Auf 18 Grad runtergekühlt

05. August 2015 05:36; Akt: 05.08.2015 08:53 Print

Trotz Hitzetag schlottern Pendler morgens im Zug

Im Sommer sind Klimaanlagen willkommen. Die SBB meinen es derzeit aber ein bisschen zu gut: Am frühen Morgen herrschen im Zug von Basel nach Zürich gerade mal 18 Grad.

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Der Zug ist voll, die Abteile bis auf den letzten Platz besetzt. Es ist morgens um 7.40 Uhr, der doppelstöckige Regioexpress verlässt Schaffhausen Richtung Zürich. Bereits nach wenigen Minuten beginnen die Pendler zu schimpfen: «Ist das eine Saukälte hier drin.» Ein junger Mann zieht ein langärmliges Shirt an, eine Frau reibt sich mit den Händen die nackten Oberarme.

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Die wenigsten haben an diesem Tag eine Jacke oder einen Pulli dabei. Schliesslich ist Hochsommer, der Tag soll knappe 30 Grad bringen. Noch ist es aber nicht so weit. Die Klimaanlage wäre überhaupt nicht nötig. Trotzdem strömt aus der Decke kalte Luft, die Handy-App zeigt an: Es herrschen 16 Grad.

Auch an Hitzetagen mit Weste unterwegs

«Ich nehme morgens immer extra eine Jacke mit, nur damit ich die Zugfahrt aushalte», sagt auch Romina K.* Sie fährt jeden Tag von Sargans nach Zürich. Am liebsten hätte sie jeweils eine Wolldecke dabei, sagt sie. «Ich kenne das auch», sagt Leser Severin T.* Auf seiner täglichen Strecke von Basel nach Zürich misst sein Thermometer am Morgen nur 18 Grad. Um nicht zu frieren, hat er deshalb sogar an Hitzetagen eine Weste dabei.

Auch Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn, bestätigt: «Es kommt vor, dass es morgens in einzelnen Zügen extrem kalt ist und abends dann – wenn man die Klimaanlage bräuchte – können gefühlte 40 Grad vorherrschen.» Bei einzelnen Zügen oder Wagen bestehe ein Problem mit dem Kühlsystem. Auch wenn das Temperaturempfinden sehr individuell sei und man es kaum allen recht machen könne: «18 Grad sind definitiv zu wenig», so Schreiber.

«Reklamationen wegen Kälte bekommen wir selten»

Dass Reisende morgens auf dem Weg zur Arbeit frieren, sei natürlich nicht ideal, sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer. Ein Problem mit dem Kühlsystem bestreitet sie jedoch. «Die Klimageräte laufen ganztags, also auch schon am Morgen.» Die Temperatur in den Wagen sei grundsätzlich immer zwischen 18 und 21 Grad eingestellt. Natürlich sei aber das Wärmeempfinden von Person zu Person verschieden.

«Reklamationen wegen zu kalten Zügen bekommen wir allerdings selten», so Meyer. Meist sei es den Pendlern zu heiss. Dafür habe sie durchaus Verständnis. Denn: Die SBB halten sich bei der Regulierung der Temperatur an eine internationale Norm. An besonders heissen Tagen wird nur fünf Grad unter die Aussentemperatur gekühlt.

Dies, um einerseits den Fahrgästen grosse Temperaturwechsel zu ersparen und andererseits auch den Energieeinsatz in vernünftigen Relationen zu halten, so Meyer. Das heisst konkret: Wenn draussen 35 Grad herrschen, kühlt die Klimaanlage im Innern des Zugs trotzdem nur auf 30 Grad runter.

Zugpersonal kann Temperatur manuell regulieren

Gestern also herrschten am Abend im Zug von Zürich nach Basel 30 Grad und auf der Strecke von Zürich nach Luzern war es 28 Grad warm (siehe Bildstrecke). Meyer sagt, wer es vor Kälte oder Hitze im Zug nicht mehr aushalte, solle sich doch bei begleiteten Zügen an das Zugpersonal wenden: «Die können eventuell die Temperatur noch um ein paar Grad regulieren.»

*Namen geändert

(tab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Helge Schneider am 05.08.2015 05:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glücklich sind wir!

    Krass, uns geht es einfach zu gut hier! Wenn die Titelgeschichte der grössten Tageszeitung der Schweiz sich mit frierenden Pendlern in Zügen befassen muss, scheint wirklich kein anderes Problem vorhanden zu sein. Imposant!

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  • Hansi am 05.08.2015 05:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ja und ?

    Ich habe einen Pulover dabei. Wenn mit kalt wird kann ich den Anziehen. Verstehe das Gejammer nicht. in 2 Monaten ist man wieder Froh wenn es 18 C hat und wir am Bahnsteig steht. Wem es nicht Passt kann laufen oder mit dem Auto fahren. Immer wieder dies Jammerrei hier.

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  • Nörgeli am 05.08.2015 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autofahrerin

    Nörgeli Schweizer... Zu kalt... Zu warm... Also lieber "frieren" mit 18 Grad als schwitzen mit 28 Grad. Aber recht machen kann man es eh keinem. Deshalb fahre ich nur selten ÖV.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Loveit am 06.08.2015 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kühl

    Lieber morgens schön kühl in der Bahn, als bereits schon 25 oder mehr. Zum Glück muss ich momentan nicht pendeln.

  • Mili am 06.08.2015 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bis zu 40Grad am Abend!!!

    Also die Kälte am Mprgen finde ich gar nicht schlimm. Man kann ja dagegen etwas unternehmen wie z.B. eine Jacke mitnehmen. Die Hitze am Abend (vorallem in den S-Bahnen ab ZH Stadelhofen/Hardbrücke) ist allerdings unerträglich und unverschämt! Warum bezahlen wir so viel für die Tickets? Um in einer Sauna eine Stunde lang herumzufahren? Es ist wirklich qualvoll, da keine kalte Luft reinkommt. Was machen denn die armen älteren Leute, oder jene mit Kreislaufproblemen und Schwangere?! Schämt euch SBB!!! Und wenn es im Zug 40Grad hat, dann hat das wohl nichts damit zu tun, dass ich eine verwöhnte Schweizerin bin.

  • Alfred Bohnenblust am 05.08.2015 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Temperatur auf Handy-App

    Nur zur Information: Die gezeigte App in der Bildstrecke misst nicht die Temperatur sondern ermittelt mittels GPS die Position und ruft dann über das Internet die Temperaturdaten der nächstgelegenen Messstation ab.

  • Someone am 05.08.2015 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man fährt auch nicht Zug...

    Gut fahre ich nie Zug! Im Auto kann ich die Temperatur zum Glück selbst regulieren.

  • Sbb am 05.08.2015 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB KÜHLUNG

    Die SBB spricht von Energiesparen, wieso läuft dann frühmorgens bereits doe Klimaanlage, obwohl dies sicherlich nicht notwendig wäre!