US-Idee

16. Dezember 2015 11:13; Akt: 16.12.2015 17:54 Print

Tragen wir bald Pelz von überfahrenen Tieren?

Statt überfahrene Tiere zu entsorgen, soll man ihr Fell für Mode verwerten. Der amerikanische Ansatz stösst auch bei Schweizer Tierschützern auf Sympathie.

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Fuchskadaver landen heute im Abfall. Das soll sich ändern. (Bild: iStock)

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Wer ein wildes Tier anfährt, muss den Wildhüter rufen. Dieser kümmert sich um den Kadaver und entsorgt ihn auch. Normalerweise bedeutet das, dass das Tier verbrannt wird. Nicht so in den USA: Die Stylistin Pamela Paquin stellt aus dem Fell von Tieren, die im Strassenverkehr getötet worden sind, Pelze her. Damit will sie eine Alternative anbieten zu Fellen von Tieren aus Zuchten oder von gejagten Tieren. Ihr Ziel ist, das Tragen von Pelz «ethisch korrekt» zu gestalten, schreibt «Le Matin».

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Paquins Vorgehen kommt auch in der Schweiz gut an. Helen Sandmeier, Sprecherin des Schweizer Tierschutzes (STS), sagt: «Grundsätzlich ist es eine gute Idee.» Wenn jemand unbedingt Pelz tragen wolle, dann sei es ethisch korrekter, wenn dieser aus dem Fell eines überfahrenen Tieres hergestellt worden sei.

«Gute Idee»

Trotzdem sei dieser Ansatz höchstens ein Tropfen auf den heissen Stein: «Die Pelznachfrage ist viel zu gross, als dass man sie mit dem Fell von überfahrenen Tieren decken könnte.»

In der Schweiz würden ungefähr 20'000 Wildtiere jährlich im Strassenverkehr getötet, davon seien aber ein Grossteil Tiere, deren Fell nicht für die Pelzproduktion geeignet sei. Umgekehrt würden viele Tiere, die für ihr Fell beliebt seien, in der Schweiz nur selten vorkommen: «Hier wird beispielsweise kaum jemand einen Waschbären anfahren.»

Ein anderer Aspekt bereitet Sandmeier aber noch grössere Sorgen: «Man muss aufpassen, dass man durch das Tragen eines Pelzes aus dem Fell von überfahrenen Tieren nicht unbewusst Werbung für die Pelzindustrie macht.» Die Leute auf der Strasse würden ja nicht erkennen, ob jemand einen Pelz trage, der aus dem Fell eines im Strassenverkehr getöteten Tieres gewonnen worden sei, weshalb sie zum Kauf eines herkömmlichen Pelzes angeregt werden könnten. «So besteht das Risiko, dass man der Pelzindustrie in die Hände spielt.»

«Strenge Kontrolle nötig»

Um dies zu verhindern, schlägt Maya Schmid, Generalsekretärin der Schweizer Liga gegen Vivisektion (LSCV), den Einsatz eines sichtbaren Labels vor. «So wie Lacoste ein Krokodil auf die Kleider näht, könnte man ethisch korrekte Pelze mit einem bestimmten Logo versehen.» Damit könne jeder unterscheiden, ob für die Herstellung eines Pelzes ein Tier bewusst getötet worden sei, oder ob man einfach das Fell eines überfahrenen Tieres weiterverwertet habe. «So würde die Idee von ethisch korrekten Pelzen sicher Sinn machen.»

Trotzdem sieht Schmid aber noch einige Schwachpunkte im amerikanischen Konzept: «Leute könnten Tiere absichtlich anfahren, um Pelze daraus zu machen.» Eine strenge Kontrolle sei deshalb absolut notwendig.

«Jagd ist wichtig»

Der pensionierte Kürschner Walter Okle glaubt hingegen nicht, dass man aus dem Fell von Tieren, die im Strassenverkehr getötet worden sind, noch Pelze herstellen kann: «Oft ist das Fell solcher Tiere mit Blut verschmutzt oder beschädigt.» In solchen Fällen könne man unmöglich noch einen Pelz gewinnen. «Dann bleibt nichts anderes übrig, als den Kadaver zu entsorgen.»

Okle sieht auch sonst keinen Grund, weshalb man überfahrene Tiere für die Pelzproduktion benutzen sollte. Die Tiere zu jagen, sei nicht problematisch, im Gegenteil: «Dass man durch die Jagd den Bestand bestimmter Tierarten wie etwa Füchsen kontrolliert ist wichtig», erklärt er. Ansonsten drohe eine Überpopulation.

(phi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon am 16.12.2015 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Pelzindustrie

    Ich finde, man sollte den Pelzimport komplett verbieten. Unglaublich, wie diese Tiere teilweise behandelt werden, bei lebendigem Leibe gehäutet etc. Ich könnte nie mit reinem Gewissen einen Import-Pelz tragen. Hingegen sollte man die Produktion von farien Inland Pelzen fördern, mit Marketing etc. Tiere wie Füchse, Hasen oder anderes Wild, die sowieso geschossen (Überpopulation) oder überfahren werden, sollte man nicht einfach entsorgen, sondern für Felle nutzen. So kann man dem Import entgegenwirken.

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  • Yves Schneider am 16.12.2015 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Pelze aus Farmen

    Das mit dem Waschbären im Artikel stimmt nicht, denn Waschbären sind bereits in Süddeutschland, vereinzelt in der Schweiz vorhanden. Pelze von überfahrenen Tieren verwenden und entsprechend kennzeichnen. Alle anderen Pelze verbieten

  • mona am 16.12.2015 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Pelz

    Die idee ist gut aber ich denke so bekommt der pelz leider noch mehr aufschwung, da leute mit gewissen dann pelz der überfahrenen tieren kaufen anstelle gar keinem. Ich wäre für KEIN PELZ! Absolut unnötig und verachtend ist das tragen von pelz. Leute die so etwas befürworten sollten mal nach china, Finnland etc gehen und sich die Kadaverberge anschauen, zT bewegen sich die gehäuteten tiere noch, da sie noch leben (lebendig gehäutet)...

Die neusten Leser-Kommentare

  • CMC am 17.12.2015 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder kann Tragen was er will...

    Ich sage nur Leben und Leben lassen.... Kann jeder für sich selber deuten wie er es möchte.

  • Evelyn Z. am 17.12.2015 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Pelz

    Ich liebe es einfach an einem kalten Wintermorgen in meine Pelzjacke zu schlüpfen. Den Tieren setzte ich somit ein Ehrendenkmal. Kann ja auch nichts dafür, dass manche Tiere so ein kuscheliges Fell haben. Solange man das nicht 1 zu 1 synthetisch kopieren kann, trage ich meinen Pelz.

    • catwoman am 17.12.2015 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Evelyn Z.

      ja genau-auch sie haben iq toastbrot und sind intelligenzmässig eher talentfrei.dann schauen sie doch mal die filme an, bei denen der pelz den tieren vom leib gezogen wird während sie noch leben (aber nebenbei keine hausarbeit machen, denn ich weiss nicht, ob sie 2 dinge miteinander erledigen können)...

    • Frau am 17.12.2015 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Evelyn

      Ohne Gewissen lebst's sich unschinierter. Nach Ihrem Motto, "Was ich nicht weiss,das macht mich nicht heiss"

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  • Veganerin lvl 3 am 17.12.2015 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Power to Vegan

    Warum spielen sich nun hier plötzlich als Tierschützer auf. Jeder der schon einmal Fleisch gegessen hat ist ein Mörder. Da finde ich Pelztragen ja noch weniger schlimm. Ein Huhn ist in 10min komplett gegessen und von diesem Planeten verschwunden. Ein Pelz hält länger. Egal, jedem der nicht Vegan lebt, klebt Blut an den Händen. Nur durch uns wird es Friede geben. Power to Vegan! Esfili Vegani di mens truation.

    • Riccardo am 17.12.2015 09:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Veganerin lvl 3

      Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen Fleischessen und Pelztragen: Beim Fleischessen müsste ein Grossteil der Bevölkerung das eigene Handeln hinterfragen und ändern und könnte nicht, wie beim Pelztragen, mit dem Finger auf andere zeigen.

    • H,Fischer am 17.12.2015 09:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Veganerin lvl 3

      Power Vegan sein! aber auf Leder Handtaschen, Schuhe aus Leder oder Wildleder "wau die muss ich haben" oder auf einen schönen Ledergürtel nicht verichten können.

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  • Edith Zellweger am 17.12.2015 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wär's mit Menschenhaut..........

    Wir könnten ja den toten Menschen auch die Haut abziehen und daraus Lederschuhe, Handtaschen, Handschuhe, Ledermäntel, Lampenschirme usw. machen - oder?! Und aus den Haaren könnte man Perücken oder Kappen machen. Ist ja egal. ob vom toten Tier oder von einem toten Menschen so etwas gemacht wird. Tot ist tot - oder?! Ich hoffe, dass er eine oder andere kapiert um was es geht?! Bingo um Ethik, Anstand und Respekt auch vor einem Tierleben und auch vor einem toten Tier!

  • M.J. am 17.12.2015 05:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pelzig...

    bald gibt es also Fuchsfarmen, in denen Autofahren erwünscht ist ;)