Chlorothalonil im Wasser

09. Februar 2020 11:03; Akt: 09.02.2020 15:57 Print

Pestizidbelastung bis zu 27-mal über Grenzwert

Daten zeigen, wo die Pestizid-Konzentration den heute gültigen Grenzwert massiv überschreitet. Kritiker sprechen von Behördenversagen.

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Das in der Landwirtschaft eingesetzte Fungizid Chlorothalonil ist seit Anfang Jahr verboten. Der Bund hat es als «wahrscheinlich krebserregend» für den Menschen eingestuft. Neue Daten zeigen nun: An gewissen Messstellen wurde die Konzentration des Chlorothalonil-Rückstandes R471811 um das 27-fache überschritten. «Die Wasserversorger machen ihren Job nicht. Sie haben keinen Plan, wie sie die Rückstände verhindern wollen und sie äussern sich nicht einmal zum Thema», sagt Franziska Herren von der Trinkwasser-Initiative. Paul Sicher vom Schweizerischen Verein des Gas- und Wasser sagt: «Wir rechnen damit, dass auch beim Trinkwasser ein grosser Teil des Mittellandes von Chlorothalonil-Rückständen betroffen ist.» Eine direkte gesundheitliche Gefährdung gehe davon nicht aus, sagt Sicher. Aber: «Wir können nicht tolerieren, dass zukünftige Generationen belastetes Wasser trinken.» Das Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil darf in der Schweiz seit Januar 2020 weder verkauft noch verwendet werden. Grund ist, dass eine Gefährdung der Gesundheit nicht ausgeschlossen werden kann. Die Aargauer Wasserversorger müssen das Trinkwasser nun auf ein weiteres Abbauprodukt des Pestizids untersuchen. Es sei davon auszugehen, dass rund zwei Drittel der Trinkwasserfassungen erhöhte Rückstandswerte des Abbauprodukts Chlorothalonil-Sulfonsäure aufwiesen, teilt der Kanton mit. Der Stoff gilt nach einer Einschätzung der EU-Kommission als «wahrscheinlich krebserregend». Der Bund hat sich dieser Einschätzung angeschlossen.

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Das in der Landwirtschaft eingesetzte Fungizid Chlorothalonil ist seit Anfang Jahr verboten. Der Bund hat es als «wahrscheinlich krebserregend» für den Menschen eingestuft. Neue Daten zeigen nun: An gewissen Messstellen ist die Konzentration des Chlorothalonil-Rückstandes R471811 bis zu 27-mal zu hoch.

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Die «Sonntagszeitung» erhielt aufgrund eines Gesuches nach dem Öffentlichkeitsgesetz Einblick in die Daten. Zuvor hatte sie das Bundesamt für Umwelt geheim gehalten. Wie die Zeitung schreibt, seien nicht einmal die betroffenen Gemeinden informiert worden. Der zuständige Gemeinderat von Fischbach, wo die Abbauprodukte den zulässigen Grenzwert um das 12-fache überschreiten, sagt: «Ich bin überrascht, dass der Bund uns das nicht mitgeteilt hat.»

Bund gibt zwei Jahre Zeit

Es handelt sich um Messungen, die 2017 vom Wasserforschungsinistitut Eawag durchgeführt wurden. In ihrer Analyse schrieben die Experten laut «Sonntagszeitung», dass die Messwerte besonders besorgniserregend seien, weil sich der Stoff nur langsam abbaue und seine Folgen für die Gesundheit kaum erforscht seien.

Zu den Gemeinden mit den höchsten Belastungen gehören Montmagny VD, Trüllikon ZH, Fischbach LU, Mathod VD und Neerach ZH. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gibt den Wasserversorgern zwei Jahre, um die neuen Höchstwerte für alle Abbaustoffe von Chlorothalonil einzuhalten. Einfache Massnahmen, um die Belastung zu senken, müssen sofort getroffen werden. Dazu gehört das Mischen von belastetem Wasser mit weniger belastetem Wasser aus anderen Quellen.

Mindestens 12 Kantone betroffen

Wie «Schweiz aktuell» berichtete, dürften die Grenzwerte im Grundwasser in mindestens 12 Kantonen überschritten sein. Im Kanton Bern seien 178'000 Personen betroffen, in Solothurn 160'000 und im Kanton Schaffhausen 20'000 Personen. Mittlerweile liefern Trinkwasserversorger sogar Wasser, wenn sie die Grenzwerte nicht einhalten können. «Wir können das Lebensmittelgesetz nicht mehr einhalten», sagt Andreas Hirt vom Trinkwasserlieferant Energie Service Biel.

Die Werte geben der Trinkwasser-Initiative Auftrieb. Sie fordert, dass Bauern nur noch Subventionen erhalten, wenn sie keine Pestizide einsetzen. National- und Ständerat haben die Initiative ohne Gegenvorschlag abgelehnt. Zuvor hatten Vertreter der Wasserversorger angekündigt, bei einem solchen Vorgehen möglicherweise die Initiative zu unterstützen. Eine klare Positionierung gab es vom Verband bisher aber nicht.

«Wie soll man noch vertrauen?»

Franziska Herren vom Komitee der Trinkwasser-Initiative sagt: «Die Versorger beliefern die Bevölkerung mit Wasser, das nicht der Qualität des Gesetzes entspricht. Die Behörden versagen und machen ihren Job nicht. Sie haben keinen Plan, wie sie die Rückstände verhindern und beseitigen wollen. Wie soll man ihnen so noch vertrauen?» Niemand fühle sich für das Problem zuständig. «Der Bund führt die Bevölkerung hinters Licht, wenn er nicht einmal die gemessenen Werte veröffentlicht.»

Dass die Grenzwerte nicht eingehalten würden, sei «Horror»: «Wir sind alle direkt betroffen. Kinder, die neu auf die Welt kommen, haben Pestizide im Schoppen. Beim Wasser kann man nicht auswählen.» Hinzu komme, dass sich die Rückstände langsam abbauten und möglicherweise noch 20 Jahre lang im Trinkwasser zu finden seien, wenn nichts unternommen werde. Für die Abstimmung, die am 29. November stattfinden könnte, sei sie optimistisch. «Der Bund sagt: Wir können die Grenzwerte nicht einhalten, aber trinkt ruhig weiter. Das akzeptieren die Leute nicht.»

«Grosser Teil des Mittelland betroffen»

Paul Sicher vom Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches sagt: «Wir rechnen damit, dass auch beim Trinkwasser ein grosser Teil des Mittellandes von Chlorothalonil-Rückständen betroffen ist.» Derzeit seien die Kantone und Versorger daran, das Trinkwasser auf die neuen Metaboliten von Chlorothalonil zu analysieren und mögliche Massnahmen zu eruieren. «Sie dürften umfangreich sein und mehrere Jahre in Anspruch nehmen». Für die Abbauprodukte von Chlorothalonil gelte erst seit Januar der Höchstwert. «Zuvor fielen diese durchs Raster.»

Eine direkte gesundheitliche Gefährdung gehe von den Abbauprodukten nicht aus, sagt Sicher. Aber: «Wir können nicht tolerieren, dass zukünftige Generationen belastetes Wasser trinken.» Sicher fordert deshalb einen besseren Schutz der Trinkwasserfassungen. Wenn Pestizide in Fassungsgebieten in einer höheren Konzentration als der Trinkwasser-Grenzwert vorkommen, so dürften diese nicht mehr zugelassen werden.

(ehs/pam)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bürger am 09.02.2020 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja....

    Wir wissen doch alle das weltweit alle Behörden Informationen zurückhalten. Zum Wohle des Bürgers wie es so schön heisst...

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  • geri am 09.02.2020 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur noch angelogen

    wer dem bund und unseren behörden noch traut ist sehr naiv

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  • Dani am 09.02.2020 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Krebs

    ...und dann wundern sich alle wieso soviele Krebs haben das muss sofortige Konsequenzen haben für die zuständigen Behörden!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eric van der Heijden am 12.02.2020 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot belastender Chemikalien

    Es ist ganz einfach, wir müssen das Übel bei der Wurzel packen: VERBOT VON SYNTHETISCHEN PESTIZIDEN. Langfristig wird sich das auszahlen, denn Gesundheit ist das höchste Gut.

  • Stauffacher am 12.02.2020 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Volksvergiftung

    Mein Vertrauen in dieses Volk und ihre Regierung ist dahin. Wie dumm sind wir eigentlich, uns selber langsam zu vergiften. Wasser ist ja nicht das einzige Problem. Und dahinter steht die unerträgliche Geldgier, immer höher,immer mehr.

  • Bill Weber am 12.02.2020 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Warum wurde das so lange unter dem Deckel gehalten ???

  • Maertu am 11.02.2020 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiso immer nur Landwirtschaft?

    Immer auf der Labdwirtschaft rumhacken.... Schon mal an die Gartenbauer und vorallem an die SBB gedacht? Die SBB hat weit den grösseren Einsatz von Herbiziden als die Landwirtschaft. Ind der Landwirtschaft ist es verboten Herbizide auf Kies oder Befestigzen Flächen auszubringen..... und was macht die Liebe Bahn? Ach übrigens: lediglich 1/3 der produzierten Pflanzenschutzmittel wird in der Landwirtschaft verwendet. Und von den privaten Hobbygärtnern sprechen wir mal nicht. Diese verwenden für 3 m2 gleich viel wie ein landwirt für 3 ha....

    • Eric van der Heijden am 12.02.2020 09:24 Report Diesen Beitrag melden

      Echte Alternativen subventionieren

      Sie haben recht. Das Problem ist nicht die Landwirtschaft, sondern die Pharma und das mit ihr verdiente Geld. Es ist ganz einfach, wir müssen das Übel bei der Wurzel packen: VERBOT VON SYNTHETISCHEN PESTIZIDEN. Der Landwirtschaft sollten echte Alternativen zum Gift subventioniert werden. Langfristig würde sich das auszahlen, denn Gesundheit ist das höchste Gut.

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  • Grüne Diktatur am 11.02.2020 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Zuwanderung wird nicht begrenzt?

    Jetzt kommen die Initianten der Trinkwasser-Initiative hervorgekrochen und machen Stimmung gegen die Bauern. Gewissen SP-Exponenten, die komischerweise selbst mal Bauern waren, sind einfach die Subventionen für die Bauern zu hoch. Mutmasslich wollen sie noch mehr Geld für den Asylbereich oder die Solarlobby abzwacken? Da sind natürlich Schweizer Bauern gewissen SPlern ein Dorn im Auge. Aber die Netten von SP und Grünen wollen die Zuwanderung ja nicht beschränken. Auch Zuwanderung nimmt den Bauern Agrarfläche weg und führt dazu, dass noch mehr Leute versorgt werden. Das geht nicht ohne Gift!