Wallis–Graubünden

28. März 2019 18:06; Akt: 28.03.2019 18:21 Print

Touristik-Prof pendelt mit dem Flugzeug zur Arbeit

von P. Michel - Während Klimastreiks für Aufsehen sorgen, postet der Studienleiter Tourismus an der HTW ein Bild seines Arbeitswegs: Er fliegt vom Wallis nach Graubünden.

Die Aussicht von Thorsten Merkles Arbeitsweg sehen Sie im Video.
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An vielen Schweizer Hochschulen und Universitäten finden derzeit sogenannte Nachhaltigkeitswochen statt. Die Organisatoren setzen sich zum Ziel, für ökologische Probleme zu sensibilisieren. Auch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur fanden Anfang März Diskussionen und Workshops statt, konkret zu nachhaltigem Reisen.

In diese Debatte, nicht zuletzt angeheizt durch die Klimastreiks, platzt Professor Thorsten Merkle, Tourismus-Studienleiter an der HTW Chur: Er pendle mehrmals in der Woche von Visp nach Chur, manchmal auch per Flugzeug, wie er auf dem Instagram-Account der HTW schreibt. Illustriert ist der Post mit einem Blick aus dem Cockpit.

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Wie kommt ihr zur Arbeit/zum Unterricht? Mit dem Zug, dem Auto oder ebenfalls mit dem Flugzeug, so wie unser Studienleiter?🛩 HTW Chur Tourismus-Studienleiter Thorsten Merkle lebt im Wallis und pendelt mehrmals in der Woche zwischen Wohn- und Arbeitsort quer durch die Schweiz. Ganz der Touristiker macht er das bei gutem Wetter manchmal mit dem Flugzeug, so letzte Woche zum Frühlingsanfang.🌸☀ . Thorsten Merkle: 《Natürlich kann man die Nachhaltigkeit einer gelegentlichen An- und Abreise zur Arbeit mit dem Flugzeug in Frage stellen, das sollte man sogar. Pendeln ist per se nicht nachhaltig. Nachhaltigkeit hat, wie Studierende der HTW Chur wissen, drei Dimensionen: eine ökologische, eine ökonomische, und eine soziale – es geht nicht ausschliesslich um die Ökologie. Die ökologischen Folgen des (Hobby-) Fliegens kompensiere ich dadurch, dass ich kein Auto besitze. Auf einer sozialen Ebene liegen die Vorteile auf der Hand. Und einen 50-jährigen Oldtimer zu betreiben (Dank an die Fluggruppe Oberwallis) schafft Arbeitsplätze in der Region.》 @valaiswallis @graubuenden @kantongr #arbeitsweg #studienleiter #tourismus #flugzeug #schweiz #chur #wallis #studium #htwchur

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Prompt hagelte es Kritik. «An einer Fachhochschule, an der unter anderem auch Social-Media-Module unterrichtet werden, ist ein solcher Post in Zeiten von Klimawandel und Klimademos sehr unvorteilhaft.» Ein anderer Nutzer meint ironisch: «Ganz im Sinne der grossgeschriebenen Nachhaltigkeitsziele der HTW.»

Es sei noch nicht vollständig gelungen, in und um die HTW Chur für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, doppeln die Veranstalter der lokalen Nachhaltigkeitswoche nach. Dieses Verhalten sei in puncto Nachhaltigkeit keineswegs zu rechtfertigen. «Herr Merkle wird von uns auf jeden Fall eine persönliche Einladung für die nächste Nachhaltigkeitswoche erhalten – mit beigelegtem Zugticket.»

So rechtfertigt sich der Studienleiter Tourismus

Gegenüber 20 Minuten stellt Thorsten Merkle klar: «Die Idee für den Instagram-Post hatte ich als Privatperson. Da ich Hobbypilot bin, lag es auf der Hand, dazu eine Story zu machen.» Da er auf dem Arbeitsweg nicht die Hochschule repräsentiere, entfalle die Vorbildfunktion. Nachhaltigkeit sei ihm wichtig, betont er. «Ich esse kaum Fleisch, besitze kein Auto und reise meist mit dem Zug.» Zudem beschränkten sich seine Flüge auf etwa ein Dutzend im Jahr, da auch die Bedingungen stimmen müssten.

Es sei ihm bewusst, dass man das Pendeln mit dem Flugzeug kritisch sehen könne, sagt Merkle. «Aber Pendeln ist per se nicht nachhaltig», schreibt er denn auch im Instagram Post. Dies erklärt er damit, dass man nicht nur die ökologische Ebene betrachten dürfe. So habe sein Arbeitsweg per Flugzeug dafür auch ökonomische Effekte, denn der 50-jähriger Oldtimer schaffe Arbeitsplätze in der Region. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass das Fliegen Emotionen transportiere und vom Tourismus nicht wegzudenken sei. «Ich begrüsse es, dass nun eine Diskussion über die Nachhaltigkeit des Fliegens stattfindet – den Post würde ich aber so nicht nochmals machen.»

HTW sieht grundsätzliches Verbesserungspotenzial

Auf Anfrage erklärt die HTW Chur, es stehe ihr nicht an, über die Freizeitaktivitäten, wozu auch der Arbeitsweg gehöre, ihrer Angehörigen zu urteilen. «Mit ihrer Strategischen Initiative Nachhaltige Entwicklung ist die HTW Chur bestrebt, auch ihre Angehörigen – seien es Studierende, Mitarbeitende oder Lehrbeauftragte – für die Thematik zu sensibilisieren. «Wie in der Gesellschaft als Ganzes gibt es auch an der HTW Chur diesbezüglich Verbesserungspotenzial», sagt Sprecherin Flurina Simeon.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Florian Konermann am 28.03.2019 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spassbremsen.

    Sorry. Aber das Leben soll auch noch irgendwie Spass machen.

    einklappen einklappen
  • Robin1 am 28.03.2019 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönes Leben

    Soll und darf er doch sein leben geniessen. Alle andern sind nur neidisch!

  • Edelweiss am 28.03.2019 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee...

    Zweitwohnung bauen darf man ja nicht mehr... Auto fahren auch nicht sinnvoll, denn wäre ja zu weit und da hilft noch fliegen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Ruchy am 28.03.2019 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Züri FIC

    Ich finde ehrlich gesagt, Du musst Dich gar nicht rechtfertigen für das, was Du tust! Geniess es, stay safe, und wenn was ist, ist das FIC für Dich da! Bis bald am Funk!

  • Ribero am 28.03.2019 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Schluck Natur

    Wasser predigen, Wein trinken... Recht zu leben und zu geniessen... Schlechtes Gewissen und Zweifel... Eins ist klar: wir sind zu viele Menschen auf dem angeschlagenen Planeten. Also Vogelstrauss und ab in den Wein?

  • Ndee am 28.03.2019 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PPL erfordert 24 Std. In 2 Jahren

    Leute, er hat seine Privatpilotenlizenz sowieso. Soll er jetzt sinnlos herum fliegen um die 24 Flugstunden in 24 Monaten zu absolvieren damit seine Lizenz nicht abläuft, oder soll er die Flugstunden auf seinem Arbeitsweg machen?! Ich finde es gut, bin aber ein bisschen neidisch :)

  • Peter Keller am 28.03.2019 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ökologischer Umweltschutz

    Klage lieber Nestle+Co, Coop, Migros, etc. an. Diese importieren WASSER VON AUSTRALIEN UND NORWEGEN,von den engeren Lieferungen wie Vichy etc. willsch gar nicht reden. Diese Firmen und Vertreiber von Wasser (vom Plastik wollen wir gar nicht reden) sind im höchsten Mass zu verurteilen.

  • Martial2 am 28.03.2019 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit ÖV, irrationell, undenkbar...

    Warum denn nicht? Persönlich möchte ich nicht regelmässig von Visp nach Chur mit dem Auto fahren, mit dem ÖV noch weniger, bis man dort ankommt ist es Feierabend. Ein Heli-Flug wäre aber gescheiter!