Tief im Süden

11. Oktober 2018 14:20; Akt: 11.10.2018 16:41 Print

Deshalb bleibt die Schweiz vom Unwetter verschont

Im Mittelmeerraum fordern Unwetter Tote und richten Verwüstungen an, während in der Schweiz seit Wochen die Sonne scheint. Experten erklären das Phänomen.

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Verkehrte Welt: Während der Norden Europas einen goldenen Herbst geniesst, werden vor allem südliche Feriendestinationen derzeit von schweren Unwettern und Überflutungen heimgesucht.

In Mallorca wurden wegen der starken Regenfälle mindestens zehn Menschen in den Tod gerissen, sechs Menschen gelten noch als vermisst. Der spanische Wetterdienst gab unterdessen die zweithöchste Unwetterwarnung für die Nachbarinseln Ibiza und Formentera und einen Teil von Katalonien aus, darunter auch Barcelona.

Auf der italienischen Ferieninsel Sardinien wurden die Bewohner nahe der Hauptstadt Cagliari am Mittwoch von grossen Wassermengen überrascht: Eine Brücke stürzte ein, Schulen wurden geschlossen und eine Mutter gilt noch immer als vermisst. Auch Korsika und die Cote d'Azur blieben vom Regen nicht verschont.

Tropischer Wirbelsturm über Süditalien

Gemäss MeteoNews ist ein derartiges Tief über dem Mittelmeerraum während dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich. «Das Mittelmeer ist im Herbst sehr warm und hat eine grosse Energie», erklärt Meteorologe Roger Perret. Nach Mallorca und Sardinien soll das Tief am Donnerstag über die Toskana und am Wochenende über Sizilien ziehen und dann langsam abschwächen. Auch dort rechnet der Experte mit heftigen Regenfällen.

Erst vor zwei Wochen hat sich laut Perret im Mittelmeer ein tropischer Wirbelsturm, ein sogenannter Medicane, gebildet. Davon betroffen waren Sardinien, Mittel- und Süditalien sowie Sizilien. Italienische Wetterexperten stuften die Situation als «sehr ernst» ein. Medicanes führen in der Regel zu starkem Regen und hohen Windgeschwindigkeiten.



Tropennacht mitten im Herbst

So mancher Urlauber in den betroffenen Regionen wünscht sich derzeit wohl, er wäre zu Hause geblieben: Dank eines Omega-Hochs zeigt sich das Wetter in der Schweiz seit Wochen mit viel Sonnenschein von seiner besten Seite. Vergangene Nacht herrschten in den Föhntälern sogar tropische Zustände. Am wärmsten blieb es in der Urner Gemeinde Schattdorf mit 20,8 Grad, dicht gefolgt von Glarus (20,7 Grad) und Altdorf, ebenfalls im Kanton Uri, mit 20,4 Grad.

Der Grund für die Tropennacht war gemäss MeteoNews eine Kombination aus milder Luft und Föhn. Dies komme alle paar Jahre mal wieder vor. «Es wurden auch schon im November und Dezember Tropennächte verzeichnet», so Klaus Marquardt von MeteoNews.


«Bilderbuchwetter» bleibt

Auch angesichts der heutigen Tagestemperaturen wähnt man sich mitten im Sommer – zumindest in den Föhntälern. Dort sorgt der Südföhn für Temperaturen zwischen 23 und 25 Grad. Und es ist kein Ende in Sicht: In den nächsten Tagen darf man sich gemäss Marquart auf «Bilderbuchwetter» und Temperaturen von über 20 Grad freuen.

(rab)