Oralbeutel

17. Juli 2013 13:30; Akt: 17.07.2013 14:04 Print

Trotz Tabak-Debatte: Snus auf dem Vormarsch

von S. Heusser - In Zeiten, in denen das Parlament Tabak-Konsumenten an die kurze Leine nehmen will, stellt sich eine Mehrheit des Nationalrats hinter eine Snus-Legalisierung. Ein Erfolg für SVP-Mann Lukas Reimann.

storybild

(Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schwarze Zähne statt blauer Dunst: Zeitgleich mit der Forderung nach höheren Tabakpreisen (20 Minuten berichtete), steht die Mehrheit des Nationalrats hinter einer Initiative von Lukas Reimann (SVP), die den Vertrieb des Oraltabaks Snus in der Schweiz erlauben will. Die in Beuteln konsumierte Tabakform darf bis anhin nur zum Eigengebrauch importiert werden. Sie soll dereinst Schnupf- und Kautabak gleichgestellt und am Kiosk verfügbar sein, sollten sich die Pläne des Initianten erfüllen.

115 Nationalräte haben die parlamentarische Initiativevon Reimann mitunterzeichnet – darunter nicht wenige Gesundheitspolitiker. Der St. Galler Nationalrat führt unter anderem die geringere Gesundheitsbelastung im Vergleich mit Zigaretten und das Ausbleiben von Passivrauch als Argumente für eine Gesetzesänderung auf. Doch warum befürworten in Zeiten der Tabak-Geisselung so viele Parlamentarier eine Legalisierung des Mundtabaks? «Die guten Argumente haben vielen Politikern eingeleuchtet», sagt Reimann.

Konsum nur in geschlossenen Kreisen

Parteikollege und Gesundheitspolitiker Jürg Stahl, ebenfalls ein Befürworter höherer Zigarettenpreise, kritisiert den Widerspruch im aktuellen Gesetz: «Das Importverbot von Snus in Beuteln und der zugleich erlaubte Konsum machen wenig Sinn.» Die grüne Nationalrätin und Ärztin Yvonne Gilli glaubt, dass die Illegalisierung von Tabak ohnehin nichts bringt: «Es wird trotzdem konsumiert. Dabei fehlt einfach die Kontrolle.» Gesundheitskommissions-Kollegin Daniela Schneeberger (FDP) ist der Meinung, dass dem Snus-Verbot die Verhältnismässigkeit im Vergleich zu anderen Tabakformen abgehe: «Es macht keinen Sinn, Snus zu verbieten, während man Zigaretten erlaubt.»

Stahl, der selber zweimal Snus probiert hat und dem davon nur übel wurde, ist der Meinung, dass jeder eigenverantwortlich mit seiner Gesundheit umgehen müsse: «Man sollte den Menschen ruhig etwas erlauben und darauf vertrauen, dass sie den Snus selbstverantwortlich einsetzen.» Nur Müsli essen und Mineralwasser trinken mache den wenigsten Leuten Spass, so Stahl. Da das «Snusen» hauptsächlich in bestimmten Kreisen, etwa unter Eishockeyspielern, stattfinde, fürchtet er auch nicht, dass es durch die leichtere Verfügbarkeit zu einem Massenphänomen würde. SP-Nationalrätin Bea Heim erhofft sich von der Diskussion vor allem die Klärung der Frage, ob Snus in der Tat weniger schädlich sei als Rauchen. «Falls ja, halte ich eine Aufhebung der Einschränkung beim Snus-Konsum für möglich.»

«Es kommen noch viele Hürden»

Politologe Louis Perron kann sich nicht vorstellen, dass es bei der Snus-Zustimmung um ein Entgegenkommen angesichts der vielen Tabak-Verbote handelt. Es sei nämlich klar, dass sich der Wind gedreht habe: «Die Gesellschaft will den Tabak an den Rand drängen.» Nur so sei zu verstehen, warum nicht nur höhere Zigarettenpreise, sondern auch Rauchverbote in Beizen und Zügen längst akzeptiert würden. Den Erfolg ordnet Perron allein Reimann zu: «Es ist ihm gelungen, das Thema als unpolarisierndes Detail zu positionieren und damit eine Koalition von links bis rechts zu schmieden.» So habe wohl der Widerspruch, dass Snus eingeführt, aber nicht verkauft werden dürfe, auf viele unsinnig gewirkt.

Trotz des bisherigen Erfolgs darf Reimann sich aber nicht zurücklehnen. «Die Initiative fand in erster Instanz eine breite Unterstützung», sagt Yvonne Gilli, «doch es kommen noch viele Hürden.» Sie wünscht eine Diskussion, um sich eine vertiefte Meinung zu bilden. «Wie ich am Ende entscheiden werde, lasse ich aber noch offen. Ich glaube, viele vertreten eine ähnliche Haltung.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Soki am 17.07.2013 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize it !

    Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wir brauchen weniger Gesetze.

  • bryan am 17.07.2013 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    snus? Selbstverständtlich

    heut zu tage kennt jeder snus, sogar frauen konsumoeren es. unter hockey spieler ist das schon selbstverständtlich das man ein snuser ist. ich selber bin hockey spieler (elite) und kenne fast keinen der nicht snust.! soll entlich auch am kiosk erhältlich sein, denn die meisten bestellen übers internet, und ich sehe den grund nicht ein warum es nicht verkauft werden darf. lg bambolambo

  • Tönu am 17.07.2013 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles legalisieren

    Legalisieren wie alle anderen Drogen auch, jeder ist für sich selber verantwortlich. Und für die Gesundheitskosten eine Steuer auf den Produkten erheben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Soki am 17.07.2013 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize it !

    Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wir brauchen weniger Gesetze.

  • Tönu am 17.07.2013 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles legalisieren

    Legalisieren wie alle anderen Drogen auch, jeder ist für sich selber verantwortlich. Und für die Gesundheitskosten eine Steuer auf den Produkten erheben.

  • Berti am 17.07.2013 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarze Zähnehoax

    Kein normal zähneputzender Snuser kriegt schwarze Zähne. Im Gegenteil; Meine sind seit dem Umstieg vom Rauchen auf Snus bedeutend heller geworden. Ist ja so wie wenn ich behaupten würde Bier trinken gibt gelbe Zungen.

  • bryan am 17.07.2013 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    snus? Selbstverständtlich

    heut zu tage kennt jeder snus, sogar frauen konsumoeren es. unter hockey spieler ist das schon selbstverständtlich das man ein snuser ist. ich selber bin hockey spieler (elite) und kenne fast keinen der nicht snust.! soll entlich auch am kiosk erhältlich sein, denn die meisten bestellen übers internet, und ich sehe den grund nicht ein warum es nicht verkauft werden darf. lg bambolambo

  • Oli am 17.07.2013 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich finde beides eklig.