Tourismus leidet

21. Mai 2019 04:50; Akt: 21.05.2019 06:57 Print

Wetter-Chaos macht Prognosen zur Lotterie

Seit Tagen liegen die Wettervorhersagen für die Schweiz oft daneben. Tourismusorte und Ausflugsziele beklagen deswegen Einbussen.

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Fürs letzte Wochenende sagten die Meteorologen in der Deutschschweiz dicke Wolken, mehrere Schauer und Gewitter voraus. Doch es blieb am Samstag freundlich und oft sonnig. Auch am Sonntag war es deutlich weniger nass als prognostiziert. «In Zürich gab es entgegen den Erwartungen zeitweise Sonnenschein und erst am späteren Abend Schauer», bestätigt Stefan Scherrer von Meteonews. Mehrere Tiefdruckgebiete rund um die Schweiz, geringe Druckunterschiede und die bereits kräftige Sonne machten Meteorologen derzeit das Leben schwer. Die Folge seien viele Gewitter, sagt Scherrer. «Vorherzusagen, wo und wann diese genau niedergehen und welche Regionen sie besonders stark treffen, ist sehr schwierig», erklärt Scherrer. «Unzuverlässige Prognosen erschweren uns das Leben», sagt Roger Meier, Geschäftsführer der Sportbahnen Atzmännig SG – bekannt für ihre Rodelbahn und den Seilpark. Für letzten Sonntag sei ganztägig Regen angekündigt worden, aber es sei den halben Tag trocken gewesen. Dass wegen falscher Vorhersagen viele Gäste nicht kämen, sei ärgerlich. «An solchen Tagen verlieren wir 15'000 bis 20'000 Franken», so Meier. Auch für die Betreiber des Erlebnisbauernhofs Juckerhof in Seegräben ZH sind die aktuellen Prognosen eine Herausforderung. «Viele Ausflügler verlassen sich nur auf einen längerfristigen Wetterbericht, sodass sie unseren Hof bei einer kurzfristigen Wetterbesserung nicht mehr besuchen», sagt Geschäftsführer Beat Jucker. Zugute komme dem Juckerhof die Nähe zur Stadt Zürich, so Jucker. «Ist es unerwartet über mehrere Stunden schön, ist der Hof dann doch voll.» Falsche Prognosen seien vor allem bei der Personalplanung etwas mühsam, ergänzt Doris Slezak vom Tierpark Bern. Der Park legt jeweils am Freitag fest, wie viele Personal für das Wochenende aufgeboten wird. Bei schlechtem Wetter seien das weniger, da beispielsweise nur eine Eingangskasse geöffnet werde, so Slezak. Welchen wirtschaftlichen Schaden falsche Wetterprognosen im Tourismus verursachen, ist nicht bekannt. Dazu gebe es keine Erhebungen, sagt Markus Berger, Mediensprecher von Schweiz Tourismus. Aber vor allem viele Skigebiete würden darunter leiden. «Für sie ist es matchentscheidend, wenn potenzielle Tagesgäste deswegen ausbleiben», so Berger. Für Landwirte ist vor allem die Planung aufgrund der aktuellen Wetterprognosen schwierig. «Bei flacher Druckverteilung kommt alles zusammen – Sonne, Wolken und Regen. Da ist es anspruchsvoll, etwa die Arbeiten auf dem Feld über mehrere Tage zuverlässig zu planen», so Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands. Aber die Bauern hätten damit zu leben gelernt. Sie müssten das Wetter ständig beobachten und ihre Arbeiten kurzfristig entsprechend anpassen, sagt Ritter. Das rät er auch Privatpersonen: Wer Ausflüge im Freien plane, solle flexibel sein und Alternativprogramme bereithalten.

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Die Wetterdienste lagen in den letzten Tagen mehrfach falsch. Fürs Wochenende sagten sie in der Deutschschweiz dicke Wolken und mehrere Schauer voraus. Doch es blieb am Samstag freundlich und oft sonnig – und statt wie vorhergesagt tagsüber im Westen gab es abends im Osten Gewitter. Auch am Sonntag war es deutlich weniger nass als prognostiziert. «In Zürich gab es entgegen den Erwartungen zeitweise Sonnenschein und erst am späteren Abend Schauer», bestätigt Stefan Scherrer von Meteonews.

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20-Minuten-Leserin Regula macht ihrem Ärger Luft: «Da passt man extra seine Planung an und dann regnet es den ganzen Tag nicht.» Die Vorhersagen seien seit Tagen auffallend oft unzuverlässig. «Da muss ich der Leserin leider recht geben: Die momentane Wetterlage erschwert es uns sehr, genaue Prognosen zu erstellen», bestätigt Meteorologe Scherrer. In den letzten Tagen sei die Trefferquote der Vorhersagen wohl tiefer gewesen als üblich, genaue Zahlen dazu habe er indes keine.

«Bis zu 20'000 Franken Verlust»

Mehrere Tiefdruckgebiete rund um die Schweiz, geringe Druckunterschiede und die bereits kräftige Sonne machten Meteorologen derzeit das Leben schwer (siehe Box). Die Folge seien viele Gewitter. «Vorherzusagen, wo und wann diese genau niedergehen und welche Regionen sie besonders stark treffen, ist sehr schwierig», erklärt Scherrer.

Darunter leiden Tourismusorte und Ausflugsziele. «Unzuverlässige Prognosen erschweren uns das Leben», sagt Roger Meier, Geschäftsführer der Sportbahnen Atzmännig SG – bekannt für ihre Rodelbahn und den Seilpark. Für letzten Sonntag sei ganztägig Regen angekündigt worden, aber es sei den halben Tag trocken gewesen. Dass wegen falscher Vorhersagen viele Gäste nicht kämen, sei ärgerlich. «An solchen Tagen verlieren wir 15'000 bis 20'000 Franken», so Meier.

Auch für die Betreiber des Erlebnisbauernhofs Juckerhof in Seegräben ZH sind die aktuellen Prognosen eine Herausforderung. «Viele Ausflügler verlassen sich nur auf einen längerfristigen Wetterbericht, sodass sie unseren Hof bei einer kurzfristigen Wetterbesserung nicht mehr besuchen», sagt Geschäftsführer Beat Jucker. Zugute komme dem Juckerhof die Nähe zur Stadt Zürich. «Ist es unerwartet über mehrere Stunden schön, ist der Hof dann doch voll.»

Vor allem Skigebiete betroffen

Falsche Prognosen seien vor allem bei der Personalplanung etwas mühsam, ergänzt Doris Slezak vom Tierpark Bern. Der Park legt jeweils am Freitag fest, wie viel Personal für das Wochenende aufgeboten wird. Bei schlechtem Wetter seien das weniger, da beispielsweise nur eine Eingangskasse geöffnet werde. «Wird das Wetter dann viel besser und es kommen klar mehr Besucher als erwartet, kann es am Eingang zuweilen zu Wartezeiten kommen», so Slezak.

Welchen wirtschaftlichen Schaden falsche Wetterprognosen im Tourismus verursachen, ist nicht bekannt. Dazu gebe es keine Erhebungen, sagt Markus Berger, Mediensprecher von Schweiz Tourismus. Aber vor allem viele Skigebiete würden darunter leiden. «Für sie ist es matchentscheidend, wenn potenzielle Tagesgäste im Winter deswegen ausbleiben», so Berger. Viele Gebiete hätten darum reagiert und Live-Webcam-Bilder auf ihren Webseiten an prominenter Stelle platziert.

Für Landwirte ist vor allem die Planung aufgrund der aktuellen Wetterprognosen schwierig. «Bei flacher Druckverteilung kommt alles zusammen – Sonne, Wolken und Regen. Da ist es anspruchsvoll, etwa die Arbeiten auf dem Feld über mehrere Tage zuverlässig zu planen», so Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands. Aber die Bauern hätten damit zu leben gelernt.

Sie müssten das Wetter ständig beobachten und ihre Arbeiten kurzfristig entsprechend anpassen. Das rät Ritter auch Privatpersonen: Wer Ausflüge im Freien plane, solle flexibel sein und Alternativprogramme bereithalten: «So kann man den Ärger über die Wetterentwicklung in Grenzen halten.»

(bz/rol)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz am 21.05.2019 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jammer Tanten

    Das Jammern geht mir auf den Sa.... früher hatten sie auch kein Wetterbericht. Unsere arme Menschheit hat ja sonst keine Probleme mehr. Lebt jeden Tag so als wärs der letzte und geniesst euer Leben ob schönes oder schlechtes Wetter.

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  • Tricco am 21.05.2019 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als ob

    das Wetter bereits ein Politikum wäre, das Wetter macht eh, was es will und beeinflussen können wir es nicht. Und auf die Meteorologen dürfen wir uns nicht verlassen, als wäre es ein politisches Versprechen, das sie abgeben. Es sind Prognosen und kein Garant! Also macht das Beste daraus.

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  • catalena am 21.05.2019 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Gejammer folgt dem Nächsten

    Gestern das Gejammer der Schiffunternehmer . Soviele Besucher wie noch nie letzten Sommer, aber trotzdem ein Riesengejammer. Was wollen diese Herren denn noch mehr als Rekordbesuche?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tja am 03.06.2019 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber besser als schlechter

    Die Wetterprognosen waren noch nie zuverlässig, das weiss man. Sich darüber aufzuregen ist für die Katz. Ich jedenfalls bin immer erfreut, wenn das Wetter besser ist als erwartet.

  • Mebec C am 25.05.2019 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuld sind die Bauern

    Eigentlich sind die Bauern Schuld. Früher war alles gut und in Ordnung aber seit die Bauern nicht nur Traktor sondern auch mit Autos fahren geht alles schief. Höhere Steuern, mehr Flüchtlinge, Klima Probleme usw. usw.

  • 23AT am 22.05.2019 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Chemtrails, fragt Bern.

    Fragt einfach Bern, die wissen wenn sie chemtrailen etc. !

  • dämlicher gehts nicht am 22.05.2019 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    mein gott

    wir hatten ein (1!) jahr, welches ein wenig wärmer war und schon kam die greta-fraktion in panik. aber dieses jahr, ende mai, friere ich mir den allerwertesten ab, muss mich wie im winter anziehen und die heizkosten werden den rahmen sprengen, die profiteure reiben sich jetzt schon die hände. mir grauts. es wird letztendlich aus allem profit geschlagen. darauf ist man doch aus. die reichen, die politiker, die konsum- und luxus-elite da oben verpesten im übermass das klima. nicht die normalos. das bestätigt jede doku über dieses thema. also klappe halten.

    • Bruno S am 03.06.2019 14:44 Report Diesen Beitrag melden

      Dämlicher gehts wirklich nicht

      Danke! Treffender gehts kaum!

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  • Daniel am 22.05.2019 02:34 Report Diesen Beitrag melden

    Prognosen, welche die Zukunft betreffen

    Dafür sind die Klimaprognosen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu 100% exakt :)