UNRWA

04. August 2019 18:14; Akt: 04.08.2019 18:34 Print

Schweizer Hilfswerk-Chef soll seinen Posten räumen

Spesenexzesse und ein Job für die Geliebte: Die Vorwürfe gegen Pierre Krähenbühl wiegen schwer. Treffen sie zu, müsse er zurücktreten, so ein SVP-Nationalrat.

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Das UNO-Palästinenserhilfswerk UNRWA steht unter Druck: Ein interner Bericht wirft der Führungsriege um den Schweizer Chef Pierre Krähenbühl «toxisches Arbeitsklima», Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft vor. Darunter etwa die Spesenexzesse und die Beschäftigung seiner Geliebten. Der Schweiz wurde das Treiben von Generalsekretär Krähenbühl zu bunt: Nachdem Aussenminister Cassis das Hilfswerk bereits letztes Jahr kritisierte, hat der Bund kürzlich angekündigt, die jährliche Zahlung an die UNRWA auszusetzen, bis die Vorwürfe geklärt sind. «Eine Situation, so wie sie jetzt vorliegt, ist für alle direkt und indirekt Betroffenen milde gesagt ein GAU», sagt Max Schweizer, ehemaliger Diplomat und Präsident des Swiss Diplomats - Zurich Network. Als vor einigen Monaten Bundesrat Ignazio Cassis es wagte, Fragen zur Organisation zu stellen, sei er dafür heftig kritisiert worden. «Zu Unrecht, wie sich jetzt zeigt.» Zumindest für Krähenbühl und die über 5 Millionen Flüchtlinge, für die die UNRWA sorgt, sei die ganze Affäre ein «Desaster», sagt Ricardo Bocco, Nahostexperte am Graduate Institute of Geneva. «Krähenbühl hatte bei seinem vorherigen Job beim Roten Kreuz einen ausgezeichneten Ruf – dass er den auf diese Weise ruiniert, kann ich einfach nicht verstehen.» Bocco: «Falls im September in Gaza, Libanon und Jordanien Kliniken und Schulen für Hunderttausende wegen Sparmassnahmen nicht öffnen können, wird die Region zur tickenden Zeitbombe.» Trotzdem befürwortet Bocco den UNRWA-Zahlungsstopp der Schweiz, bis Klarheit herrscht. «Ein kleiner Teil unserer Steuergelder finanziert die internationale Entwicklungshilfe. Da will man schon, dass das Geld verantwortungsbewusst ausgegeben wird.» SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal, der auch als Präsident der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Israel amtet, bedauert die Eskapaden Krähenbühls: «Sollten sich die Vorwürfe erhärten, muss er zurücktreten.» Für von Siebenthal zeigen die neusten Berichte über die Missstände bei der UNRWA, dass die Schweiz ihre Zahlungen nicht nur vorläufig sistieren, sondern auch längerfristig kürzen muss. «Wir müssen jetzt genau hinschauen.» SP-Nationalrat Carlo Sommaruga dagegen verteidigt das Hilfswerk: «Wir können nicht die Palästinenser bestrafen und ihnen die Hilfe streichen, nur weil ein Schweizer möglicherweise Fehler begangen hat.» Sommaruga betont, dass palästinensische Flüchtlinge seit 70 Jahren auf eine Entschädigung und eine Rückkehr in ihr Land warteten. «Sie brauchen die Hilfe der Schweiz.»

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Das UNO-Palästinenserhilfswerk UNRWA steht unter Druck: Ein interner Bericht wirft der Führungsriege um den Schweizer Chef Pierre Krähenbühl «toxisches Arbeitsklima», Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft vor – darunter die Spesenexzesse und die Beschäftigung seiner Geliebten. (20 Minuten berichtete).

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Der Schweiz wurde das Treiben von Generalsekretär Krähenbühl zu bunt: Nachdem Aussenminister Cassis das Hilfswerk bereits letztes Jahr kritisierte, hat der Bund kürzlich angekündigt, die jährliche Zahlung an die UNRWA auszusetzen, bis die Vorwürfe geklärt sind. Die Überweisung von 22,3 Millionen Franken für das laufende Jahr ist jedoch bereits getätigt. Ein Schritt, zu dem sich nun auch Belgien und die Niederlande entschieden haben.

«Milde gesagt ein GAU»

«Eine Situation, so wie sie jetzt vorliegt, ist für alle direkt und indirekt Betroffenen milde gesagt ein GAU», meint Max Schweizer, ehemaliger Diplomat und Präsident des Swiss Diplomats - Zurich Network. Als vor einigen Monaten Bundesrat Ignazio Cassis es wagte, Fragen zur Organisation zu stellen, sei er dafür heftig kritisiert worden. «Zu Unrecht, wie sich jetzt zeigt.»

Die Ernennung von Krähenbühl zum UNRWA-Chef sei 2014 mit einer gewissen Genugtuung aus der Schweiz erfolgt, sagt Schweizer. «Den sogenannt ‹guten Ruf› der Schweiz sehe ich aber nicht in Gefahr: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer», sagt Schweizer.

Eskapaden schaden dem Ruf des Hilfswerks

Zumindest für Krähenbühl und die über fünf Millionen Flüchtlinge, für die die UNRWA sorgt, sei die ganze Affäre ein «Desaster», sagt Ricardo Bocco, Nahostexperte am Graduate Institute of Geneva. «Krähenbühl hatte bei seinem vorherigen Job beim Roten Kreuz einen ausgezeichneten Ruf – dass er den auf diese Weise ruiniert, kann ich einfach nicht verstehen.» Weil die UNRWA auf internationale Spenden und Beitragszahlungen angewiesen sei, werde sie es nun noch schwerer haben, das nötige Geld aufzutreiben.

Bocco: «Falls im September in Gaza, Libanon und Jordanien Kliniken und Schulen für Hunderttausende wegen Sparmassnahmen nicht öffnen können, wird die Region zur tickenden Zeitbombe.» Trotzdem befürwortet Bocco den UNRWA-Zahlungsstopp der Schweiz, bis Klarheit herrscht. «Ein kleiner Teil unserer Steuergelder finanziert die internationale Entwicklungshilfe. Da will man schon, dass das Geld verantwortungsbewusst ausgegeben wird.»

«Intransparente Geldverschwendung bei der UNRWA»

SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal, der auch als Präsident der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Israel amtet, bedauert die Eskapaden Krähenbühls: «Sollten sich die Vorwürfe erhärten, muss er zurücktreten.» Für von Siebenthal zeigen die neusten Berichte über die Missstände bei der UNRWA, dass die Schweiz ihre Zahlungen nicht nur vorläufig sistieren, sondern auch längerfristig kürzen muss. «Wir müssen jetzt genau hinschauen.» Er hat dazu eine Motion eingereicht (siehe Box).

Flüchtlinge brauchen Hilfe der Schweiz

SP-Nationalrat Carlo Sommaruga dagegen verteidigt das Hilfswerk: «Wir können nicht die Palästinenser bestrafen und ihnen die Hilfe streichen, nur weil ein Schweizer möglicherweise Fehler begangen hat.» Sommaruga betont, dass palästinensische Flüchtlinge seit 70 Jahren auf eine Entschädigung und eine Rückkehr in ihr Land warteten. «Sie brauchen die Hilfe der Schweiz.» Die Strategie des UNRWA hält er für richtig, sagt aber: «Wenn eine für alle akzeptable Friedenslösung auf dem Tisch liegt, bei der es die UNRWA-Flüchtlingslager nicht mehr braucht, bin ich offen dafür – bisher haben die Kritiker eine solche aber nie geliefert.»

Im Fall Krähenbühl müsse man nun erst den Untersuchungsbericht der UNO abwarten, sagt Sommaruga. «Wenn er tatsächlich Vetternwirtschaft betrieben hat, muss das Hilfswerk die Konsequenzen ziehen – aber das ist eine Angelegenheit der Vereinten Nationen, nicht der Schweiz», so Sommaruga.

(dk/pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fight4Freedom am 04.08.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So sind ALLE..

    ... darum spende ich seit Jahren keinen Rappen mehr. Egal ob JRZ, Glückskette, Rotes Kreuz, Ärzte ohne Grenzen ALLE haben nachweislich Dreck am Stecken und oft einen admin. Overhead (Gehälter, etc), der viele der gespendete Gelder wegfrisst.

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  • SR am 04.08.2019 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    What else?

    Komisch, dass er noch nicht vom Posten entfernt wurde.

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  • Roli1966 am 04.08.2019 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aber ganz schnell!!

    so eine Frechheit und das unrechtmässig bezogene Geld auf Heller und Pfennig zurückzahlen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi-G am 06.08.2019 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch alltäglich

    Tja, wenn es um die Selbstbedienungsmentalität geht bei Steuergeldern, muss man gar nicht weit suchen. Bsp. VEBO und deren VRP!

  • G.R am 04.08.2019 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfswerke

    es ist höchste Zeit ein Referendum zu lancieren das der Bund keine Hilfswerke mehr understützt .Es soll jeder freiwillig Spenden und muss auf privater Basis funkionieren.

  • Alexander65 am 04.08.2019 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja Herr SP-NR Sommaruga..

    Nicht nur die Palästinenser, RESTLOS alle Staaten und Menschen außerhalb der Schweiz benötigen die Hilfe der Schweiz - nur die Schweizer selber nicht... (jedenfalls in den Augen vieler Politiker wie auch vieler Bediensteter der öffentlichen Hand). Würde man nur 20% von all diesen Milliarden dem eigenen Volk zukommen lassen, wäre den betroffenen Menschen und damit unserem Volk viel mehr geholfen und auch unserer Wirtschaft gedient!!! Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass "man" das "gesamte" Volk schleichend enteignen will - das erinnert mich sehr stark an die Diktatoren aus Afrika...

  • SVPler am 04.08.2019 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    handeln

    Sofortiger stopp aller ausländischer hilfe(werke) radikale untersuchung anordnen und unter die militär gesetze stellen! Zahlungen werden erst nach der untersuchung und räumung wieder getätigt. Vermutlich nur noch 1/4 vom vorher bezahlten und die leistung wird höher sein!

  • Kari Tass am 04.08.2019 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Never ever

    Zufall, Glück oder doch eine gute Kontrolle, dass auf diesem Umstand gestossen wurde? Ich sehe ab und zu wofür Spenden verwendet werden....