Diskriminierungsverbot

30. November 2018 21:24; Akt: 01.12.2018 01:23 Print

Transmenschen werden nicht vor Hass geschützt

Wer Homosexuelle diskriminiert, soll laut Ständerat bestraft werden – dasselbe gilt aber nicht für die Transidentität oder Intergeschlechtlichkeit.

Anna Rosenwasser und Alecs Recher im Gespräch. (Video: 20 Minuten)
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Der Ständerat will homo- und bisexuelle Menschen besser vor Attacken schützen. Am Mittwoch entschied er, die Anti-Rassismus-Strafnorm um den Strafbestand der Diskriminierung der sexuellen Orientierung zu ergänzen. Er folgt damit einer Initiative von SP-Nationalrat Mathias Reynard. Er kritisiert, dass das Strafgesetz nur die Diskriminierung wegen Rasse, Ethnie oder Religion unter Strafe stellt. «Es ist inakzeptabel, dass sich einige Personen gegenüber einer Gemeinschaft diskriminierend äussern können», so Reynard.

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Gilt nur für die sexuelle Orientierung

Der Nationalrat entschied im September, zusätzlich zur sexuellen Orientierung die Geschlechtsidentität, auch die Diskriminierung wegen einer Transidentität oder Intergeschlechtlichkeit unter Strafe zu stellen. Der Ständerat lehnte dies jedoch ab. Wie der Bundesrat ist er der Meinung, dass die Geschlechtsidentität nicht klar fassbar sei und im Strafgesetzbuch deshalb nichts zu suchen habe.

Anna Rosenwasser, Geschäftsführerin Lesbenorganisation Schweiz: (LOS), versteht diese Entscheidung nicht: «Ich glaube auch, dass viele Menschen nicht verstehen, wie alltäglich die Diskriminierung gegen trans und inter Menschen wirklich ist. Es geht nicht nur um das Witzeln. Es geht um das Gefühl, wenn man in der Bar angestarrt wird, oder die Tatsache, dass auf der ID nicht dein echter Name und dein aktuelles Geschlecht stehen. Viele wissen auch nicht, wie viele trans und inter Menschen es gibt. Man geht davon aus, dass zehn Prozent der Bevölkerung irgendwie queer sind. Damit gibt es mehr queere Menschen, als es Bauern gibt.»

Auch Alecs Recher, Leiter Rechtsberatung vom Transgender Network Switzerland (TGNS), ist enttäuscht: «Dass Diskriminierung und Hassreden aufgrund von sexueller Orientierung strafbar werden sollen, ist toll. Dass der Ständerat, in dem notabene keine Transperson sitzt, aber sagt: ‹Es ist okay, trans und inter Menschen zu diskriminieren›, ist eine Fehlentscheidung. Trans und inter Menschen sind gleichberechtigter Teil dieser Bevölkerung. Aber sie erleben ständig Verletzungen: Transleute, die in Restaurants einfach nicht bedient werden. Oder nur auf der Strasse unterwegs sind, aber beschimpft, bespuckt und verletzt werden. 66 bis über 80 Prozent hatten in ihrem Leben deshalb schon Suizid-Gedanken. Darauf so ignorant zu reagieren, wie es der Ständerat entschied, ist eines Landes wie der Schweiz nicht würdig.»

Sehen Sie das ganze Gespräch im Video.

(20M)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Was denkt ihr.. am 30.11.2018 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Widerspruch?

    Einerseits will man die Weltoffene und alles Akzeptierende Gesellschaft, aber andererseits versucht man mit Gesetzen eine genormten Menschen zu züchten der keine eigene Meinung mehr haben darf und wenn, dies dann unter Strafe gestellt wird. Ein Widerspruch in sich selbst.

    einklappen einklappen
  • giorgio1954 am 30.11.2018 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nötig?

    Hassen und bestrafen muss man diese Menschen sicher nicht. Aber auch nicht ständig auf den Schild heben, völlig unnötig.

  • Willi Tell am 30.11.2018 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NICHT MEINE WELT

    aber Leben und leben lassen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • DaveBuchs am 01.12.2018 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Männer in Strumpfhosen

    Wie werden Männer die gerne Strumpfhosen anhaben gehandhabt? Frage für einen Freund.

  • Rolf am 01.12.2018 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ständerat

    Hätte der Ständerat nicht einige wichtigere Dinge zu tun? Ich denke, die Damen und Herren wissen schon was ......

  • Delphine Sonntag am 01.12.2018 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe nicht, was das ist

    Ich glaube auch nicht, dass solche Trans- und Intermenschen gross diskriminiert werden, denn die meisten Menschen kommen gar nicht so recht draus, was das ist. Geht mir auch so und wahrscheinlich auch dem Nationalrat.

  • Walti am 01.12.2018 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Alle

    Richtig wäre, dass alle Menschen vor Hass geschützt werden müssen. Alles andere ist keine Lösung.

  • seven am 01.12.2018 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich bin anders

    als Andere und die sogenannten Normalen sind wiederum anders als Ich! Outen musste ich mich noch nie, wüsste nicht einmal weshalb ich Irgendwem Rechenschaft dafür schuldig bin. Wissen muss das auch Niemand, ist ja mein Leben und meine eigene und private Angelegenheit. Deshalb erntete ich bisher weder Unverständnis, weder Hass noch sonst irgendwas!