Connyland hingegen als Todestrakt. Sechs Tage nach Shadow stirbt am 14. November 2011 ein weiterer Delfin im Connyland. Der Verdacht wird laut, beide Tiere könnte vergiftet worden sein. Doch die Staatsanwaltschaft Thurgau teilte am 05. Juli 2013 mit, dass die Delfine an einer Hirschädigung gestorben sind. Dies durch die Überdorsierung von Medikamenten. Laut Tierschutzorganisationen ist artgerechte Haltung nicht möglich. Ein Becken könne nie die Standards eines Meeres bieten. Delfinarien verunmöglichten ein natürliches Sozial- und Jagdverhalten.

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Nun ist klar, woran die beiden Delfine «Shadow» (8) und «Chelmers» (30) im Connyland gestorben sind. Wie die Staatsanwaltschaft Thurgau am Freitagmorgen mitteilte, kamen die beiden durch eine Hirnschädigung ums Leben. Ursache dieser Hirnschädigung sei bei beiden Delfinen eine zu hohe Dosierung beziehungsweise eine zu lange Verabreichung eines Antibiotikums, das zur Behandlung von Infektionen eingesetzt wurde, gewesen. Andere Gründe wie eine vorsätzliche Vergiftung durch Drittpersonen oder Partylärm können als Todesursache ausgeschlossen werden.

Im Rahmen der Strafuntersuchung sei der Sachverhalt umfassend abgeklärt worden. Während das Strafverfahren gegen den im Conny-Land zuständigen Tierarzt eingestellt wurde, erliess die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen gegen den im Ausland wohnhaften Tierarzt einen Strafbefehl. Dieser war im Conny-Land als anerkannter Spezialist für Meeressäugetiere beratend und unterstützend tätig. Der ausländische Tierarzt habe auch die Medikamentierung für die beiden Delfine empfohlen. Ihm wird mehrfache fahrlässige Tierquälerei vorgeworfen. Dem Tierarzt wurde eine Busse von 4000 Franken auferlegt, wie der stellvertretende Thurgauer Generalstaatsanwalt Stefan Haffter gegenüber der SDA sagte.

In diesem Fall kam das alte Tierschutzgesetz zur Anwendung; die fahrlässige Tierquälerei war hier noch eine Übertretung und wird darum mit einer Busse geahndet. Im neuen Tierschutzgesetz, das seit Anfang 2013 gilt, ist der Tatbestand ein Vergehen und zieht heute laut Staatsanwalt Stefan Haffter eine Geldstrafe nach sich. Beide Entscheide sind noch nicht rechtskräftig und können auf dem Rechtsmittelweg angefochten werden.

«Connyland«-Delfinarium schliesst

Nach dem Tod der beiden Delfine kam es vor dem Freizeitpark in Lipperswil zu Protestaktionen von Tierschutzorganisationen. Diese wiederum wurden von den «Connyland«-Verantwortlichen der vorsätzlichen Vergiftung der Tiere bezichtigt. Wilde Gerüchte schossen ins Kraut, Anschuldigungen wurden öffentlich kundgetan.

Der Tod der beiden Delfine im «Connyland» wurde auch zum Politikum. Die eidgenössischen Räte beschlossen im Mai 2012 ein Importverbot für Delfine. Diese «Lex Connyland» bedeutet das Ende für das einzige Delfiniarium der Schweiz im thurgauischen Lipperswil. Die Idee, gegen das Gesetz das Referendum zu ergreifen, wurde aufgegeben.

Heute leben im «Connyland» noch drei Delfine. Für sie sucht der Freizeitpark einen neuen Platz, wie es auf der Homepage heisst. Eine natürliche Nachzucht sei mit den drei verbleibenden Tieren nicht möglich. Das Delfinarium werde im Winter 2013 geschlossen.

(bat/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brumm am 05.07.2013 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Geil

    Diese Tiere haben bei uns nichts zu suchen!! Begreift es endlich! Wenn ihr welche sehen geht auf's Meer.

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  • Reto Zappolato am 05.07.2013 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder importieren

    dann kann man also doch das Importverbot für Delfine aufheben

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  • Marco am 05.07.2013 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Aquarium

    Ich frage mich warum das hier so hochgeschaukelt wird. Schlussendlich kann kein einziges Tier im Zoo artgerecht gehalten werden da es die Wildnis auch nicht ersetzen kann. Das gleiche gilt auch für Haustiere...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beluga am 05.07.2013 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wahre Tragik

    Es ist tragisch, dass die zwei Delphine an der Medikation gestorben sind. Die wahre Tragik ist aber die Gefangenhaltung von Delphinen; deren Krankheiten - Symptome der Gefangenhaltung.

  • Yooji am 05.07.2013 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Busse vs. Geldstrafe? Hä?

    Was ist der Unterschied zwischen einer Busse (nach altem Gesetz) und einer Geldstrafe (nach neuem Gesetz)? ...bei beiden Verfahren bekommt man einen Bescheid und muss bezahlen. Mir als Germanistin ist diese Wortklauberei unklar, kann ein Jurist mich bitte aufklären?

  • Tierliebende am 05.07.2013 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiere

    An alle die jetzt gleich wieder schreien, was für arme Tiere das auch sind, habe ich mal eine Frage: Und das Halten von Vögeln in Käfigen von Privathaushalten? Wohnungskatzen, die das ganze In der Wohnung eingesperrt sind, Pferde, welche zum Spitzensport animiert und in 3x3 m Boxen 23 Stunden am Tag leben? Hunde in Zwinger? Tiere im Zoo? Sind das etwa keine armen Tiere? Wieviele privat Aquarien gibt es in der Schweiz? Haben es diese Fische etwa besser? Wir leben nun mal in einer grausamen Welt und da kann man sich doch echt fragen, warum nicht gleiches Recht für ALLE???

  • BHuBär am 05.07.2013 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit für "Flipper"

    Endlich! So schön und eindrucksvoll solche Darbietungen in diesen "Delfinarien" sind/waren, so schlecht ist's für die Tiere, welche in der Freiheit ein Lebensumfeld von x-tausenden von Kilometern haben. Da kann auch das Grösste und Schönste Meerwasserbecken niemals ein gleichwertiger Ersatz sein. Das dürfte sehr wohl leicht nachvollziehbar sein! Oder?

  • Brumm am 05.07.2013 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Geil

    Diese Tiere haben bei uns nichts zu suchen!! Begreift es endlich! Wenn ihr welche sehen geht auf's Meer.

    • Delfin am 05.07.2013 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Brumm

      Bin ja deiner Meinung aber AUF's Meer? Sind wir auf dem Meer? Ich dachte wir sind im Meer :-)

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