«Katzen werden vergiftet»

11. August 2018 18:57; Akt: 11.08.2018 18:57 Print

Touristen verzweifeln am Tier-Elend in den Ferien

von B. Zanni - Tiere ohne Wasser in der Gluthitze oder vergiftete Katzen: Leidende Tiere verderben manchen Gästen die Ferien.

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Hunde, die in Schaufenstern angepriesen werden, stossen bei Schweizer Touristen auf Widerstand. «Fast ununterbrochen melden sich bei uns verzweifelte Touristen, die in ihren Ferien auf ein Tierelend gestossen sind und Rat suchen», berichtet Netap-Präsidentin Esther Geisser. Auffallen würde das Tierelend besonders in Griechenland, Portugal, Italien und Spanien. Eine Touristin beobachtete auf Menorca verhungernde Emus in einer dreckigen Poolgrube. Einige Touristen melden sich aber auch, weil sie Hunde ... ... Hasen ... ... oder Wellensittiche in kleinen Käfigen auf Märkten gesehen haben. In Thailand schrecken die Verkäufer auch nicht davor zurück, ... ... die Tiere in Kleidchen zu stecken. In Thailand schockieren Fische, die in Gläsern gehalten werden. Oft fallen Touristen leidende Esel auf. Ein Husky ... ... und Welpen werden in Thailand in viel zu kleinen Käfigen angepriesen. Damit Kühe nicht flüchten können, werden ihnen im Oman manchmal die Vorderläufe zusammengebunden. Manche Touristen können ihre Ferien wegen des Tierleids überhaupt nicht mehr geniessen. Netap rät den Touristen, die Fälle direkt bei der lokalen Tierschutzorganisation zu melden. Touristen suchten bei Netap oft wegen streunender Tiere in jämmerlichem Zustand Hilfe. Posieren mit Tieren, wie einem Wellensittich, ist an manchen Orten eine Touristenattraktion. Einer Touristin bereiten Katzen vor einem Hoteleingang auf Mallorca Sorgen. «Ich bin gestern aus den Ferien auf Mallorca zurückgekehrt. Falls ihr dort in der Nähe jemanden habt und ihr sie findet, könnt ihr die Katzen vielleicht überprüfen», schreibt sie Netap. Am häufigsten sorgen sich die reisenden Tierfreunde laut Geisser um Katzen und Hunde. «Mallorca ist die Katzenhölle Nummer eins», sagt Esther Geisser. Magere Kutschenpferde in Rom. Auch dieses Pferd macht einen gequälten Eindruck. Der Hund Asi wurde von einer Touristin in miserablem Zustand in Manila entdeckt und dort mit Hilfe der örtlichen Tierschutzorganisation Philippine Animal Welfare Society (PAWS) medizinisch versorgt. Im Refugium bei den Ruinen des Largo di Torre Argentina in Rom ... ... haben rund 160 Katzen ein Zuhause gefunden. Die kastrierten Katzen werden von Tierschützern betreut und gefüttert. Für Netap ist das Refugium eine Erfolgsgeschichte. Die kupierte Ohrspitze ist ein internationales Zeichen für Kastration. Diesen Kater konnten die Helfer von Netap aufgrund einer Meldung einer Touristin aus Elba retten.

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Seit Beginn der Sommerferien überfluten verzweifelte Touristen die Schweizer Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap) mit Meldungen. «Wir sind auf Mallorca in Cala d’Or. Hier hat es so viele Katzen. Wir haben angefangen, sie zu füttern, und es werden immer mehr. Gibt es hier vor Ort jemanden, der sich um die Katzen kümmert?», fragt eine Touristin. Eine Frau, die in Apulien weilt, meldet: «In der Nähe von Lecce sahen wir in einem Privatgarten Hunde eingesperrt und angekettet, ohne Wasser und ohne Schatten, auf engstem Raum. Wenn wir Ihnen die Adresse senden, können Sie dort vorbeigehen?»

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Ein weiterer Feriengast beobachtet gegenüber seinem Hotel Pferde, die den ganzen Tag ohne Wasser und Schatten auf einer Wiese weiden und fügt an: «Ich weiss nicht, was ich machen soll.» Andere Touristen sorgen sich um angekettete Hunde, verhungernde Emus in dreckigen Poolgruben, magere Kutschenpferde, streunende Welpen oder Hunde in kleinen Zwingern. «Fast ununterbrochen melden sich bei uns verzweifelte Touristen, die in ihren Ferien auf ein Tierelend gestossen sind und Rat suchen», berichtet Netap-Präsidentin Esther Geisser. Auffallen würde das Tier-Elend besonders in Griechenland, Portugal, Italien und Spanien.

«Mallorca ist die Katzenhölle Nummer eins»

Am häufigsten sorgen sich die reisenden Tierfreunde laut Geisser um Katzen und Hunde. «Mallorca ist die Katzenhölle Nummer eins.» Für die Behörden gälten die Tiere als Schädlinge. «Katzen werden regelmässig vergiftet, erschossen oder weggejagt, damit sie auf den Hotelarealen nicht herumstreunen. Eigentlich sind sie nirgends auf der Insel willkommen.» Touristen suchten bei Netap oft wegen streunender Tiere in jämmerlichem Zustand Hilfe. «Einige melden sich aber auch, weil sie Hasen und Hunde in kleinen Käfigen auf Märkten gesehen haben, Tiere in Schaufenstern oder abgemagerte Esel, die unter der Last von übergewichtigen Touristen zusammenzubrechen drohen.»

Netap rät den Touristen, die Fälle direkt bei der lokalen Tierschutzorganisation zu melden. «Wir selbst können direkt nur etwas unternehmen, wenn wir mit einer lokalen Organisation vernetzt sind», sagt Geisser. Manche Touristen glaubten jedoch, dass die Netap-Tierschützer Tiere von jedem erdenklichen Parkplatz abholen gehen könnten. Laut Geisser hinterlässt das Tierleid Spuren. «Es gibt Touristen, die ihre Ferien in dem Land deshalb überhaupt nicht mehr geniessen können und auch nie wieder dort Ferien machen wollen.»

«Jeder Tourist wählt sein Ziel selber aus»

Die Tourismusbranche distanziert sich von solchen Quälereien. «Attraktionen wie das Schwimmen mit Delfinen in Gefangenschaft oder das Elefantenreiten bieten wir unseren Gästen nicht mehr an», sagt Michèle Hungerbühler, Verantwortliche Nachhaltigkeit bei Hotelplan Suisse. Von Hotels, die etwa Katzen vergifteten, hätten sie zudem keine Kenntnis.

Beim Reiseunternehmen Globetrotter versuchen die Berater die Kunden für das Thema Tierwohl zu sensibilisieren. «Dass sie zum Beispiel auf Besuche von Delfinarien verzichten», sagt Mediensprecherin Sandra Studer. In der Pflicht, sich mehr um das Tierwohl zu kümmern, sieht sie die Tourismusbranche aber nicht. Studer appelliert auch an die Eigenverantwortung der Reisenden. «Jeder Tourist wählt sein Ziel selber aus und entscheidet, was er in dem besuchten Land unternehmen will.»

Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) begrüsst das Engagement der Touristen. «Jede Meldung kann hilfreich sein», sagt Jeanine Eggler, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei TIR. Das bedeute allerdings auch, die Schweiz nicht aus den Augen zu verlieren. «Für Delikte an Heimtieren sind die Leute aber eher sensibilisiert als beispielsweise im Nutztierbereich.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bettina am 11.08.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wenn sie sich..

    ..erkundigen würden, unter welchen Bedingungen das Fleisch auf dem schönen Hotelbuffet produziert wurde würde sich ihnen der Magen kehren. Aber Hauptsache die Ferien sind billig.

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  • Realist am 11.08.2018 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Am Besten NCIHTS tun

    Viele dieser Tiere leiden WEIL die Touristen helfen wollen. Viele werden gezüchtet um sie den Touristen an zu drehen. Ohne das Mitleid der Touristen würde es den Tieren besser gehen. Also bitte keine Tiere in die Schweiz bringen. Bestenfalls die örtliche Tierschutzorganisation informieren aber NIEMALS GELD investieren. Egal wie arm das Tier ist! Und vorallem, bitte nicht mit süsen Tiere für ein Ferienfoto posieren. Löwen, Chimpansen und andere Tiere werden alle entsorgt wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben. Und ich meine "Entsorgt".

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  • Schweizer am 11.08.2018 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Länder

    Die Leute sollten sich einmal bewusst machen, das wir hier in der Schweiz ganz andere Standards und Gesetze haben, als in anderen Ländern. Aber die Leute Reisen ins Ausland und erwarten dann das es dort gleich oder besser ist als bei uns. Bei uns gibt es im übrigen auch viele Tiere im Tierheim, die ein neues Zuhause suchen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S. Wächter am 12.08.2018 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Grässliche Genossen

    So wie sich hier einige über Tiere äussern behandelt ihr wohl auch euer eigenes Vieh im Stall. Krasse Mentalität und Kultur habt ihr kultiviert.

  • Freewather am 12.08.2018 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billig

    Tya da siet man das in Billig Ländern nicht alles perfekt ist. Ändern kann man das nur in dem man nicht mehr in ein solches Land reist Punkt

  • Laokon am 12.08.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kauf den Vogel und lass in frei

    Die CHer und ihre First World Probleme. Zieht ein rumänisches o.ä. Pferd einen Bollerwagen hatt dies nichts mit Tierquälerei zu tun, sagte sonder mit dem Überlebenskampf der Menschen in diesen Regionen. Verwilderte Katzen vermehren sich unkontrolliert, überleben tun nur die stärksten, sowie dies die Natur vorgesehen hat.

  • S. Arkasmus am 12.08.2018 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Die, neu entdeckte , Tierliebe einiger Urlauber das im diesem Artikel zelebriert wird ist allerdings reine Heuchelei. Entsetzen sich über das Leid der Tiere im Ausland, aber haben dafür ihr eigenen Haustier zu Hausen auf ,nimmerwiedersehen, in ein Tierheim abgeschoben un es zu geniessen. Bestellen sich zu Hause einen neuen im Internet!

  • Loxx am 12.08.2018 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Lob an NetAP

    Diese Organisation muss sehr gut sein. Ich bin leider kein Mitglied, denn ich kann unmöglich genügend Zeit aufbringen, um nutzbringend zu helfen. Aber eines kann ich garantieren: Dr. Bruno Mascello, einer der Gründer, ist für mich ein blinder Garant für Qualität. Wenn DER dabei ist, ist für mich klar, dass es 1. seriös, und 2. bestens organsiert ist. Er war einmal mein Vorgesetzter, in einem abscheulichen Umfeld. ER hat die Konsequenzen gezogen und ist weg. Hat was Besseres vorgehabt. Wie man sieht. Er ist ehrlich und tierlieb, ein Macher, kein Sprücheklopfer. Der packt an. Daumen rauf.